Schleching – Acht Jahre lang ist Kristian Mehringer Cheftrainer der deutschen Biathlon-Nationalmannschaft der Damen gewesen. Vor wenigen Wochen hat der damalige Sportdirektor im Deutschen Ski-Verband (DSV), Felix Bitterling, bekannt gegeben, dass Mehringer ab der kommenden Saison nicht mehr diese Stelle belegen wird. Mehringer feierte mit seinen Aushängeschildern Denise Herrmann-Wick (Olympiasieg 2022 in Peking) und Franziska Preuß (Gesamtweltcup-Siegerin 2025) seine größten Erfolge. Auch Laura Dahlmeier hatte er in ihrer letzten Saison 2019 unter seiner Obhut.
Vergangenes Jahr wurde er vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Weniger erfolgreich verlief für den 44-Jährigen aus Schleching die Olympia-Saison. Podestplätze im Weltcup blieben aus und bei den Spielen reichte es gerade mal zur Bronzemedaille in der Mixed-Staffel. Nach dieser Entscheidung beim DSV hieß es, Mehringer werde im Verband einen neuen Posten bekommen. Im exklusiven Interview verrät Kristian Mehringer nun, welche neue Aufgabe auf ihn wartet.
Wie schaut Ihre neue Position aus?
Ich bin jetzt Leiter der Athleten-Entwicklung als „Head of Development“. Ich werde Profile der Biathleten vom Nachwuchs bis zum IBU-Cup erstellen, um mit ihnen den Anschluss zum Weltcup zu finden. Gerade in dieser letzten Phase gehen uns viele Talente verloren. Dem will ich mit meiner neuen Tätigkeit entgegensteuern.
Sie waren acht Jahre lang Trainer im deutschen Weltcup-Team der Damen. Wie schaut Ihre Bilanz aus?
Ich bin damals als junger Trainer reingekommen und habe ein überragendes Team vorgefunden. Dadurch konnte ich mich weiterentwickeln und habe viel gelernt. Laura, Denise und Franzi waren WeltklasseBiathletinnen und wir haben schöne Erfolge feiern können. In dieser Zeit sind auch viele junge Sportlerinnen ins Weltcup-Team gekommen und es sind viele positive Dinge passiert. Leider ist dann die vergangene Saison nicht so gut verlaufen. Franzi Preuß hatte in der Vorbereitungszeit mit Verletzungen zu kämpfen, was sie zu einer Zwangspause und Umstellung im Training brachte. Zum Start der Saison fiel sie aufgrund von Infektionen für zwei Weltcup-Wochenenden aus, was natürlich keine guten Voraussetzungen waren. Danach hatten wir ein paar Probleme, beziehungsweise es fehlte auch die letzte Konsequenz, um auf das Podium zu laufen. Trotzdem ist mir von der Zukunft im Frauenbereich nicht bange.
Wie ist es zu dem Entschluss gekommen, die Tätigkeit als Cheftrainer zu beenden?
Der Entschluss ist in mir mit der Zeit gereift. Ich wollte mich einfach weiterentwickeln und mehr Zeit für die Familie haben. Und der Neubeginn in der Mannschaft tut auch gut.
Ihre Nachfolge tritt die Österreicherin Sandra Flunger an, die zuletzt die Schweizer Damen trainiert hat. Was wünschen Sie ihr?
Selbstverständlich viel Glück und Erfolg, sie ist eine erfahrene Weltcup-Trainerin, die einen sehr guten und neuen Input an die Athletinnen bringen wird. Wir sind im Kontakt und engem Austausch. Sie hat ja erfahrene Athletinnen wie Vanessa Voigt, Janina Hettich-Walz, Anna Weidel und auch Sophia Schneider. Dazu die jungen wie Julia Tannheimer, Selina Grotian oder Marlene Fichtner sowie Julia Kink.
Zurück zu Ihrer neuen Tätigkeit. Wie schaut das konkret aus?
Es wird eine Mischung aus Homeoffice und Arbeit vor Ort sein, das heißt, ich bin flexibler. Vor Ort heißt, ich werde speziell ein Auge auf den Nachwuchs richten. Da war ich ja früher auch Trainer. Ich werde diese jungen Sportler begleiten und fördern. Das ist jetzt die nächsten vier Jahre mein Job.