Herz und Kopf als größte Gegner

von Redaktion

Biathletin Johanna Puff kämpft sich nach Herzmuskelentzündung zurück – „Fühlt sich unnütz und allein“

Rosenheim – „Es geht mir deutlich besser, ich kann wieder Sport treiben und finde langsam auch die Freude daran zurück“, beschreibt Biathletin Johanna Puff ihren Zustand nach ihrer langen Krankheit. Im vergangenen Dezember beim IBU-Cup in Obertilliach war Puff im Rennen plötzlich zusammengebrochen. Nachdem die 23-Jährige bereits im September krankheitsbedingt die deutschen Meisterschaften verpasst hatte, war der IBU-Cup die letzte Chance, sich für den Weltcup zu qualifizieren. Dadurch wollte sie sich den Traum erfüllen, das Ticket für die Olympischen Spiele zu lösen.

„Zuvor hatte ich immer Herzrasen nach dem Training oder nach Rennen“, erinnert sich die Sportlerin vom Stützpunkt Ruhpolding. „Es hat sich komisch angefühlt, aber von medizinischer Seite hatte ich grünes Licht bekommen. Die Blutwerte waren nach meiner Krankheit in Ordnung und es gab keine weiteren Auffälligkeiten. Deshalb habe ich mir zunächst keine großen Sorgen gemacht“, erzählt sie weiter. Erst nach dem Zusammenbruch erfolgten im Krankenhaus weitere genauere Untersuchungen. Die Diagnose: eine Herzmuskelentzündung, zum Glück in einer milderen Form. „Nach meinem Zusammenbruch war die Energie wie ausgesaugt aus meinem Körper. Am Anfang hatte ich kaum Kraft, überhaupt aus dem Bett zu kommen. Woche für Woche wurde es etwas besser, aber am Ende konnte ich über zwei Monate keinen Sport machen“, so die Biathletin. Etwa zur gleichen Zeit starb der norwegische Biathlet Bakken überraschend im Höhentrainingslager. Bei ihm wurde vor zwei Jahren eine Herzmuskelentzündung diagnostiziert, aber er hatte von den Ärzten grünes Licht bekommen, wieder Sport zu treiben. Dieser Vorfall beschäftigte auch Johanna Puff.

Schließlich gehörte sie neben Marlene Fichtner, Julia Tannheimer, Selina Grotian und Julia Kink zu den hoffnungsvollsten Talenten im DSV. „Es ist schwer, solch eine Situation zu akzeptieren und zu verstehen. Man trainiert das ganze Jahr und plötzlich liegt man nur im Bett und kann nichts tun, außer sich auszuruhen, während alle anderen Wettkämpfe bestreiten. Das ist hart. Man fühlt sich unnütz und allein, auch wenn man es eigentlich nicht ist. Diese Gedanken nagen an der mentalen Verfassung. Die Leichtigkeit und Freude gehen verloren und Selbstzweifel werden größer“, so die Sportlerin vom SC Bayrischzell. Zum Glück hat die Sportlerin ein intaktes Umfeld und dadurch die notwendige Unterstützung. „Ein riesiges Dankeschön geht an meine Familie und Freunde. Sie haben mich in den vergangenen Monaten aufgefangen, unterstützt und mir geholfen, auch mal aus der ‚Biathlon-Blase‘ herauszukommen und den Kopf freizubekommen. Ein weiteres großes Dankeschön gilt meinem Arbeitgeber, der Bundespolizei, die mich während der Reha großartig unterstützt hat, sowie meinen Sponsoren, die auch in dieser schwierigen Zeit hinter mir stehen“, so die 23-Jährige dankbar. Dazu meldeten sich diverse Biathletinnen über Instagram und sprachen der Inntalerin Mut zu.

Ihr großes Ziel, die Olympischen Spiele mit den Wettkämpfen in Antholz, musste sie begraben. Immerhin war sie ein Wochenende als Zuschauerin vor Ort, um ihren Lebensgefährten Lukas Hofer zu unterstützen. „Olympia ist ein Kindheitstraum von mir. Diesen vorerst loslassen zu müssen, war sehr hart. Allerdings war meine Vorbereitung durch Verletzungen und Krankheiten zu Saisonbeginn ohnehin schwierig, es hätte alles perfekt laufen müssen, um eine Chance zu haben“, gibt sie zu bedenken. Anfang Mai beginnt bereits die Vorbereitung auf die neue Saison. Hier heißt es, die Grundlagen für den Winter zulegen. „Aktuell bin ich im Aufbau- und Rehatraining. Eine volle Belastung ist noch nicht möglich. Ich bewege mich im Grundlagenbereich. Natürlich ist der Vorfall noch im Hinterkopf, aber ich habe nach allen notwendigen Untersuchungen die Sportfreigabe bekommen, das war eine große Erleichterung. Wie mein Körper auf höhere Belastungen reagiert, wird sich zeigen“, meint Puff.

Während der Zeit ihrer Sport-Abstinenz hat sie sich mit diversen Tätigkeiten beschäftigt und sich über Möglichkeiten zu einem Fernstudium informiert. Primäres Ziel ist es, ihr Niveau von vor ihrer Erkrankung zu erreichen. „Das wäre das Ziel, aber nach dieser Zeit ist es wichtig, meinen Körper nicht unter Druck zu setzen. Ich muss Schritt für Schritt zurückkommen, auch wenn das nicht von heute auf morgen geht“, meint die Bundespolizistin.

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