Bad Endorf – Der Marktsonntag in Bad Endorf ist hinlänglich als Attraktion bekannt, diesmal erfuhr er aber noch eine weitere lukrative sportliche Aufwertung. Medaillengewinner und Olympioniken aus der in der Marktgemeinde ansässigen Bundespolizeisportschule wurden von OVB-Sportredakteur Thomas Neumeier auf der Bühne in launigen Interviews näher vorgestellt.
Die Musikkapelle Bad Endorf trommelte die Passanten zusammen, danach grüßte Bad Endorfs Bürgermeister Alois Loferer. „Die Bundespolizeisportschule ist für uns goldwert, es ist nicht nur sehr prestigeträchtig, sondern auch etwas sehr Schönes, dieses Leistungszentrum hier zu haben. Wir sind auch dankbar, dass wir einige Anlagen mitbenutzen dürfen, und wir sind wahnsinnig stolz auf die Ergebnisse, die die Spitzensportler hier einfahren.“
In der ersten Runde der Talkrunde mit den Wintersportlern waren Maira Jasch (Eisschnelllauf), Daniela Maier (Skicross), Felix Hoffmann (Skispringen) und Felix Loch (Rodeln) am Start. Der „Heimvorteil“ gehörte der waschechten Bad Endorferin, Eisschnellläuferin Maira Jasch. Ihr größter Erfolg in diesem Jahr war für die 21-Jährige der achte Platz über 5000 Meter bei den Olympischen Spielen. Was für sie die Bundespolizeisportschule bedeute, wollte Neumeier wissen. „Ich bin quasi dort aufgewachsen und dachte schon als Kind, dass ich den Beruf bei der Bundespolizei erlernen und als Sportlerin dabei sein möchte. Es ist wie in einer großen Familie.“ Sie befindet sich derzeit in einer vierjährigen Ausbildung, demnächst steht die Zwischenprüfung an. Auf die Frage, ob sie davor mehr Respekt habe als vor dem Olympia-Auftritt, entschied sich die Lokalmatadorin für die sportliche Leistungsabfrage: „Ich habe eine Streberklasse erwischt, da will keiner der Schlechtere sein. Eine Prüfung kann man schreiben, das Abi habe ich ja geschafft – also doch Olympia!“
Dem aus Thüringen stammenden Skispringer Felix Hoffmann, der seit November in Bad Endorf wohnt, blieb die Frage nach der Thüringer Bratwurst oder einer bayerischen Weißwurst nicht erspart. „Auf jeden Fall noch immer die Thüringer Bratwurst“, kam es spontan. Er war in der Weltcup-Saison der neuntbeste Akteur, seinen ersten Stockerlplatz im Weltcup landete er in Lillehammer: „Ich war gut vorbereitet, und es hat extrem viel Spaß gemacht.“ Die Skiflugschanze in Planica mag er gerne, aber auch die Örtlichkeiten in Innsbruck. Seine Bestweite liegt bei 235 Metern: „Es ist eine Überwindung, loszufahren“, erzählt er: „Man ist länger in der Luft, es wird dann alles so ruhig und man kann es genießen, muss aber streng darauf achten, dass man mit beiden Füßen wieder gesund landet. Nach der Landung war ich voll mit Adrenalin und schon etwas zittrig.“
„Servus, Bad Endorf“, rief die aktuelle Skicross-Olympiasiegerin Daniela Maier den Zuschauern freudig zu und ergänzte lächelnd, dass sie nach ihrem Olympiasieg wohl einen noch viel lauteren Jubelschrei losgelassen hatte. Die Schwarzwälderin, die nun in Marquartstein wohnt, sieht in dieser Gegend den idealen Standort zum Trainieren. Sie müsse immer noch ein wenig grinsen, wenn man sie als Olympiasiegern anspricht, da es schon noch etwas ungewohnt sei. „Das hört sich erst einmal noch surreal an. Mittlerweile habe ich es aber realisiert und darf mich stolz Olympiasiegerin nennen“, gibt sie einen Einblick in ihr Seelenleben. Sie erzählte vom Gold-Rennen: „Es war ziemlich entspannt, nur mit dem Unterschied, dass danach alle Betreuer über die Bande gesprungen sind.“
Er ist nicht nur dreifacher Olympiasieger im Rodeln, sondern einer von vielen prominenten Sportlern, die die Kampagne „Kinder brauchen Fans“ als Botschafter unterstützen: Felix Loch. „Es ist gigantisch und klar, dass er mit seinen vielen Erfolgen unter den Rodellegenden ganz weit vorne auf der Liste steht“, hob der OVB-Sportredakteur hervor. Loch fand es einfach schön, wieder einmal hier in Bad Endorf dabei zu sein, wo er seine Ausbildung bekommen hat. „Ich bin derzeit Polizeihauptmeister, der Fokus liegt schon wieder voll auf dem Trainingsbetrieb. Als großes Ziel gibt er die nächsten Olympischen Spiele 2030 an, „wenn körperlich alles passt, möchte ich auf alle Fälle dabei sein“. Er will an die Jungen vor allem Durchhaltevermögen weitergeben. Man müsse sich „auf den Winter gut vorbereiten, einen guten Schlitten haben und am Ende versuchen, keine Fehler zu machen, wenn man von oben nach unten fährt“. „Dem Michael Schumacher hätte man nachgesagt, dass er das Gefühl fürs Formel-1-Auto im Popo gehabt hätte“, wusste Neumeier zu berichten – und wollte das auf den Rennrodler Loch ummünzen. Der sagt, dass man schon ein gutes Körpergefühl benötige, „durchaus auch im Hintern“ – was vom Publikum mit Beifall bedacht wurde. Ebenso Lochs Fazit, dass die Bundespolizeisportschule ein perfektes System sei und er „mega dankbar“ sei, dass es sie gebe.
