Ruhpolding – Ein rasanter Einstieg in den Biathlon-Weltcup war Anna Weidel bereits in der zweiten Station in Hochfilzen im Dezember gelungen. Nachdem sie im Sprint mit dem achten Platz gleich die Norm für die Olympischen Spiele geschafft hatte, gelang ihr in der darauffolgenden Verfolgung ein zehnter Rang. Allerdings verliefen die Spiele in Antholz für die 29-Jährige vom Stützpunkt Ruhpolding nicht wie gewünscht.
„Nach der vorzeitigen Qualifikation war ich sehr beruhigt und in guter Laune“, so die Sportlerin vom WSV Kiefersfelden. Ihr Saisonziel, im sechsköpfigen Olympia-Team des DSV zu stehen, war noch vor Weihnachten in trockenen Tüchern. „Nachdem ich im Gesamtweltcup dann auch recht gut platziert gewesen bin, habe ich natürlich bei den Spielen auch auf einen Einsatz gehofft“, erzählt sie. Daraus wurde aber nichts, andere Athletinnen bekamen den Vorzug – darüber zeigt sich Weidel immer noch sehr enttäuscht. „Ich bin gut vorbereitet gewesen und habe mich richtig gut gefühlt“, erinnert sie sich. Auch die Tests und Trainingseinheiten vor Ort in Antholz verliefen für sie immer positiv. „Ich habe mit den Ersatzläuferinnen aus Schweden und anderen Nationen trainiert und auch Denise Herrmann-Wick hat mit mir schnelle Einheiten gemacht. Wir sind sogar hoch auf den Staller Sattel“, so die 29-Jährige. Doch Einsätze ließen auf sich warten, schließlich bekam sie von den Trainern keine Nominierung. „Ich war so positiv gestimmt und musste dann das Beste daraus machen“, so Weidel, die kein Typ ist, gegen Trainerentscheide aufzubegehren. „Es hätte anders sein können, aber es ist halt so, ich bekam keine Chance“, meint sie traurig.
Ihrer Ansicht nach war diese Entwicklung schleichend: Nach dem Weltcup in Oberhof wurde sie bereits für die Heimrennen in Ruhpolding nicht berücksichtigt. Während der Rest des Teams anschließend ins Trainingslager ging, wurde sie für den letzten Weltcup vor den Spielen in Nove Mesto nominiert. Zugleich bekam sie die Zusage, die drei letzten Weltcups nach Olympia bestreiten zu dürfen.
Bei diesen Wettkämpfen konnte sie allerdings wegen einer Erkrankung nicht an den Start gehen. „Im Prinzip waren alles danach, nach heutiger Sicht betrachtet, keine überraschenden Entscheidungen. Ich hoffe jetzt, dass sich mit einem neuen Trainerteam einiges ändern wird“, sagt sie und bekräftigt, dass sie auch kommende Saison dem Biathlon treu bleiben wird. Allerdings sind die Olympischen Spiele 2030 in Frankreich kein Thema mehr.
Mittlerweile hat sich Anna Weidel ein zweites Standbein aufgebaut. Sie hat einen Bachelor in Wirtschaft in Ansbach abgeschlossen und studiert aktuell an der Fern-Universität in Hagen Jura. „Ich muss mich auf alle Fälle bei meinem Heimtrainer Andi Birnbacher bedanken. Er hat großen Anteil an meiner Entwicklung“, sagt die dem „Zoll-Skiteam“ angehörige Biathletin. Auf ihre bisherige Karriere zurückblickend meint sie: „Am Anfang war ich immer zu jung, und ab 26 dann zu alt.“ Obwohl die Enttäuschung nach wie vor groß ist, plant sie ihren Urlaub mit einer Stippvisite in Norwegen, bevor es ab Mai mit der Saisonvorbereitung weitergeht.