Wasserburg – Im Eiscafé Venezia hat einen Tag nach dem Wasserburger Aufstieg in die Fußball-Bayernliga immer noch Ausnahmezustand geherrscht. Im Herzen der Altstadt feierten die Löwen ausgiebig ihren Erfolg. Den gesamten Tag über kamen Fans vorbei und beglückwünschten die Mannschaft. Mittendrin war auch Florian Heller. Dem Coach, der genüsslich an einer Zigarre zog, war die Erleichterung über den Aufstieg anzumerken.
Was sich in den ausgedehnten Feierlichkeiten entlud, war das Ergebnis einer dreieinhalbjährigen Aufbauarbeit. Als Heller die Innstädter im Januar 2023 als Cheftrainer übernahm, steckten diese nach dem Abstieg aus der Bayernliga in die Landesliga erneut im Abstiegskampf. Damals änderte sich viel, auch die sportliche Leitung wurde neu aufgestellt. Seither ziehen an der Landwehrstraße 10 wieder alle an einem Strang, Internas dringen nicht nach außen und die Mannschaft wurde sukzessive verbessert. Dreimal standen die Löwen kurz vor der Rückkehr in die Bayernliga, scheiterten jedoch ebenso knapp wie dramatisch. Vor zwei Jahren führten sie gegen Fortuna Regensburg im Relegationsrückspiel zur Halbzeit in Summe bereits mit vier Toren – und verloren dennoch nach Verlängerung. Diese Erfahrung hat sich bei vielen tief in die Seele eingebrannt und war im Hinterkopf immer präsent. Aus diesen schmerzlichen Erfahrungen wuchs der Wille, es in dieser Saison endlich zu schaffen. Allerdings sollte auch diese Spielzeit nicht einfach werden. Gestützt von der sportlichen Leitung hielten Heller und sein Trainerteam die Mannschaft auch nach Rückschlägen auf Kurs und besiegten in der Relegation den Bayernligisten Hauzenberg souverän im Gesamtergebnis mit 4:0.
Im Gespräch mit unserer Zeitung spricht Florian Heller, der als Aktiver in der Bundesliga spielte, über den Erfolg, das vertriebene Schreckgespenst Fortuna Regensburg und seine Gefühlslage.
Herr Heller, Sie haben im Fußball schon viel erlebt. Was bedeutet Ihnen dieser Aufstieg?
Das ist das Gesamtergebnis aus jahrelanger Arbeit und Geduld für die Mannschaft und uns Trainer. Das ist natürlich die größtmögliche Bestätigung. Wie viel mir dieser Erfolg für die Leute bedeutet, die in der Wahrnehmung nicht in der ersten Reihe stehen, ohne die sich aber das gesamte Rad nicht drehen würde, kann ich gar nicht in Worte fassen.
Die Saison endete erfolgreich, war aber nicht immer einfach. Wie haben Sie immer wieder den Kurs gehalten?
Das hat sehr viel mit einem gegenseitigen Vertrauen zwischen Mannschaft und Trainerteam zu tun. Wenn dann noch das richtige Mindset dazukommt, kannst du schwierige Phasen schneller überstehen und daraus lernen.
Bis zur 96. Minute des letzten Spieltags war Wasserburg Meister. Dann traf Rosenheim. Was ging Ihnen da durch den Kopf?
Die Freude darüber, dass wir die Relegation sicher hatten. Was in Grünwald passiert ist, konnten wir ja nicht mehr beeinflussen.
In der Relegation ging es nicht nur gegen Hauzenberg, sondern gefühlt auch gegen das alte Trauma Regensburg. Wie sind Sie mit dieser Historie umgegangen?
Gar nicht. Wir hatten immer das Gefühl, dass wir heuer dran sind aufzusteigen.
Vor dem Rückspiel fiel beim Warmmachen Torjäger Robin Ungerath aus. Was geht da in einem Trainer vor?
Für Robin tat es mir unfassbar leid. Seinen Blick, als er zu mir kam, werde ich wahrscheinlich nicht so schnell vergessen.
Wann waren Sie sich sicher, dass es dieses Jahr mit dem Aufstieg klappt?
Nach dem zweiten Treffer war mir klar, dass uns das keiner mehr nimmt.
Nehmen Sie uns mit in Ihre Gefühlswelt nach dem Schlusspfiff in Hauzenberg. Welches Gefühl hat überwogen?
Die Erleichterung den Spielern gegenüber, die sich mehr Spielzeit erhofft hatten. Bei einem großen Kader ist es wichtig, dass jeder seine Rolle akzeptiert, ohne sich hängen zu lassen. Das war nie der Fall und ist der Löwenanteil am Gesamterfolg. Diesen Jungs nächstes Jahr die Bayernliga zu ermöglichen, hat mich sehr erleichtert.
Jetzt wartet die Bayernliga. Wie werden Sie Ihre Mannschaft darauf vorbereiten?
Wir haben eine DNA und die werden wir nicht verlassen, so viel ist sicher.