Kühnhauser: Kampferlaubnis von der Mama

von Redaktion

Interview Kilian Kühnhauser spricht über Druck in den Play-downs, seine Heimat und einen Faustkampf

Rosenheim – Vom beschaulichen Rosenheim raus in die große weite Welt – ganz so drastisch war der Schritt, den Kilian Kühnhauser im letzten Sommer gegangen ist, nicht. Doch auch der Wechsel zum EHC Freiburg war für den 21-Jährigen eine neue Erfahrung. Seine komplette Jugend hatte der gebürtige Düsseldorfer im Eishockey-Nachwuchs der Starbulls verbracht, vor der DEL2-Saison 2025/26 ging Kühnhauser dann den nächsten Schritt und wechselte in den Breisgau. Es war eine Entscheidung, die seiner Karriere einen großen Schub verpasst hat. Mit den Wölfen schaffte Kühnhauser den Klassenerhalt und wurde unter die Top drei der besten U21-Spieler der Liga gewählt. Im exklusiven Interview blickt Kühnhauser auf seine Saison zurück, verrät, was er in Freiburg vermisst hat, und spricht über seinen Faustkampf mit Marcel Müller.

Wie zufrieden waren Sie mit Ihrem ersten Jahr in Freiburg?

Sehr zufrieden. Ich bin mit wesentlich geringeren Erwartungen hingegangen. Ich hätte es mir nicht besser vorstellen können. Es war nicht das Ziel, in die Play-downs zu gehen, aber das muss man einfach akzeptieren.

Welche Ziele hatte sich die Mannschaft gesteckt?

Wir sind nicht mit dem Ziel Play-downs in die Saison gegangen. Der Saisonstart war dann holprig und ich glaube, so verändern sich Ziele über das Jahr. Im November musste unser Trainer gehen. Ab da war dann klar, wir müssen von Spiel zu Spiel denken und schauen, dass wir wieder Anschluss finden. Dass wir die Saison so zu Ende gespielt haben, kann man schon als „Erfolg“ sehen. Uns hat nur ein Punkt für die Play-offs gefehlt. Dass wir die Serie gegen Kaufbeuren in drei Spielen zu Ende gebracht haben, darf man auch nicht einfach so stehen lassen. Das war schon eine zähe Serie, auch wenn es das Endergebnis nicht so widerspiegelt.

Sie waren ja auch mit Rosenheim schon einmal in den Play-downs.

Es war noch ein bisschen anders. Als ich mit Rosenheim in den Play-downs gespielt habe, hatte ich nicht annähernd so eine Rolle wie in Freiburg. Deshalb habe ich in diesem Jahr mehr zum „Erfolg“ beitragen können. Das ist eine brutale Anspannung. Da geht es um das Überleben. Das ist nicht wie in den Play-offs, dass man Sommerpause hat, wenn man verliert. Als wir im letzten Spiel in der Overtime das Tor geschossen haben, ist eine enorme Last abgefallen.

Sie hatten im Schnitt 19 Minuten Eiszeit. Hatten Sie damit gerechnet?

19 Minuten sind schon eine Hausnummer. Da bin ich sehr zufrieden. In Rosenheim war ich davon weit entfernt. Das war auch einer der Punkte für meinen Wechsel: Ich wollte spielen. Dadurch, dass ich so viel gespielt habe, habe ich immer mehr Selbstvertrauen gekriegt und habe mir auf dem Eis mehr zugetraut.

Wie haben Sie den Trainerwechsel erlebt?

Als ich gelesen habe, dass sie den Trainer rausschmeißen, dachte ich mir schon kurz: Wie geht’s jetzt weiter? Kommt jetzt ein Trainer, der doch wieder auf die Erfahrenen setzt? Da habe ich dann aber relativ schnell gedacht: Kili, spiel einfach dein Spiel weiter. Recht viel mehr kann ich nicht machen. Das hat mir gut weitergeholfen. Dann hat der Trainer gesehen, dass ich meine Leistung bringe, und hat mich weiter spielen lassen.

Sie hatten in der Hauptrunde eine Plus-Minus-Bilanz von -14. Das geht besser, oder?

Nach dem Trainerwechsel haben wir einen neuen Co-Trainer bekommen, Simon Danner. Er hat mir gesagt, dass es ihm egal ist, wie viele Punkte ich mache, solange die Plus-Minus-Statistik ein bisschen positiver wird. Ich habe viele Minuspunkte im ersten Viertel der Saison bekommen. In der zweiten Hälfte hat es eine Entwicklung gegeben. Ich habe am Anfang des Jahres zu meinem Papa gesagt, dass mich das nervt. Ich telefoniere nach jedem Spiel mit meinem Vater. Er hat dann irgendwann gesagt: „Kili, es ist halt jetzt so. Das kannst du auch nicht ändern. Es werden auch wieder bessere Zeiten kommen.“ Das war auch ein Teil von diesem Schritt, den ich während der Saison gemacht habe.

Und offensiv?

Ich bin überglücklich, dass ich überhaupt ein Tor geschossen habe. Meine Einstellung ist, dass wir hinten stabil stehen. Und wenn ich dann gut ins Spiel reinkomme, kommt die Offensive von alleine.

Wenn Sie mit Ihrem Papa telefonieren, ist er dann mehr Trainer oder mehr Papa?

Papa. Er hat immer gesagt, dass er mich nicht trainiert, aber wenn ich Fragen habe, hilft er mir gerne weiter.

Sie waren am Ende der Saison für die Wahl zum besten U21-Spieler nominiert. War das eine große Ehre?

