Grünwald – Finale furioso in der Fußball-Landesliga Südost für den TSV 1860 Rosenheim: Am letzten Spieltag der Saison haben sich die Sechziger mit der letzten Aktion im Spiel beim TSV Grünwald die Meisterschaft gesichert. Im Münchner Nobelort lagen die Rosenheimer zur Halbzeitpause mit 0:2 hinten und rannten auch noch in der fünften Minute der Nachspielzeit einem Rückstand hinterher, ehe Michael Summerer per Kopfball für den 2:2-Ausgleich sorgte und die Mannen von der Jahnstraße damit hinauf in die Bayernliga beförderte. Bis die Mannen von Trainer Wolfgang Schellenberg jubeln konnten, war es aber ein Drama in mehreren Akten.
Erster Akt – Nervosität und Rückstand: Waren die Sechziger in den letzten Wochen stets souverän geblieben, so war der jungen Mannschaft diesmal die Nervosität deutlich anzumerken. In der Defensive wirkte man unkonzentriert, im Mittelfeld gerieten die Pässe zu ungenau und im Angriff verzettelte man sich viel zu oft in Einzelaktionen. „Wir waren gar nicht gut im Spiel und mussten letztendlich froh sein, dass wir nicht höher in Rückstand waren“, bekannte Schellenberg. Beide Grünwalder Tore gingen übrigens auf das Konto von David Lucksch, dem Sohn von Helmut Lucksch, dessen Engagement als 1860-Trainer urplötzlich zu Beginn der Saisonvorbereitung im vergangenen Sommer zu Ende gegangen war. Eine pikante Note! „Beides Traumtore“, befand Schellenberg. Beim 1:0 drehte Lucksch einen Freistoß via Innenpfosten ins Netz, beim 2:0 beförderte er die Kugel überlegt ins lange Eck. Zur Pause lag 1860 zurück. Weil Kontrahent Wasserburg schon führte, waren die Rosenheimer auf den zweiten Tabellenplatz zurückgefallen.
Zweiter Akt – Hoffnung und Anschluss: Mit Wiederbeginn hatten die Sechziger umgestellt. Zwei personelle Wechsel gab es gleich, der dritte wurde nach wenigen Minuten hinterhergeschoben. Wichtiger war aber der Wechsel im Spielsystem: 1860 stellte hinten auf eine Fünferkette um, schob sich aber als Team um einige Meter nach vorne. Schellenberg: „Wir haben gesagt: Wir pressen vorne eins-gegen-eins zu, decken extrem hoch durch und spielen hinten auf Risiko – damit sind die Grünwalder diesmal überhaupt nicht zurecht gekommen.“ Auf dem Feld änderte sich die Statik, in den Köpfen das Selbstvertrauen: „Wir haben dann eine komplett andere mentale Stärke gezeigt.“ Und man wusste: Mit einem Tor ist man wieder im Spiel! Das gelang Michael Summerer dann Mitte der zweiten Hälfte aus halbrechter Position. Auf einmal war der Glaube zurück, auch wenn es noch einmal eine Rettungstat von Tormann Jaro Gleißenberger gegen Grünwalds Angreifer David Halbich brauchte. „Ein drittes Gegentor hätte nicht mehr fallen dürfen“, so Schellenberg.
Dritter Akt – Anrennen und Rückschlag: So blieben die Rothosen weiter am Drücker, mussten aber wieder mit Rückschlägen leben. Johann Ngounou Djayo, als großer Hoffnungsträger eingewechselt, verletzte sich ohne Fremdeinwirkung und musste wieder raus. „Wahrscheinlich ein Muskelfaserriss“, meinte er hinterher. Und zwei gute Chancen zum Ausgleich wurden verpasst: Summerers Direktabnahme wurde vom Torwart per Fußabwehr pariert, Florian Grundners Kopfball landete drüber. Mittlerweile waren auch fast alle 1860-Abwehrspieler pausenlos im gegnerischen Strafraum zu finden. Den Rosenheimern lief allerdings die Zeit davon. „Eigentlich bin ich ein ruhiger Zuschauer, diesmal war es natürlich ganz anders“, erzählte Lucas Gratt hinterher. Der Mittelfeldspieler fehlte verletzt, hatte gerade seine Schulter-OP hinter sich gebracht.
Vierter Akt – Ausgleich und Erlösung: Es lief die Nachspielzeit und es schien, als hätten die Rosenheimer schon alle Mittel ausgeschöpft. Auch Torwart Gleißenberger stürmte mit, musste aber unverrichteter Dinge wieder zurück in seinen Kasten. Nachdem Grünwald noch einen Konter verpasste, bauten die Sechziger noch einmal auf. Leon Tutic behielt die Übersicht, bediente Liam Markulin auf dem linken Flügel, dieser brachte die Kugel in die Mitte und Summerer köpfte unhaltbar ein. Der Rest war nur noch Jubel. Als sich der Platzsturm wieder gelegt hatte, durften die Hausherren noch den Anstoß ausführen, ehe Schiedsrichter Marco Blösch in die Pfeife blies und damit Rosenheims Titelgewinn besiegelt hatte.
TSV 1860 Rosenheim: Gleißenberger, Khong-In, Grundner, Fischer, Ünal, Syed (46. Tutic), Summerer, Elgathous (46. Stojcic), Noah Markulin (79. Papapicco), Liam Markulin, Muhameti (49. Johann Ngounou Djayo, 82. Xhelili).
Schiedsrichter: Blösch (SV Pforzen).
Zuschauer: 200.
Tore: 1:0 Lucksch (27.), 2:0 Lucksch (41.), 2:1 Summerer (64.), 2:2 Summerer (90. + 5).