Heerenveen – Riesige Leistung trotz eines heftigen Sturzes im Training: Luca Bauer (Reit im Winkl) hat sich in der Eisspeedway-WM die Bronzemedaille gesichert! „Das ist der größte Erfolg meiner Karriere“, jubelt der 27-Jährige. Er wurde im Grand Prix 3 in Heerenveen (Niederlande) Tagesdritter und belegte auch in der WM-Gesamtwertung den dritten Platz.
Noch besser aus deutscher Sicht: Auch in der Team-WM tags darauf an gleicher Stätte gab es WM-Bronze. Hier fuhr Max Niedermaier (Edling) die meisten Punkte für die deutsche Auswahl ein. Neben der deutschen „Nummer 2“ Christoph Kirchner (Lechbruck) verbuchte Niedermaiers Cousin Maximilian (Frauenneuharting) immerhin zwei Einsätze für das deutsche Team. Gold ging erwartungsgemäß an Finnland mit Heikki Huusko und Max Koivula, Silber an Schweden mit Ove Ledström und Niclas Svensson.
Dafür wurde Svensson neuer Einzel-Weltmeister. Während Titelverteidiger Martin Haarahiltunen (Schweden) nach einer Verletzung vom GP 2 in Inzell verletzungsbedingt ausfiel, holte sich Svensson im Finale von Heerenveen den Tagessieg vor dem Finnen Max Koivula und Luca Bauer. Heikki Huusko schied im Endlauf durch einen Sturz aus, und im Wiederholungslauf „habe ich in der letzten Runde versucht, an Koivula vorbeizukommen – aber es hat nicht ganz gereicht“, berichtet Bauer über den Kampf um Rang zwei in der Tageswertung.
Dennoch war Bauer überglücklich – schließlich hing sein Erfolg am seidenen Faden. Denn im Training „hatte ich einen harten Sturz. Ich hatte danach heftige Schmerzen, vor allem am Brustkorb und in der Schulter. Aber der Rennarzt hat gesagt, ich kann fahren, und mit Schmerzmitteln ging es ja dann auch.“ Und das sogar überraschend gut. „Das Eis im Training war richtig schlecht, mit einer Art Schneeschicht obendrauf. Aber bis zum Rennen war es gut durchgefroren, auch wenn es noch nicht optimal war“, berichtet der 27-Jährige.
Zunächst war es sein Minimalziel, so viele WM-Punkte zu holen, dass er unter den ersten Fünf der Gesamtwertung landen würde. Denn die ersten Fünf der WM wurden in den vergangenen Jahren vom Weltverband FIM immer fix für die nächste WM als qualifiziert gewertet. „Ich hoffe, dass das auch diesmal so ist“, betont der Reit im Winkler. Doch er übertraf sein Mindestziel deutlich. In den Vorläufen holte er 13 von 15 möglichen Punkten und sicherte sich im Last Chance Heat mit Rang zwei den Einzug ins Tagesfinale. Dort wurde er Tagesdritter und sicherte sich Bronze in der WM-Gesamtwertung. Damit sorgte Bauer zugleich für ein Novum in der WM: Noch nie gelang es einem Fahrer mit italienischer Lizenz, eine WM-Medaille im Eisspeedway zu holen. Die italienische Lizenz bedeutet allerdings nicht, dass Bauer für Italien die Team-WM fahren durfte. „Dafür bräuchte man dann auch einen italienischen Pass“, weiß der Reit im Winkler.
Max Niedermaier (Edling) brachte mit zwölf Vorlaufpunkten eine starke Leistung, doch im Last Chance Heat reichte es nicht für einen Platz im Endlauf. Somit wurde er als Tagessechster gewertet. Der 38-Jährige wurde auch in der WM-Gesamtwertung Sechster. Dagegen hatte Hans Weber (Valley/MSC Teisendorf) Pech. Während ihn in Inzell beim GP 1 und 2 technische Probleme zurückgeworfen hatten, lief diesmal das Motorrad im Training perfekt. „Aber im Rennen hatten wir einen Leistungsverlust am Motor“, zeigt sich der 41-Jährige „sehr verwundert“. Alle Versuche, die Probleme zu beheben, blieben erfolglos. Der Vizeweltmeister von 2022 zieht Bilanz: „Bis Inzell war ich in dieser Saison auf einem guten Weg. Solange die Maschine noch ging, habe ich gezeigt, wie schnell ich fahren kann.“ Daher hat er sich vorgenommen: „Von der Technik lasse ich mich nicht ausbremsen – und auch von anderen Sachen nicht.“ Und er verspricht den Fans: „Ich werde nächstes Jahr in Inzell auf alle Fälle noch schneller fahren. Mein Motto ist: ‚Jetzt erst recht‘“, betont er.
Stark präsentierte sich Harald Simon (Pfaffenschlag): Der Niederösterreicher hatte in diesem Jahr sein Comeback gegeben, aber keinen Platz in der WM-Qualifikation bekommen. In Heerenveen erhielt er einen Startplatz – und wurde Fünfter der Tageswertung. Damit war er diesmal deutlich besser als Franz Zorn (Saalfelden/11.), der jedoch die gesamte WM gefahren war.
Der Endstand der Einzel-Weltmeisterschaft nach 3 GP-Rennen: 1. Niclas Svensson, Schweden 54 WM-Punkte; 2. Max Koivula, Finnland 50; 3. Luca Bauer, Reit im Winkl 46; 4. Martin Haarahiltunen, Schweden 36; 5. Heikki Huusko, Finnland 36; 6. Max Niedermaier, Edling 34; 7. Franz Zorn, Saalfelden 27; 8. Lukas Hutla, Tschechien 26; 9. Sebastian Reitsma, Niederlande 23; 10. Ove Ledström, Schweden 18; 11. Jasper Iwema, Niederlande 17; 12. Filip Jäger, Schweden 13; 13. Harald Simon, Pfaffenschlag 12; 14. Andrej Divis, Tschechien 11; 15. Leon Kramer, Niederlande 8; 16. Martin Posch, Österreich 7; 17. Melwin Björklin, Schweden 5; 18. Christoph Kirchner, Lechbruck 5; 19. Hans Weber, Valley/MSC Teisendorf 5; 20. Maximilian Niedermaier, Frauenneuharting 3; 21. Paul Cooper, Großbritannien 2; 22. Niek Schaap, Niederlande 0; 23. Franz Mayerbüchler, Inzell 0.