Die raue Realität und der ganz große Traum

von Redaktion

Der frühere Rosenheimer Regionalliga-Coach Ognjen Zaric zwischen Pokalfinale und Abstiegskampf

Altach – Beinahe hätte Ognjen „Ogi“ Zaric seinen ersten großen Titel errungen. Der frühere Fußballtrainer des TSV 1860 Rosenheim hatte mit dem SCR Altach den Sprung ins österreichische Pokalfinale geschafft, musste sich dort dem favorisierten LASK aus Linz nach Verlängerung geschlagen geben. Nach dem Traumfinale geht es für Zaric und seine Mannen nun wieder in die harte Realität Abstiegskampf.

Der 37-jährige Zaric hatte im Nachwuchsbereich beim DFI Bad Aibling und der SpVgg Unterhaching gearbeitet, bevor er – damals noch überraschend – 2018 die Stelle als Cheftrainer beim Regionalligisten 1860 Rosenheim angetreten hatte. Dort wirkte er zwar nur einige Monate und verließ die Sechziger in der Winterpause bereits wieder, sein Talent als Coach hatte er dabei aber durchaus angedeutet. Danach betreute Zaric den österreichischen Regionalligisten FC Kufstein, ehe es für den Inhaber der UEFA-A-Lizenz in die Schweiz ging: Beim FC Basel trainierte er die U18 und U21 und war Co-Trainer der Profimannschaft. Als Chefcoach fungierte er dann beim FC Winterthur, ehe er in der Winterpause beim abstiegsbedrohten Club in Vorarlberg landete.

Zaric kann mit Altach eine ausgeglichene Bilanz von vier Siegen, fünf Unentschieden und vier Niederlagen aufweisen, muss allerdings weiterhin um den Verbleib in der Bundesliga bangen. Nach der 1:4-Niederlage gegen den Wolfsberger AC beträgt der Vorsprung auf den Abstiegsrang nur noch drei Zähler. Auf diesem steht aktuell Blau-Weiß Linz von Trainer Michael Köllner – der frühere Löwen-Coach hatte ebenfalls während der laufenden Spielzeit die Mission als Retter in der Stahlstadt angetreten. Zaric muss mit seiner Elf noch beim Grazer AK und vor heimischer Kulisse gegen die SV Ried ran und möchte dort die noch notwendigen Zähler für den Verbleib einsammeln. Das hatte er schon gegen den WAC vor, allerdings hatten die Altacher drei Tage nach dem verlorenen Pokalfinale die Köpfe wohl noch nicht so frei wie erhofft.

Das Cup-Endspiel hatte nämlich Spuren hinterlassen: Nach Treffern von Patrick Greil (5.) und Vesel Demaku (30.) lagen die Altacher zweimal in Führung, der LASK, der ein wichtiges Wörtchen um die Meisterschaft mitredet, hatte aber stets die Antwort parat und schaffte zweimal den Ausgleich. Die Partie ging vor 22.000 Zuschauern im Klagenfurter Wörthersee-Stadion in die Verlängerung, wo der LASK mit einem Doppelschlag in der 101. und 103. Minute für die Entscheidung sorgte und letztlich mit 4:2 gewann.

„Wenn du dieses Spiel verlierst, dann bleibt die Enttäuschung. Es wäre gelogen, würde ich etwas anderes sagen“, meinte Zaric hinterher. Sein Plan war zuvor über weite Strecken aufgegangen: „Wir wollten uns gegen die aktuell beste Mannschaft Österreichs nicht verstecken.“ Das hatten die Altacher schon in den vorherigen Runden nicht, als man die arrivierten Teams von Sturm Graz (3:1 im Viertelfinale) und Red Bull Salzburg (1:0 im Halbfinale) besiegte und so den Finaleinzug erst perfekt machte. Und auch im Endspiel ärgerte man den großen Favoriten lange. „Was der LASK da noch für eine Qualität von der Bank bringt, ist ein Wahnsinn“, musste Zaric hinterher neidlos anerkennen.

Allerdings hatte er auch einen Grund, sich zu ärgern, denn beim Gegentreffer zum 2:3 lagen zwei seiner Spieler nach einem Zusammenprall am Boden. „Ich bin keiner, der eine Ausrede sucht. Ich hätte mir aber eine Unterbrechung gewünscht, wenn ein Spieler mit einer Kopfverletzung am Boden liegt.“ Der Pfiff kam nicht, die Linzer schossen das Tor und holten sich den Pokal. Und für Altach und Zaric zählt nun wieder der Abstiegskampf – das ist auch die Mission, für die er geholt wurde. Der Pokalbewerb war nur ein Zuckerl, möglicherweise aber ein sehr lukratives. Sollte der LASK nämlich das Double gewinnen, dann würden die Vorarlberger als Pokalfinalist nämlich in der kommenden Saison auf internationaler Bühne antreten. Und Ognjen Zaric hätte damit einen weiteren Meilenstein in seiner noch immer recht jungen Trainerkarriere erreicht.

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