Frasdorf – Er soll die Biathleten im Deutschen Skiverband wieder in die Erfolgsspur bringen: Bernd Eisenbichler ist der neue Sportdirektor im Frauen- und Herrenbereich bei den Skijägern. Der 50-Jährige aus Frasdorf hat die Nachfolge von Felix Bitterling angetreten. Bitterling war von 2022 bis jetzt der Sportdirektor. Zuvor hatte Eisenbichler die Funktion von 2019 bis 2022 inne, war danach aber als Geschäftsführer in der Textilbranche tätig. Nachdem Bitterling gegen Ende der Saison angekündigt hatte, zur Internationalen Biathlonunion zurückzukehren, holte der DSV Eisenbichler zurück. Mit neuen Konzepten will er wieder den Anschluss an die führenden Biathlon-Nationen herstellen.
Herr Eisenbichler, wie ist der Kontakt zum DSV erfolgt?
Der Kontakt zum DSV war auch in meiner Zeit bei der Firma Maloja immer noch eng. Als Felix Bitterling angekündigt hat, dass er am Ende der Saison aufhören wird, hat sich der Austausch intensiviert und dann ist es relativ schnell gegangen.
War es für Sie leicht, den Job in der freien Wirtschaft aufzugeben?
Maloja ist eine einzigartige, spezielle Marke mit wirklich sehr tollen Mitarbeitern, von daher fiel es mir zuerst schwer, den beiden Gründern meine Gedanken zum Wechsel mitzuteilen. Sie waren auch wenig begeistert, haben dann aber nach einigen sehr offenen Gesprächen meine Gründe verstanden und mir keine Steine in den Weg gelegt. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Es hat mich einfach zu stark zurück zum Leistungssport gezogen.
Wie ist die Übergabe mit dem Vorgänger verlaufen?
Wir haben das 2022 schon mal geübt und es hat auch dieses Mal sehr gut geklappt. Felix hat mich im Übergang sehr gut unterstützt, sodass die Doppelbelastung zu schaffen war. Man hat ihm angemerkt, dass es ihm wichtig ist, dass es auch nach seinem Abschied gut im deutschen Biathlon weitergeht.
Wie schaut Ihre erste Bilanz aus?
Natürlich habe ich in vielen Gesprächen gemerkt, dass die vergangene Saison Spuren hinterlassen hat und Enttäuschung und Unsicherheit vorhanden waren. Gleichzeitig ist die Bereitschaft und der Wille nach Veränderung in so einer Situation natürlich größer als sonst. Es war definitiv nicht alles schlecht, aber es gibt einige Bereiche, an denen wir unbedingt konsequent arbeiten müssen.
Welche Bereiche sind das? Wo setzen Sie die Schwerpunkte?
Ich habe einige personelle Veränderungen vorgenommen, vor allem im Trainerbereich bei den Damen mit einem komplett neuen Trainerteam vom Olympiakader bis zum Nachwuchskader. Daneben gibt es Veränderungen im Skitechniker- und Betreuerbereich. Die vergangene Saison ist nicht so verlaufen, wie man sich das vorgestellt hat. Deshalb ist es wichtig mit neuen Impulsen in den kommenden Olympiazyklus zu starten.
Passt die Zusammenstellung des Trainerteams in der aktuellen Situation?
Bei den Herren wurde bereits nach der vergangenen Saison neu aufgestellt. Tobi Reiter, der nun Cheftrainer ist, habe ich in meiner ersten Zeit beim DSV zurück zum Verband geholt und wir arbeiten sehr vertrauensvoll und eng zusammen. Mit seinem Trainerteam ist es ihm gelungen, eine einheitliche Linie über die verschiedenen Stützpunkte hinweg und ein umfassendes Konzept zu installieren. Es wird in eine Richtung gearbeitet. Bei den Frauen haben wir unter der Führung der neuen Cheftrainerin Sandra Flunger auch die ersten Schritte in diese Richtung gemacht. Dabei geht es nicht um „Gleichmacherei“, sondern um eine gemeinsame inhaltliche Ausrichtung und eine sehr enge Abstimmung mit den Trainern und Stützpunkten der Kader-Athleten. Mit Andi Stitzl und Erik Leser haben wir zudem zwei motivierte neue Trainer für die Lehrgangsgruppe 1b und den Junioren-Kader der Frauen.
Inwieweit nehmen Sie Einfluss auf das Training, Vorbereitung und Wettkämpfe?
