Rosenheim – Würde er noch leben, was würde Loriot wohl sagen, wenn er auf den Kader der Starbulls Rosenheim für kommende Saison angesprochen würde? Etwa – in Anspielung auf sein bekanntes Mops-Zitat – „Ein Team ohne Max Vollmayer ist denkbar, aber nicht erstrebenswert?“ Spaß beiseite: Es ist wirklich ein komisches Gefühl für den grün-weißen Fan, in einem Jahrzehnt, da die personelle Fluktutation bei den Starbulls im Gegensatz zu früher unvorstellbare Höhen erreicht hat, den Spieler, der wie kein Zweiter für Kontinuität stand, missen zu müssen. Schließlich gibt es nicht wenige junge Fans, die noch nie ein Starbulls-Team ohne das letzte „Urgestein“ erlebt haben.
Immerhin war der gebürtige Ebersberger, der seine gesamte Profi-Karriere, abgesehen von einigen Förderlizenz-Einsätzen für Erding, in Rosenheim verbracht hat, seit 2014 ununterbrochen für die Starbulls im Einsatz, glatte sechs Jahre länger als der neue „Dienstälteste“ im Kader, Dominik Kolb. Sechs DEL2- und sechs Oberliga-Spielzeiten stand die Nummer 98 nicht nur im Kader, sondern gehörte auch spätestens ab seiner dritten Saison, gleich nach dem Abstieg in die Oberliga, zu den absoluten Leistungsträgern. Nicht zu glauben: Sein letztes Spiel vor einigen Wochen, das 1:2 in Regensburg, war sein 600. in Grün-Weiß! Nur eine andere Legende – Micky Rohner, der von der Vereinsgründung 2000 bis 2018 (mit einer zweijährigen Unterbrechung) die Schlittschuhe für die Starbulls schnürte, stand noch länger auf dem Eis als Vollmayer, nämlich 766 Partien lang. Nur zwei weitere Spieler, Dominik Daxlberger und Stephan Gottwald, sind Mitglied im „500er-Klub“ der Starbulls.
In dieser, seiner letzten Saison auf diesem Level, hat Vollmayer auch eine Marke erreicht, die er mit keinem anderen Rosenheimer Verteidiger teilen muss. Sein Tor in Krefeld war sein 100. – damit liegt er um sieben Treffer vor Rohner, der dafür allerdings 166 Spiele mehr zur Verfügung hatte! Nur fünf Starbulls (Mondi Hilger, Gottwald, Norman Hauner, Tyler McNeely und Andi Schneider, allesamt Stürmer) trafen öfter ins Schwarze, mehr Scorerpunkte als Vollmayers 372 schafften nur Hilger und Gottwald. An Vollmayers 272 Assists kommt lediglich Dominik Daxlberger (257) annähernd heran.
Am 12. September 2014 bestritt Vollmayer sein erstes Punktspiel für die Starbulls (4:1 gegen Crimmitschau) und schon neun Spiele später konnte er mit einer Vorlage für Robin Hanselko seinen ersten Scorerpunkt in der zweithöchsten Spielklasse bejubeln. Seinen ersten Treffer erzielte er erst in der darauffolgenden Saison am 16. Oktober 2015 beim 5:7 in Kassel in Unterzahl (!) auf Pass von Tyler Mcneely. Bis zu seinem letzten Tor am 21. November 2025, vorbereitet von Lukas Laub, lagen einige Höhepunkte, aber zwischendurch auch Rückschläge. Markantester Rückschlag für Vollmayers Team war sicher der Abstieg in die Oberliga 2017, aber auch Jahre des Scheiterns, allein dreimal gegen die Hannover Scorpions, beim Versuch, wieder nach oben zu kommen. Persönlich war da gottseidank nur ein einziger Tiefpunkt, als ihn in seiner vorletzten DEL2-Spielzeit eine Verletzung um 30 weitere Einsätze brachte.
Zu den positiven Marken gehört natürlich in erster Linie der Wiederaufstieg in die DEL2 2023, zu dem er als zweitbester Scorer hinter Norman Hauner 54 Scorerpunkte beisteuerte, und die abgelaufene Saison, die mit Rang drei, der zweitbesten Punktrundenposition der Starbulls-Historie, endete. Individuelle Ehrungen und Rekorde stehen bei ihm eher an zweiter Stelle, so der Titel als Verteidiger des Jahres in der Oberliga Süd 2020 und 2023 sowie mit 17 Treffern „Bester Oberliga-Torschütze des Jahres“ 2021. Oder auch die längste Scoring-Streak eines Rosenheimer Verteidigers, aufgestellt vor gut sechs Jahren, als er vom 13. Dezember 2019 bis zum 10. Januar 2020 elf Spiele in Folge punktete und dabei ein Tor und 18 Assists anhäufte. Oder die Sternstunde am 14. April 2023, als er im unvergessenen „Jahrhundertspiel“ gegen die Hannover Scorpions (8:5) gleich fünf Treffer vorbereitete. Vielleicht folgen ja in nächster Zukunft mit dem TEV Miesbach, seinem neuen Klub in der Bayernliga, weitere Highlights.em