Wasserburg – Bei den Zweitliga-Basketballerinnen des TSV Wasserburg hat sich in der Saison 2025/26 einiges verändert. Seit Herbst 2025 steht mit dem schweizerisch-kroatischen Trainer Danijel Brankovic ein neuer Mann an der Seitenlinie, und im Frontcourt sorgt die Australierin Neseya Parker-Williams für Aufsehen. Während die Spielerin die Wasserburgerinnen bereits wieder in Richtung Down Under zu ihrem neuen Verein, den Northside Wizards Brisbane, verlassen hat, bleibt Trainer Brankovic den Inn-Damen erhalten. Die OVB-Sportredaktion hat beide in Wasserburg besucht.
Sie haben beide schon im Ausland gearbeitet. Wie stark ist die 2. Damen-Basketball-Bundesliga?
Danijel Brankovic: Im Vergleich zur Liga in der Schweiz, in der ich zuvor gearbeitet habe, ist das Niveau hier deutlich höher – auch wenn es „nur“ die 2. Liga ist. Das Spiel ist wesentlich schneller, es gibt deutlich mehr Abschlüsse. Außerdem ist die individuelle Qualität der Spielerinnen höher, ebenso die Physis. Die Schiedsrichter lassen mehr laufen, was das Spiel intensiver macht. Für mich ist das eine sehr interessante Erfahrung, und ich möchte mich hier weiterentwickeln und noch besser werden.
Neseya Parker-Williams: Der Unterschied zwischen der australischen und der deutschen Liga liegt vor allem in der Physis und auch in einigen Regelinterpretationen. Ich finde, die Liga ist ein sehr guter erster Schritt für Spielerinnen, die sich im Basketball weiterentwickeln möchten.
Mussten Sie sich erst an das Spiel gewöhnen?
Parker-Williams: Ja, auf jeden Fall. Ich habe etwas Zeit gebraucht, um mich anzupassen – sowohl körperlich als auch mental. Auch die Regeln und die Spielweise sind etwas anders. Insgesamt war es für mich ein längerer Anpassungsprozess.
Wie viel Zeit verbringen Sie in Wasserburg? Was machen Sie neben dem Basketball?
Parker-Williams: Wasserburg ist ganz anders als meine Heimat. Ich komme aus Perth, einer Stadt mit etwa drei Millionen Einwohnern, hier sind es nur rund 13.000 – das ist ein großer Unterschied. Es ist aber ein sehr schöner Ort. Ich verbringe die meiste Zeit mit Basketball, gehe ab und zu in die Stadt, aber insgesamt mache ich nicht allzu viel nebenher.
Und wie ist es für den Trainer?
Brankovic: Ich komme aus Luzern, das ist auch keine riesige Stadt, aber ich habe eigentlich mein ganzes Leben in Städten verbracht. Deshalb waren Grünberg und jetzt Wasserburg zunächst eine Umstellung. Vielleicht kommt das auch mit dem Alter: Ich genieße die Ruhe hier sehr und das etwas langsamere Lebenstempo. Die Menschen haben mich mit offenen Armen empfangen. Ich gehe gerne mal einen Kaffee trinken – mit Spielerinnen, Coaches oder Leuten aus dem Verein.
Abgesehen davon habe ich neben Basketball, Videoanalyse und Spielvorbereitung noch nicht viel von Deutschland gesehen. Das wird sich in der Offseason ändern. Dann möchte ich auch etwas reisen. Ich liebe Burgen und Schlösser – und davon gibt es in Deutschland ja genug.
Wie würden Sie sich als Spielerin und als Person beschreiben?
Parker-Williams: Ich bin eher ruhig und introvertiert und verbringe gerne Zeit für mich. Wenn man mich besser kennt, merkt man aber, dass ich auch freundlich und lustig bin. Auf dem Feld kann ich Dinge tun, die man vielleicht nicht erwartet – zum Beispiel in der Defense plötzlich doch noch eingreifen, obwohl ich weit weg wirke. Ich würde sagen, ich bin eine moderne Spielerin und spiele modernen Basketball.
Brankovic: Ich finde auch, dass sie eine sehr moderne Spielerin ist. Sie hat Größe, lange Arme und Beine, kann aber trotzdem auf kleineren Positionen spielen. Sie kann den Ball nach vorne bringen, eins-gegen-eins spielen, für sich selbst und für andere kreieren. Manchmal wirkt sie etwas verschlafen – und plötzlich ist sie da und macht das Spiel.
Wie würden Sie ihren Trainer als Person und Coach beschreiben?
Parker-Williams: Er ist ein emotionaler Mensch, aber man merkt, dass er sich wirklich um das Team kümmert. Er hat seine eigene Art, und man muss ihn erst richtig kennenlernen, um ihn zu verstehen. Aber er ist ein sehr guter Mensch. Seit ich hier bin, hat er mich immer unterstützt. Er gibt einem Vertrauen und Selbstvertrauen und pusht einen, das Beste aus sich herauszuholen.
