„Wir haben das Potenzial nie ausgeschöpft“

von Redaktion

In der 103. Ausgabe von „Hart gecheckt“, dem Podcast der OVB-Sportredaktion zu den Starbulls Rosenheim, ist Meisterspieler Heinrich Schiffl zu Gast. Der 57-Jährige spricht über die aktuellen Starbulls, den Titelgewinn 1989 und erklärt, wieso Rosenheim sein Potenzial nie ausgeschöpft hat.

Heinrich Schiffl heute. Foto re

Rosenheim – Neun Jahre lang hat Heinrich Schiffl für den Sportbund DJK Rosenheim sowie die Star Bulls Rosenheim in Deutschlands höchster Spielklasse gespielt. Der 57-Jährige gehörte zur Generation, die 1989 den dritten Meistertitel an die Mangfall brachte. Danach spielte er unter anderem noch für Berlin und Köln. Insgesamt kann der Verteidiger auf 613 Spiele im deutschen Oberhaus zurückblicken. 2009 beendete Schiffl seine Karriere beim EHC Bad Aibling.

Im Podcast blickt Schiffl zurück auf seine Karriere und spricht über die aktuellen Entwicklungen bei den Starbulls. Das sagt er zum Beispiel über…

…die letzte Saison: „Ich bin selten im Stadion. Ich war, seitdem ich vor 20 Jahren nach Rosenheim zurückgekommen bin, einmal drin. Ich habe es natürlich in der Zeitung verfolgt und freue mich auch immer, wenn die Starbulls gewinnen. Generell freut mich der ganze Hype rund um Rosenheim und, dass Rosenheim wieder so einen Aufschwung erlebt.“

…die Verstärkungen in der Abwehr: „Wenn es eng wird, fallen generell weniger Tore. Wenn die Gegner hinten zumachen, dann schießt du vielleicht ein, zwei Tore. Wenn du aber hinten offen bist, dann bist du anfällig für Gegentore. Du musst schauen, dass du eine gesunde Abwehr hast, der du vertraust, so dass du auch nach vorne gehen kannst.“

…den Umbruch im Kader: „Der Grundstock sollte mal zusammenbleiben, den kann man dann punktuell verbessern. Wenn ich grundlegend immer wieder den Grundstock auswechsele, dann wird’s schwierig, zu planen. Es wäre auch für die Fans toll, wenn man mal einen Stamm von Spielern hat, die länger da sind. Damit sich die Fans auch mit den Spielern identifizieren können.“

…seine Liebe zum Golfen: „Golf ist wie das Leben. Der nächste Schlag ist immer der wichtigste. Und du lernst beim Golf relativ schnell, etwas abzuhaken. Alles, was dich ärgert, hemmt dich in irgendeiner Form.“

…Wacki Kretschmer: „Manchmal hast du ihn 59 Minuten lang nicht gesehen, sodass ich oft gesagt habe: ‚Komm Wacki, wir müssen machen, komm, Bewegung‘ und und und. Und dann auf einen Schlag hat er wieder irgendeinen niedergestreckt. Wacki war körperlich gut, er hatte Spielverständnis und einen tollen Schuss. Zudem war er sehr ruhig. Er hat mich an die Hand genommen und war nie böse auf mich.“

…Rosenheims Potenzial: „Was Rosenheim an Potenzial und an Möglichkeiten hatte, haben wir viel zu wenig ausgeschöpft. Erst, als ich von Rosenheim weggegangen bin, habe ich gemerkt, was ein Profileben ist. Rosenheim war mehr eine Wohlfühlgeschichte. Es ist jedem gut gegangen, man war eine lange eingespielte Mannschaft. Du hast dich jetzt nicht strecken müssen. Irgendwann ist dafür die Rechnung gekommen. Vom Potenzial her war Rosenheim wahrscheinlich die beste Mannschaft. Deswegen hat es mich auch geärgert, was wir rausgeholt haben.“

…die Meisterfeier 1989: „Das war gigantisch. 10.000 Leute auf dem Max-Josefs-Platz, es war brechend voll. Das war unvorstellbar. Für mich als junger Bursch waren es Eindrücke, die man nicht mehr vergisst.“

…seine Erlebnisse in Köln: „Die Euphorie ist unglaublich. Bei meinem ersten Spiel bin ich an der Bande gestanden und habe mir angehört, wie die Fans Karnevalslieder singen – ich habe aber kein Wort verstanden. Ein Handwerker war bei mir in der Wohnung – auch kein Wort verstanden. Aber es war echt cool in Köln.“

…den Tod von Stéphane Morin: „Wir haben in Oberhausen gespielt. Ich saß auf der Bank, Stéphane Morin kommt raus, hockt sich neben mich, sagt, ihm geht es nicht gut, fällt um und ist tot. Am nächsten Tag sind wir zu seiner Familie gereist. Du wusstest, der kommt nicht mehr zurück, und siehst da den kleinen Buben rumlaufen. Das war eine Katastrophe.“

…sein Karriereende: „Ich hab damals zurück nach Rosenheim müssen. Meine Frau und ich haben uns dazu entschieden, weil die Kinder größer geworden sind. Wir haben uns in Rosenheim ein Haus gesucht und meine Frau ist schon mal vorgegangen. Ich bin nach Ingolstadt gewechselt und bin dann hin und her gependelt. Ich habe damals aber auch gemerkt, es geht dem Ende zu.“

Schiffl blickt in der 103. Folge noch vertiefter auf den Meistertitel 1989 und seine weiteren Stationen in Deutschland zurück. Zudem schaut er auf die aktuelle deutsche Nationalmannschaft, verrät, wieso er von seinen Teamkollegen „Satellit“ genannt wurde, und spricht über ein besonderes „Klassentreffen“ alter Legenden.

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