Im zweiten Block der Gesprächsrunde wurden Skeletonin Hannah Neise, Skispringer Luca Roth, Biathletin Johanna Puff und Bobfahrer Jörn Wenzel vorgestellt. Neise merkte an, dass die Leute denken, dass Skeleton sehr schlimm sei. „Ich denke aber, dass es im Eiskanal die ungefährlichste Sportart ist, weil wir vom Schwerpunkt tiefer sind. Wir können nicht so schnell stürzen wie die Rodler und Bobfahrer, wenn man den Schlitten im Griff hat“, räumte sie die Bedenken aus. Nachdem Spitzengeschwindigkeiten bis 145 Stundenkilometer erreicht werden können, liegt die Vermutung auf einen Geschwindigkeits-Junkie nahe. „Eigentlich gar nicht“, sagt sie, „ich bin in manchen Lebenssituationen eher Angsthase“. Kürzlich habe sie auf der Dult in Landshut den Einstieg in ein schnelles Fahrgeschäft verweigert. Moderator Neumeier sprach sie auch auf ihr T-Shirt mit Elefantenaufdruck unter dem Rennanzug an. Es sei ihr Maskottchen, so Neise.
Erfinder des Glücksbringer-T-Shirts war übrigens ihr Freund, der Skispringer Luca Roth. Der Junioren-Weltmeister von 2019 war heuer mit drei Siegen im Continental Cup weit vorne und startete auch wieder im Weltcup. Roth zeigte sich „auf jeden Fall sehr stolz, dass ich zu den fünf, sechs besten Skispringern Deutschlands gehöre“. In Planica ist er 220 Meter weit geflogen. „Bei Weiten von 200 Metern ist man noch mitten im Hang, da hat man noch so viel Platz nach unten, aber der 220-Meter-Sprung war schon ein ziemlich geiles Gefühl.“ Auf seine für Skispringer ungewöhnliche Körpergröße von 196 Zentimeter angesprochen, gab er lachend zu bedenken, „dass Hummeln auch fliegen können“. Er lobte ausdrücklich die Top-Möglichkeiten, die es für Skispringer bei der Bundespolizeisportschule in Bad Endorf gibt.
Biathletin Johanna Puff aus Raubling musste nach einer Herzmuskelentzündung im Herbst 2025 eine zweieinhalbmonatige Auszeit nehmen. Sie gewann unter anderem zwei Mal Gold bei der Junioren-Weltmeisterschaft und mag Staffeln sehr gerne. „Im Team zu starten und gemeinsam dann was feiern zu können, macht total Spaß“, meinte sie dazu. Puff habe bereits mit zwei Jahren auf Skiern gestanden, im Laufe der Jahre verschiedene Sportarten betrieben und landete erst einmal beim Skilanglauf, ehe sie sich auf Biathlon spezialisierte: „Mir hat die Kombination aus Laufen und Schießen sehr viel Spaß gemacht.“ Auf ihren gesundheitlichen Ausfall angesprochen hob sie hervor, dass sie sehr viel Glück hatte, da sie neben der Familie und Freunden auch von der Bundespolizei aufgefangen wurde. „Es geht mir inzwischen deutlich besser, und ich bin langsam wieder im Training. Es dauert noch, aber es geht in die richtige Richtung“, lässt sie wissen und hat ihr freundliches Lächeln wieder gefunden.
21 Jahre alt ist Jörn Wenzel und schon Olympiasieger im Bobfahren. Er hat neben vielen anderen Erfolgen als Anschieber mit Pilot Johannes Lochner in Cortina 2026 die Goldmedaille gewonnen. Seinem Dialekt nach ist klar, er kommt nicht aus Bayern. „Ich verstehe inzwischen relativ viel, aber mit dem Sprechen hapert es schon noch“, grinste er. Nachdem inzwischen seine beiden Piloten Christoph Hafer und Johannes Lochner ihre Karriere beendet hatten, musste er sich nun um seine Zukunft kümmern. Und so hat er für sich entschieden, selbst als Pilot an den Start zu gehen. Der nächste Winter wird für Wenzel, der bei der Bundespolizei im zweiten Abschnitt seiner Ausbildung ist, also zugleich ein Neustart.