Mehr Zeit ohne DEL2: Maximilian Vollmayer und Freundin Johanna bei der Starbulls-Abschlussfeier.Foto Marko Aleksic
Rosenheim – Wer ihn kennt, der sagt sicher, dass Max Vollmayer einzigartig ist. Wenn es um ununterbrochene Spielzeiten in den Profi-Eishockeyligen für einen einzigen Verein angeht, dann ist dies aber nicht der Fall. Kassels Verteidiger Marco Müller hatte bei den Nordhessen seinen Dienst 2014 angetreten – genau wie Vollmayer in Rosenheim. Müller macht bei den Huskies aber weiter und wird ihn übertreffen. Und Freiburgs Stürmer Niko Linsenmaier ist seit der Nachwuchszeit durchgehend im Breisgau aktiv. Für Vollmayer beginnt nach dem Ende in Rosenheim nun eine neue Zeitrechnung. Im dritten und letzten Teil des Abschiedsinterviews spricht er darüber.
5. Beruf und Zukunft
Sie hatten immer den Spiele-Rekord von Micky Rohner im Blick. Das hat jetzt nicht geklappt. Traurig?
Nachdem ich acht Jahre in Rosenheim war, ist es schon mal mein Ziel gewesen, 15 Saisonen zu schaffen und mich da bei ihm einzureihen. Es wäre schon cool gewesen, aber traurig bin ich nicht. Das ist mit den Punkten genauso: Da haben nur ein paar gefehlt, um einen vom Trepperl zu stoßen. Aber auch da bin ich nicht traurig. Da sind überall Legenden vorne dabei, deshalb kann ich mich auch guten Gewissens dahinter einreihen.
Sie waren ja in der vorletzten Saison lange verletzt. Ist Ihnen da bewusst geworden, dass dieses Ziel nicht mehr hinhauen könnte?
Nein, überhaupt nicht. Ich wollte nach der Verletzung die Chance nutzen, noch einmal Eishockey auf diesem Niveau zu spielen. Es war nämlich kein leichter Weg zurück. Und ich hätte auch noch in Rosenheim weitermachen können, die Starbulls haben ja mit mir gesprochen. Aber ich hatte da schon meine Entscheidung getroffen. Ich muss keinen Rekord mehr einstellen, sondern habe mir bewiesen, dass ich nach so einer Verletzung wieder zurückkommen kann.
War nicht das eigentlich Ihr größter Erfolg?
Wahrscheinlich schon. Ich hatte vorher nie irgendwie eine größere Verletzung, abgesehen von Schnittwunden oder einer Schleimbeutel-Entfernung. Ich bin mega-happy, dass ich mir das noch einmal beweisen konnte. Wobei: Es geht nicht mehr so wie vorher. Das fängt schon im Kraftraum an, wo ich nicht mehr ohne Probleme und ohne Aufwärmen die Übungen durchziehen kann.
Wie blicken Sie in Ihre Zukunft?
Sehr positiv. Ich gebe meinen Sport, der mich die letzten fast 30 Jahre geprägt hat, nicht ganz auf. Ich bleibe menschlich so, wie ich bin. Aber es ist auch die Zeit gekommen, in der es darum geht, sich ein zweites Standbein aufzubauen. Ich habe schon überlegt, ob ich danach Trainer werden möchte. Aber nein, das ist nichts für mich. Ich habe bestimmt einigen Kindern etwas beibringen können, aber das ganze Drumherum wäre mir zu viel.
Sie haben vor ein paar Jahren im OVB-Interview gemeint, dass der Trainer Max Vollmayer nicht mit dem Spieler Max Vollmayer zurechtkommen würde!
Wahrscheinlich nicht. Das ist auch nicht aufs Spielerische bezogen, sondern eher darauf, wie er in der Kabine ist. Der würde dem Trainer nicht zuhören und einfach seinen Stiefel weitermachen.
Würde der Trainer Vollmayer mit dem Spieler Vollmayer jetzt, nachdem er vier Jahre Taktikschulung bei Jari Pasanen hatte, besser zurechtkommen?
Wahrscheinlich ja, weil der sich dann auch mal etwas sagen lassen würde.
Sie hatten in Ihrem neuen Job schon mal ein Praktikum absolviert. Was fasziniert Sie am Beruf des Zimmerers?
Mich hat Holz schon immer fasziniert, generell etwas damit zu bauen. Mit meinem Cousin haben wir früher im Hühnerstall ein Lager gebaut oder Fußballtore zusammen geschraubt – alles aus Holz. Es ist interessant, was du mit dem Rohmaterial alles machen kannst. Ich habe mir für daheim ein praktisches Teil selbst gebaut, damit kann ich im Bett frühstücken oder den Laptop zum Arbeiten draufstellen. Da bin ich auch extrem ehrgeizig: Wenn ich da etwas fertigmachen möchte, dann darf mich keiner stören. Genauso war es im Praktikum als Zimmerer: Du siehst einfach, was du gemacht hat.
Wie bringen Sie Ihre sportlichen Erfahrungen in Miesbach ein?