Natürlich ist es eine große Ehre. Wir haben in der Liga einige richtig gute U21-Spieler. Ich habe mit vielen davon in den Nachwuchs-Nationalmannschaften zusammengespielt. Mich freut es, wenn die Jungs, mit denen ich quasi aufgewachsen bin, so erfolgreich sind. Von den drei Finalisten hätte es jeder verdient gehabt. Ich habe Paul auch gleich gratuliert.

Sie hatten bisher in Ihrer Karriere nur in Rosenheim gespielt. Wie groß war der Unterschied in Freiburg?

Das ist schwierig zu sagen. In jedem Verein laufen manche Sachen anders. Aber nur weil es anders läuft, heißt es nicht, dass etwas besser oder schlechter ist. Es war natürlich eine andere Erfahrung, weil ich nicht mehr der Kilian aus dem Nachwuchs war.

Wie haben Sie die Fans in Freiburg erlebt?

Wenn man einmal in Rosenheim war oder aus Rosenheim kommt, dann ist man von den Fans verwöhnt. Die Fans in Freiburg sind auch gut. Aber wenn Rosenheim ausverkauft ist, dann ist es einfach etwas ganz anderes. In Freiburg ist es auch laut, aber die Halle ist kleiner.

Wie ist das Leben in Freiburg?

Es war für mich einfach etwas anderes. Ich glaube, ich bin noch nie so viel Straßenbahn gefahren, wie in der ersten Woche. Es ist eine Studentenstadt, es ist immer was los. Das Einzige, das mir abgegangen ist, sind die Berge. Das Alpenpanorama hast du in Freiburg nicht. Freiburg hat aber eine schöne Altstadt.

Wie war es für Sie innerhalb der Mannschaft? Wie sind Sie aufgenommen worden?

Das erste Mal in der Kabine machst du dir schon Gedanken: Krieg ich das alles hin? Passt das alles? Aber den anderen Jungs geht es ja gleich. Die Sorgen, dass du keinen Anschluss findest, haben mir die Jungs sehr schnell genommen. Das ist das Schöne am Sport, man findet ganz schnell neue Freunde.

Konnten Sie mit jemandem bairisch reden?

Wir waren vier Bayern. David Trinkberger und Lukas Mühlbauer sind zwei Landshuter. Und Maximilian Leitner war lange Zeit ein Tölzer. Da lassen wir unsere Rivalitäten fallen und sind einfach froh, dass jemand aus der Heimat da ist.

Machen sich die anderen Spieler darüber lustig, wenn Sie bairisch reden?

Ja, aber es ist nicht schlimm. Mit Lukas Mühlbauer habe ich quer durch die Kabine gequatscht. Dann ist aus der Freiburger Ecke schon mal ein kleiner Spruch gekommen. Das war schon lustig.

Wie oft waren Sie während der Saison in Rosenheim?

Tatsächlich seltener, als ich gedacht hatte. Ich bin einer, der sehr gern in die Heimat fährt. Mir geht’s in Freiburg super, aber ich bin auch gern bei meiner Familie und meinen Schulfreunden. Meine Familie hat mich oft besucht und auch meine Jungs waren da. Zudem habe ich fast jeden Tag mit meiner Familie und meinen Freunden telefoniert.

Wie haben Sie die Starbulls verfolgt?

Dadurch, dass ich noch den Großteil der Mannschaft kannte und mit ein paar Jungs privat befreundet bin, interessiert es mich schon, was die Starbulls fabrizieren. Nach dem Spiel schaue ich generell, wie die ganze Liga gespielt hat. Dann habe ich natürlich auch geschaut, ob der Hannes (Johannes Achatz, Anm. d. Red.) ein Tor geschossen hat.

Gab es Momente, die Ihnen in Erinnerung bleiben werden?

Auf jeden Fall das letzte Overtime-Tor, wodurch wir die Klasse gehalten haben. Das war schon ein geiles Gefühl. Klar, du spielst Play-downs und hast gerade „nur“ den Klassenerhalt geschafft. Aber da fällt so viel von einem ab. Mein erstes Tor hat mich auch gefreut. Es war fünf Minuten vor Schluss, das 3:2. Danach in die Fankurve reinlaufen, das ist schon geil. Der dritte Moment war mein unerwarteter Fight gegen Marcel Müller.

Sie haben sich gleich ein Schwergewicht ausgesucht.

Ich habe mir das nicht ausgesucht (lacht). Einige haben mir danach geschrieben, dass sie das nicht von mir gewohnt sind. Ich würde jetzt gern meine Mama zitieren. Sie meinte: „Kili, wenn dich jemand anlangt, dann musst du dich nicht verhauen lassen. Dann darfst du dich schon verteidigen und zurückhauen.“ Es war schon ein geiles Erlebnis. Und ich war für meinen ersten Kampf eigentlich sehr zufrieden. Man denkt in der Situation auch nicht viel nach, es fließt so viel Adrenalin. Die fünf Minuten Pause danach haben aber schon gutgetan.

Wie geht es jetzt weiter?

Es ist ein langer Sommer. Ich habe mit meinem Athletiktrainer schon geredet und habe Bock auf das Sommertraining.

Gibt es etwas Spezifisches, an dem Sie arbeiten wollen?

Man kann immer überall besser werden. Ich weiß, das ist der klassische Satz, aber es ist so. Es gibt schon spezielle Sachen, aber die behalte ich lieber für mich.

Während der Saison haben wir ein Interview mit Ihrem Vater gemacht. Da hat er von einem Ziel gesprochen, das Sie ihm aber nicht verraten wollen. Können Sie uns jetzt mehr darüber sagen?

Das würde ich weiterhin gerne einfach so stehen lassen.

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