Prien/Bad Endorf – Wenn einem ein mehrfacher Weltmeister wie Markus Eisenbichler bei der Getränkeausgabe das Geld abknöpft, mit Axel Jungk ein aktueller Silbermedaillengewinner von den Olympischen Spielen den Teller nach dem Essen abräumt und die Pressechefin mit großem Enthusiasmus die Gruppe der jungen Sportler bei der Modenschau aus „75 Jahren Bundespolizei“ anführt, dann ist ganz eindeutig die familiäre Verbindung innerhalb der Bundespolizeisportschule Bad Endorf zu spüren. Auch deshalb hat die Sportgala im König-Ludwig-Saal in Prien am Chiemsee für Eindruck gesorgt.
Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister des Innern, Daniela Ludwig, hat bei der Sportgala die erfolgreichsten Sportlerinnen und Sportler für ihre Erfolge geehrt. An ihrer Seite waren vor etwa 250 geladenen Gästen aus Sport, Politik und Wirtschaft unter anderem auch der Leiter des Referats B1 im Bundesministerium des Innern, Ministerialrat Andreas Schneider, der Vizepräsident des Bundespolizeipräsidiums, Peter Beiderwieden, der Präsident der Bundespolizeiakademie, Ulf Strandt, und als Vertreter des Deutschen Olympischen Sportbundes Dr. Sven Baumgarten.
Bei einem bunten Mix aus Sport, Talkrunden und Unterhaltung durften die Gäste der Sportgala noch einmal die erfolgreichsten Momente der olympischen Saison miterleben. Professionelle Zusammenschnitte der zurückliegenden Saison stimmten die Gäste auf die Sportlerehrungen ein. Moderatorin Marina Failing entlockte den Athletinnen und Athleten in charmanter Art und Weise die ein oder andere Anekdote aus dem Sportlerleben. Bei den kurzweiligen Interviewrunden ließ sie die Sportlerinnen und Sportler aus dem „Nähkästchen“ plaudern und gewährte den Gästen damit einen kleinen Blick hinter die Kulissen. So erfuhren die zahlreichen Besucher der Veranstaltung beispielsweise, dass Rekord-Bobpilot Francesco Friedrich im Micky-Maus-Magazin als Comic-Figur erschienen ist. Eisschnellläuferin Maira Jasch konnte bei ihrer ersten Olympiateilnahme nur durch „Hinterzimmer-Geschäfte“ eines der viel zu schnell ausverkauften offiziellen Maskottchen erwerben. Und Skicrosserin Daniela Maier wäre in der Nacht vor ihrem Olympiasieg beinahe um den Schlaf gebracht worden, weil sie vor der verschlossenen Eingangstür des Teamhotels stand.
Gleich mehrere Sportlerinnen und Sportler hatten sich während der Olympischen Spiele im Sammeln von Ansteck-Pins versucht – einmal mit etwas mehr Glück, einmal auch mit weniger. Skeleton-Pilotin Hannah Neise hat dann sogar den eigenen Pin von US-Rapper und -Schauspieler Snoop Dogg ergattert. Die Sammel-Leidenschaft brachte dann auch gleich den Vorschlag, eigene Pins der Bundespolizeisportschule auf den Markt zu bringen. „Die gehen um die Welt“, waren sich die Sammler sicher.
Beim „Dingsda“, wo Kinder verschiedene Begriffe aus Polizei und Sport in ihrer eigenen niedlichen Sprache erklärten, konnte sich Rodel-Ikone Tobias Arlt knapp gegen den Ersten Bürgermeister aus Bad Endorf, Alois Loferer, durchsetzen. Auf die Einlösung des Wetteinsatzes, einer Rennrodel-Trainingseinheit in der Bundespolizeisportschule Bad Endorf, darf man gespannt sein. Anlässlich des 75-jährigen Jubiläums der Bundespolizei in diesem Jahr präsentierten die Sportlerinnen und Sportler eine Modenschau der besonderen Art. Anstatt der aktuellsten Mode zeigten sie Uniformen aus 75 Jahren Bundesgrenzschutz- und Bundespolizei-Geschichte. Das Highlight zum Abschluss war – neben den fachkundigen Anmerkungen von Veteran Fritz Schlager – ein dienstlicher Schlafanzug, der früher im Bundesgrenzschutz getragen wurde.