Ich habe jetzt noch nicht viel von Miesbach gesehen, bin aber öfter mit Peter Kathan und Stefan Moser, die das dort ja managen, beisammen gesessen. Auch Dusan Frosch war mit dabei. Die wollen dort attraktives Eishockey spielen, nach vorne, aber auch defensiv schauen, dass sie nicht so viele Gegentore bekommen. Sie planen mit vielen jungen Spielern und ich möchte einigen Jungs, die dort den Schritt in die erste Mannschaft wagen, beibringen, wie es im Profi-Eishockey ausschaut.
Was meinen Sie damit genau?
Viele junge Spieler glauben nämlich, dass sie Top-Stars sind und in jeder DEL2- oder Oberliga-Mannschaft spielen können – die haben sich sauber geschnitten! Diese Zeiten sind vorbei, dass du da einen kompletten Block nach oben mitnehmen kannst. Das Niveau im deutschen Eishockey ist im Nachwuchs extrem gefallen. Entweder hast du die brutalen Ausreißer nach oben – oder du hast Mitläufer. Die guten Jungs gehen heute nach Nordamerika, Schneider, Schäfer, Pul oder Lewandowski. Ich finde deren Weg gut. Wenn ich früher die Chance gehabt hätte, nach Nordamerika zu gehen, dann hätte ich das auch gemacht. Du kannst dich dort einfach auf einem ganz anderen Level weiterentwickeln. Das ist dann schlecht fürs deutsche Eishockey, weil das Niveau hier sinkt. Und jetzt musst du froh sein, wenn du mal einen Spieler rausbringst, der gerade noch in der Oberliga in der dritten Reihe mitspielen kann.
Was konkret wollen Sie den jungen Spielern in Miesbach mitgeben?
Schon, wie sie defensiv stehen müssen. Aber auch, dass sie Fehler machen dürfen. Das ist das Wichtigste: Ich war noch nie jemandem böse, der etwas probiert und das dann nicht funktioniert hat. Wenn du nach vorne was probieren willst, dann spiel den Pass – auch, wenn er nicht ankommt und sich der andere hinten schon die Haare rauft. Du musst befreit aufspielen, sonst wirst du keiner..
Haben Sie als 18-Jähriger in Rosenheim auch Fehler machen dürfen?
Ja, und ich habe wahrscheinlich genug gemacht. Aber das macht dich ja auch besser. Denn wenn du den Fehler einmal gemacht hast, dann machst du ihn beim nächsten Mal in dieser Situation eben nicht mehr.
Wie sehen Sie die Zukunft für Rosenheim?
Wirtschaftlich sehr positiv, vor allem mit dem Stadionumbau. Ich finde es super, was da infrastrukturell gemacht wird. Ich hoffe, dass es irgendwann auch mal eine zweite Eisfläche gibt. Dass, wenn ich mal Kinder habe, die dann auch dort Schlittschuhlaufen können. Spielertechnisch sehe ich es etwas schwierig, weil du nicht mehr die Breite an Nachwuchsspielern bekommst, die du oben mit einbauen kannst. Der Markt wird auch immer mehr mit ausländischen Spielern mit deutschem Pass übersäht.
Wie wichtig ist für Rosenheim die Identifikation mit den Spielern?
Extrem wichtig. Das ist gefühlt das Wichtigste, was du für die Region machen kannst. Im südbayerischen Raum gibt es Bayern München, vielleicht noch die Sechzger – und dann kommt das Eishockey in Rosenheim. Das war‘s. Da gibt es nichts mehr, wo ansonsten 4.000 Fans oder mehr kommen. Für die Region ist das brutal wichtig. Ich hoffe, dass wieder mehr Spieler kommen, die dann mehrere Jahre hierbleiben und den Verein leben – so, wie ich es gemacht habe.
Haben Sie die Kommentare unter Ihrem Instagram-Abschiedsvideo der Starbulls gelesen?
Nein, weil ich selbst kein Social Media mehr nutze.
Ein paar Beispiele: „Mit dir geht es großes Stück Familie und ein Vorbild für die Jugend“. Oder: „Du bist einer von uns. Selten, dass mich etwas so bewegt, dass ich Tränen in den Augen habe“.
Ich glaube, dass ich sehr fannah war. Wenn mich jemand gefragt hat, dann hat er immer eine ehrliche Antwort von mir bekommen. Ich bin auch bei Autogrammstunden länger sitzengeblieben und habe mir für die Fans immer Zeit genommen.
Und noch einer: „Auf dich war immer Verlass. Du hast diesen Verein geprägt und ihm deinen ganz eigenen Stempel aufgedrückt. Genau das macht dich so besonders.“
Das rührt mich. Dankeschön!
Das waren die Worte der Fans. Wollen Sie denn noch etwas loswerden?
Ich bin einfach nur dankbar, dass ich so lange die Chance bekommen habe, hier und auf diesem Niveau zu spielen und den Verein mit zu prägen. Dass sie mich hier auch nie haben fallen gelassen. Ich habe in jeder Situation alles für den Verein getan. Und dass die Fans immer an mich geglaubt haben, auch wenn ich wohl für das ein oder andere graue Haar verantwortlich bin. Ich war immer mit dem Herzen dabei!