Aus Werten sollen Handlungen entstehen

von Redaktion

Sandra Flunger ist die neue Cheftrainerin der deutschen Biathlon-Damen und verlässt dafür die Schweiz

Ruhpolding – Sie soll „frischen Wind“ in die Biathlon-Damenmannschaft im DSV bringen. Die Österreicherin Sandra Flunger wird im kommenden Winter im Weltcup Cheftrainerin im Bereich der Damen sein. Sie tritt die Nachfolge von Kristian Mehringer an. Die 44-Jährige aus Saalfelden war zuletzt übergreifende und damit verantwortliche Trainerin aller Schweizer Biathleten im Weltcup, bis 2024 war sie für die Damen der Eidgenossen verantwortlich. In dieser Zeit formte sie unter anderem Lena Häcki-Groß und die Gasparin-Schwestern und brachte sie in die erweiterte Weltspitze.

Angekommen in Deutschland freute sie sich auf den ersten gemeinsamen Trainingskurs. „Die Zeit bis dahin habe ich genutzt, um individuelle Gespräche zu führen und mir den notwendigen Überblick zu verschaffen“, sagt sie. Der Kontakt vom Deutschen Skiverband kam nach den Olympischen Spielen in Antholz, wo sie noch die Schweizer Skijäger betreut hatte. „Sie sind auf mich zugekommen und dann haben wir im März einige Gespräche geführt. Bei einer solch großen Entscheidung braucht es immer ein bisschen Zeit. Jedoch war mir schnell klar, dass diese Aufgabe eine spannende Herausforderung ist. Deutschland ist eine Top-Nation und die Gespräche waren von Anfang an sehr konstruktiv und wertschätzend. Ich freue mich auf die kommende Zeit“, so Flunger.

Acht Jahre lang war die 44-Jährige Trainerin in der Schweiz, für viele Experten kam der Abschied überraschend. „Nach so vielen Jahren würde ich nicht von einem plötzlichen Abschied sprechen. Es waren tolle, erfolgreiche Jahre, ich wollte aber eine neue Aufgabe.“ Neben dem deutschen Team haben sich auch die Biathleten aus dem Nachbarland neu aufgestellt. Unter anderem ist der ehemalige Weltklasse-Biathlet Ricco Groß nun Schießtrainer bei den Schweizern. Sandra Flunger hat unzählige Erinnerungen an ihre Tätigkeit in der Schweiz. „Unterm Strich ist es die Zusammenarbeit mit vielen tollen Menschen, und dass wir die Schweiz als Biathlonnation weiterbringen konnten. Wir haben viele große und kleine Geschichten geschrieben“, sagt sie rückblickend.

Mittlerweile ist sie aber intensiv mit ihrer neuen Arbeit beschäftigt und hat sich auch mit ihrem Vorgänger Kristian Mehringer ausgetauscht. „Dass ich mit meinem Vorgänger so offen reden konnte, ist nicht selbstverständlich. Das schätze ich sehr, wir werden sicher in Zukunft auch noch das ein oder andere Gespräch führen.“ Wie sie die ersten Schwerpunkte bei den Frauen setzen wird, wollte sie zu diesem Zeitpunkt nicht verraten. „Vor dem ersten gemeinsamen Trainingstag finde ich es nicht angebracht, über Schwerpunkte zu sprechen, bevor wir diese nicht im Team und vor allem individuell mit den einzelnen Athletinnen angegangen sind. Grundsätzlich geht es immer darum, schnell und treffsicher zu schießen und möglichst schnell zu laufen“, so ihre einfache Erklärung. Die neue Trainerin findet in ihrem Team eine Mischung aus erfahrenen und jungen Athletinnen vor. Vanessa Voigt, Janina Hettich-Walz, Sophia Schneider und Anna Weidel gehören schon länger zum Stamm, dazu kommen Selina Grotian und Julia Tannheimer sowie die aufkommenden Marlene Fichtner, Julia Kink und die wieder gesund gewordene Johanna Puff. „Es ist immer perfekt, wenn erfahrene und junge Sportlerinnen gemeinsam arbeiten können. Das bezieht sich jedoch nicht ausschließlich auf die Lehrgangsgruppe 1a, sondern gilt für das gesamte Frauenteam im DSV“, so Sandra Flunger.

Die vergangene Saison war ausgerechnet im Olympiajahr etwas durchwachsen. Für das Trainerteam um Sandra Flunger und ihrem Assistenten Denny Andritzke heißt es, alles wieder in eine erfolgreiche Spur zu bringen. „Ich denke nicht, dass irgendwer auf Spur gebracht werden muss“, widerspricht sie und meint weiter: „Die Athletinnen haben trainiert, sich weiterentwickelt und dennoch hat in der letzten Saison nicht immer alles zusammengepasst. Biathlon ist extrem komplex und wir werden als Team alles dafür tun, im nächsten Jahr gute Resultate zu realisieren“, sagt sie zu ihrer Ausrichtung. Mittelpunkt ihrer neuen Tätigkeit als Trainerin wird überwiegend die Ruhpoldinger Chiemgau Arena sein. Dort kennt sie sich bestens aus, weil sie oft mit ihrem ehemaligen Schützling Lena Häcki-Groß trainiert hat, die in Ruhpolding wohnt. Mit ihrem Co-Trainer Denny Andritzke wird sie sich die Aufgaben aufteilen, sodass jeder seine Stärken einbringen kann. „Grundsätzlich werde ich bei den Wettkämpfen mehr am Schießstand sein, es ist mir aber auch wichtig, das eine oder andere Rennen an der Strecke zu verfolgen“, kündigt sie an. Auf die Frage, ob sie denn ein bestimmtes Motto verfolgt, sagt sie: „Ich würde eher sagen, dass ich ein Mensch mit starken Werten bin. Aus Werten entstehen Handlungen. Mir ist es wichtig, dass wir als Team ein gemeinsames Werteverständnis entwickeln und so insgesamt erfolgreich werden.“

Artikel 1 von 11