Die Parlamentarische Staatssekretärin Daniela Ludwig ging in ihrer Festrede auf die Erfolge bei den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo ein, wo jeder mitgefiebert habe. „Ich sitze hier zwischen zwei Goldmedaillengewinnern – mein Tag ist jetzt schon super“, meinte sie. Ludwig lobte die jahrzehntelange Spitzensportförderung der Bundespolizeisportschule Bad Endorf: „Es war immer eine Erfolgsgeschichte.“ Damit dieses Erfolgsmodell weiterhin bestehen bleibe, versprach sie, auch zukünftig in der Unterstützung nicht nachzulassen. Der Präsident der Bundespolizeiakademie, Ulf Strandt, zeigte sich über die erzielten Erfolge der zurückliegenden Wintersportsaison sichtlich stolz: „Wir feiern hier Menschen. Menschen, die unter besonderem Druck leistungsfähig sind.“ Dies ist eine Eigenschaft, die nicht nur im Leistungssport, sondern auch im Polizeidienst von besonderer Bedeutung ist. Der Vertreter des Deutschen Olympischen Sportbundes, Dr. Sven Baumgarten, bewertete die Spitzensportförderung der Bundespolizei mit ihrem „Dualen System“ als wichtigen Eckpfeiler des deutschen Spitzensports. Der Projektleiter für Duale Karriere im DOSB verwies auf die Verbleibquote von 85 Prozent, die zeige, dass die meisten der geförderten Sportlerinnen und Sportler ihren Weg auch nach der sportlichen Karriere in der Bundespolizei fortsetzen. Den Verantwortlichen in Bad Endorf gelinge die Auswahl besonders gut, so Baumgarten. Der Bürgermeister der Marktgemeinde Bad Endorf, Alois Loferer, sprach dem Sport eine bedeutende Rolle zu: „Der Sport ist eine der Klammern, die die Welt zusammenhält.“
Mit drei Gold-, sieben Silber- und drei Bronzemedaillen bei den Olympischen Winterspielen von Mailand und Cortina d‘Ampezzo hat die Bundespolizeisportschule Bad Endorf eindrucksvoll ihre Leistungsstärke unter Beweis gestellt. Zudem erkämpften die Spitzensportlerinnen und Spitzensportler in der Saison 2025/26 insgesamt 100 Weltcup-Podestplätze. Die Nachwuchsathletinnen und -athleten der Bundespolizei sicherten sich siebenmal Gold, fünfmal Silber und fünfmal Bronze bei den diesjährigen U23- und Junioren-Weltmeisterschaften. Neben diesen schlichten Zahlen haben die Athletinnen und Athleten der Bundespolizeisportschule Bad Endorf aber auch das ein oder andere bedeutende Kapitel für das Sportgeschichtsbuch neu geschrieben: Daniela Maier hat die erste deutsche Olympia-Goldmedaille im Skicross gewonnen. Tobias Arlt und sein Doppelsitzer-Partner Tobias Wendl sind nach dem Gewinn einer Gold- und einer Bronzemedaille in Cortina d’Ampezzo die erfolgreichsten deutschen Athleten bei Olympischen Winterspielen. Gemeinsam kommen sie auf insgesamt sieben Gold- und eine Bronzemedaille seit den Olympischen Winterspielen von Sotschi 2014. Bei seinem olympischen Debüt in Cortina d’Ampezzo hat Jörn Wenzel olympisches Gold errungen. Rekord-Pilot Francesco Friedrich gewann bei den Olympischen Spielen sowohl im Zweierbob, als auch im Viererbob die Silbermedaille. Mit seiner fünften und sechsten Olympiamedaille stieg der Polizeihauptmeister zum erfolgreichsten Bob-Piloten der olympischen Geschichte auf. Über die Silbermedaillen meinte Baumgarten in seiner direkten Ansprache an Friedrich voller Hochachtung: „Wenn man sagt, dass das Imperium nicht zurückgeschlagen habe, dann muss man vorher Unfassbares geleistet haben.“
Mit Silber im Bob ist auch Neele Schuten zurückgekehrt. Sie beeindruckte in Italien mit Leistungen im Eiskanal und in Prien mit Worten auf der Bühne. „Alle Anschieber wissen es: Wir sind leicht austauschbar.“ Und dann dankte sie den Kolleginnen, die nicht im Rampenlicht stehen. „Wir können den 170 Kilo schweren Bob nicht alleine hochbringen. Ohne die Ersatz-Anschieber wäre nichts gegangen.“ Teamgeist pur – die Bundespolizeisportschulen-Familie eben…