München – Der Wasserburger Jakob Schnaitter (30) hat in München den bisher größten Erfolg in seiner Tenniskarriere gefeiert. Zusammen mit seinem Münchner Doppelpartner Mark Wallner (26) holte sich Schnaitter beim Doppelwettbewerb des ATP-Tour- 500-Turniers auf der Anlage des MTTC Iphitos München mit einem 6:4-, 6:7- und 12:10-Sieg gegen die französische Doppelpaarung Arribagé/Olivetti seinen ersten ATP-Titel.
Haben Sie Ihren Sieg ausgiebig gefeiert?
Wir haben in einem Restaurant eines Freundes in München, der extra für uns das Restaurant geöffnet hat, mit rund 30 Freunden gefeiert. Ich hab‘ schon ordentlich Gas gegeben. Aber allzu lange hat es nicht gedauert, weil die meisten ja am Montag arbeiten mussten.
Ihr genialer Lob als erfolgreicher Matchball im Finale ging viral durch die Decke. Hatten Sie den schon als eine Return-Option im Kopf oder kam der intuitiv?
Da muss ich ganz klar widersprechen, der war alles andere als genial, sondern einfach nur Dusel. Ich hab‘ den Ball nicht richtig getroffen. Aber wir hatten schon die ganze Woche über die Tennisdoppel-Götter auf unserer Seite. Da waren so viele Situationen, wo wir einfach Glück hatten. Vielleicht aber auch hart erarbeitetes Glück. Der Matchball war sinnbildlich dafür, Absicht war da gar nichts.
Welches Match in München war für Sie im Rückblick das schwierigste und warum?
Ich würde schon sagen, das Finale. Gegen die beiden Franzosen Arribagé/Olivetti hatten wir schon einmal in einem ATP-Finale verloren. Die liegen uns nicht so. Es war schon ein brutales Szenario vor der großen Kulisse daheim. Und wir mussten ja auch einen Matchball abwehren.
Was haben Sie sich im Vorfeld des Turniers erhofft?
Wir wollten schon weit kommen, aber die Vorzeichen waren nicht besonders, weil wir vorher eine doch schwierigere Phase hatten. Im Nachhinein war es aber sicher gut, dass wir keine Wildcard bekommen haben und die Qualifikation spielen mussten. Dort konnten wir Spielpraxis und Selbstvertrauen tanken und waren dann schon voll im Turnier, als das Hauptfeld losging. Wir haben dann Match für Match gespielt und waren bei jedem Match von unseren Trainern taktisch super eingestellt.
Sie konnten den Druck, vor heimischem Publikum zu spielen, in positive Energie umsetzen. Wie haben Sie das geschafft?
Ja, ich glaube auch, dass das diese Woche einer unserer Schlüssel zum Erfolg war. Bei so einem Szenario kann der Schuss auch schnell nach hinten losgehen und man verkrampft, weil man es daheim besonders gut machen will. Oberste Priorität war für uns bei jedem Match, das einfach alles zu genießen und Spaß zu haben. Wir wollten die Energie des Publikums aufsaugen und für unsere Freunde und Familien hier spielen und sie mitnehmen. In den MatchTiebreaks hat uns die Unterstützung des Publikums und unserer Freundesecken unheimlich geholfen.
Wie sehen die Tage nach so einem großen Erfolg aus? Wie regenerieren Sie und bauen das Adrenalin ab?
Am Montag war ich ein bisschen im Fitnessstudio. Mark macht grad die Platzreife im Golf mit seiner Familie. Dann hatten wir doch einige Pressetermine, was für uns auch relativ neu ist, uns aber natürlich freut. Aber so ganz realisiert habe ich den Erfolg noch nicht. Seit Dienstag trainieren wir wieder für die nächsten Turniere.
Welche Turniere spielen Sie als Nächstes?
Wir bereiten uns auf Madrid vor. Wir sind da zwar noch auf der Warteliste, aber auf Position eins. Das müsste eigentlich klappen. Dann kommen die ATP-Turniere in Rom und Hamburg.
Dieser erste Sieg bei einem 500er-ATP-Turnier hat Sie beide in der Doppel-Weltrangliste jetzt einige Plätze nach vorne gebracht. Im Moment stehen Sie auf Position 33. Ein Vorteil?
Ja, das Gute an der neuen Ranglistenposition ist, dass wir jetzt große Chancen haben, bei den Masters-Turnieren auch sicher dabei zu sein. Dort wollen wir dann so viele Punkte holen wie möglich.
Welche Grand Slams spielen Sie noch in dieser Saison?
Alle, wenn wir gesund bleiben. Also die French Open in Paris im Mai, Wimbledon im Juni und die US Open im August in New York. Wir hoffen, dass wir vielleicht auch bei einem Grand Slam mal so einen Run haben wie jetzt in München. Unser bestes Grand-Slam-Resultat war bisher die dritte Runde.
Werden wir Sie in der Tennis-Bundesliga sehen?
Da werden wir mindestens fünfmal für den TC Bredeney antreten und wollen unseren Meistertitel mit der Mannschaft verteidigen. Könnte also gut sein, dass wir gegen den TC 1860 Rosenheim am Start sind. Das ist allerdings für die Rosenheimer ein Auswärtsspiel.