Brankovic: Als Trainer an der Seitenlinie wirke ich wahrscheinlich sehr extrovertiert – ich gestikuliere viel, bin laut und fordere viel. Aber einfach nur dastehen und das Spiel laufen lassen, das ist nicht mein Stil. Mit der Zeit bin ich ruhiger geworden. Privat bin ich eher für mich, weil sich vieles im Kopf um Basketball dreht. Wenn ich mal Zeit habe, entspanne ich auch gerne allein, zum Beispiel mit der Playstation.
Wie bewerten Sie die Saison?
Brankovic: Mit dem Potenzial, das wir im Team hatten, hätten wir eigentlich die Play-offs erreichen müssen. Wir waren auf allen Positionen gut besetzt. Leider hatten wir vor allem in der Rückrunde viele Verletzungen. Dadurch konnten wir oft nicht richtig trainieren und wussten teilweise bis kurz vor dem Spiel nicht, wer überhaupt einsatzfähig ist.
Parker-Williams: Das hat zu einigen unnötigen Niederlagen geführt. Am Ende hat es deshalb nicht für die Play-offs gereicht, was sehr schade ist. In Spielen gegen starke Gegner wie Würzburg oder Heidelberg haben wir gezeigt, dass wir jeden schlagen können. Aber die vielen Ausfälle haben uns entscheidend zurückgeworfen – das hinterlässt einen bitteren Beigeschmack.
Wie geht es jetzt für Sie weiter?
Brankovic: Das Ziel ist es, länger hierzubleiben. Mein Auftrag ist es, die Jugendarbeit voranzubringen und junge Spielerinnen aus der Region zu fördern und an die 2. Bundesliga heranzuführen. Langfristig sollen sie zu Leistungsträgerinnen entwickelt werden.
Das ist natürlich ein Prozess, der Zeit braucht – mit Rückschlägen und schwierigen Phasen. Das große Ziel ist irgendwann die Rückkehr in die 1. Bundesliga, aber das wird nicht sofort passieren. Ich habe solche Aufbauarbeiten schon bei mehreren Vereinen gemacht und bin zuversichtlich, dass wir das auch hier schaffen können. Ich bleibe Head Coach der ersten Damenmannschaft und werde zusätzlich als Sportdirektor für den gesamten sportlichen Bereich verantwortlich sein.
Shay, Sie kommen aus Australien. Wie kam für Sie der Schritt nach Europa zustande?
Parker-Williams: Das kam vor allem durch Coach Brankovic. Er hatte damals Kontakt zu meinem Agenten. Am Ende habe ich zwischen zwei Optionen überlegt, wohin ich gehen soll. Mir wurde dann von mehreren Seiten gesagt, dass Deutschland sehr gut zu mir passen würde. Es sei ein idealer Ort für meine Weiterentwicklung und ein guter erster Schritt für meine Karriere im Ausland.
Wie haben Sie Parker-Williams entdeckt?
Brankovic: Wir Trainer bekommen unzählige Anfragen von Agenten und Agenturen – ständig wird einem Material von Spielerinnen für die nächste Saison geschickt. Ich hatte in meiner Karriere bisher noch nie eine Australierin im Team, sondern vor allem Amerikanerinnen und Spielerinnen aus Europa.
Dann habe ich mit anderen Coaches gesprochen, die bereits mit Australierinnen gearbeitet haben. Alle haben gesagt: Das sind besondere Spielerinnen – eine Mischung aus europäischer und amerikanischer Basketballschule. Das hat mich neugierig gemacht. Also habe ich mir den australischen Markt genauer angeschaut – und sie ist mir sofort aufgefallen. Größe, Fähigkeiten, Gesamtpaket – das hat alles gepasst. Nach einem Gespräch mit ihr war ich mir eigentlich sofort sicher: Ich möchte sie verpflichten.
Wie wichtig ist es, dass eine Spielerin nicht nur sportlich überzeugt, sondern auch menschlich ins Team passt?
Brankovic: Das kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Gerade kleinere Vereine, die nicht mit großen Budgets arbeiten, sind oft darauf angewiesen, junge Spielerinnen direkt vom College zu verpflichten, die noch keine Profi-Erfahrung haben. Das ist immer ein Stück weit eine Wundertüte: Man sieht, wie sie spielen – aber man weiß nicht, wie sie als Mensch sind. Dieses Jahr hatten wir wirklich großes Glück.
Warum haben Sie sich damals für Wasserburg entscheiden?
Parker-Williams: Ich habe darin eine gute Möglichkeit gesehen, mich zu zeigen und erste Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Außerdem hatte ich ein Gespräch mit Coach Brankovic. Er kannte den australischen Basketballstil und wusste, dass er sich etwas von anderen Ligen unterscheidet. Zum Beispiel ist das Spiel in Malaysia, wo ich vorher war, eher ein schnelles Hin und Her. In Australien hingegen ist es strukturierter, mit mehr Fokus auf Würfe von außen. Anfangs war er sich nicht ganz sicher, ob mein Spielstil hier sofort funktioniert.
Für mich war das aber eine zusätzliche Motivation: Ich wollte beweisen, dass ich meinen australischen Spielstil auch hier erfolgreich einbringen kann. Gleichzeitig ging es mir auch darum, mich weiterzuentwickeln und sichtbarer zu werden. Deshalb habe ich mich für Wasserburg entschieden.