Die Planung und Gestaltung des Trainings liegt bei den verantwortlichen Trainern. Wir diskutieren viel über die passenden Lehrgangsorte, um die geplanten Inhalte optimal umzusetzen. Ich bin ein großer Freund von bestimmten Einrichtungen, einem System oder einer baulichen Anlage, die für uns zugeschnitten sind. Die Trainer sind sofort mitgegangen mit der Idee, im Sommer mit den Frauen und Männern in Otepää zu trainieren, wo 2027 die WM stattfindet. Wir haben den Qualifikationsmodus verändert, weil ich nicht daran glaube, Skiroller-Rennen als offiziellen Teil einer Qualifikation für den Winter zu bewerten. Wir werden die Ausscheidungsrennen kurz vor Beginn der Saison im Alpenraum machen. Damit können wir sicherstellen, dass die formstärksten Athleten bei den ersten internationalen Rennen am Start sind. Die Teilnahme an den deutschen Meisterschaften im September ist für die Sportler verpflichtend und behält eine hohe Wichtigkeit für uns, zählt aber nicht mehr zur Winterqualifikation. Wir werden Athleten, die keinen Kaderstatus haben, eine Chance geben, sich für die Winterqualifikation anzubieten. Gesetzt sind für die Qualifikation im November die Kader-Athleten, maximal haben acht Athleten pro Geschlecht die Chance, über die deutsche Meisterschaft eine Einladung zu den Rennen zu bekommen.
Was muss Ihrer Ansicht nach gemacht werden, um den Anschluss an die Top-Nationen wiederherzustellen?
Kurzfristig müssen wir gerade im Damenbereich wieder mehr in der Gruppe arbeiten, um Reibung zu erzeugen und jüngeren Athleten eine Chance zu geben, sich an den erfahrenen Sportlern zu orientieren. Dafür wird es neben gemeinsamen Lehrgängen auch gemeinsame Präsenzphasen geben. Mittel- und langfristig müssen wir einen großen Fokus darauf haben, die Athleten mit Potenzial „ohne Brüche“ und systematischer zu entwickeln. Dabei werden uns die Entwicklungs- und Athletenprofile helfen. Kristian Mehringer als Leiter der Athletenentwicklung kommt dort eine entscheidende Rolle zu.
Im Damenbereich gibt es eine Mischung aus Erfahrung und Jugend. Wird das ineinandergehen?
Wir haben in der A-Mannschaft eine gute Mischung aus erfahrenen und sehr talentierten jungen Athletinnen, die punktuell schon sehr gute Leistungen gezeigt haben. Die Leistungsträger wie Vanessa Voigt und Janina Hettich-Walz sind gefordert, vorauszugehen, und die Jüngeren sollen von ihnen lernen und sich weiterentwickeln.
Bei den Männern scheint doch eine kleine Lücke zu sein. Wie schätzen Sie etwa Elias Seidl und Leonhart Pfund ein?
Wir haben uns entschieden, eine größere Gruppe in den Lehrgängen und an den Stützpunkten zusammen trainieren zu lassen. Die älteren Athleten werden den Druck der Jungen spüren. Es wird sicher spannend, wer sich über die nächsten Monate die drei offenen Plätze für die Weltcup-Mannschaft sichern wird. Wir werden das sicher nicht den ganzen Olympiazyklus so machen, aber da uns ein paar Jahrgänge im „Mittelbau“ fehlen, hat es für uns Sinn ergeben, die beiden Gruppen zusammenzuziehen.
Es gibt eine sehr negative Entwicklung, was in den sozialen Netzwerken gegenüber den Sportlern gepostet wird. Wie kann man da eingreifen?
Ich will noch mit unserer Medien- und Presseabteilung tiefer in dieses Thema einsteigen. Es kann jeder versichert sein, dass Sportler und Betreuer bei jedem Wettkampf wirklich alles geben, um die Zuschauer und Fans mit Erfolgen glücklich zu machen. Sachliche, konstruktive Kritik wird immer akzeptiert. Aber das Niveau einiger Kommentare war wirklich unterirdisch und inakzeptabel. Wir werden das besprechen und einen gemeinsamen Weg finden. Ich fürchte, dass das Teil des momentanen Zeitgeistes ist und schwerlich verboten werden kann. Solche Kommentare machen was mit einem Menschen und der reine Appell, das nicht an sich ranzulassen, ist meiner Meinung nach nicht die Lösung.
Haben Sie irgendein Motto, das Sie besonders pflegen?
Nicht wirklich. Ich bin in den Leistungssport zurückgekommen, weil du in anderen Bereichen nicht annähernd solche Emotionen zu spüren bekommst und es unheimlich inspirierend ist, Athleten dabei zu begleiten, das Beste aus sich herauszuholen. Ich werde jeden daran messen, mit wie viel Erfolgshunger die Dinge angegangen werden – wenn diese Motivation bei allen Beteiligten sehr hoch ist, werden wir künftig wieder erfolgreich sein.