Irschenberg – Es war eine herausragende Europameisterschaft, gekrönt mit dem Titel: Die deutschen U17-Juniorinnen überzeugten in Nordirland und belohnten sich für die harte Arbeit in ihrer noch jungen Karriere. Einen großen Anteil an diesem Erfolg hatte Trainerin Sabine Loderer, die in Irschenberg lebt. Ursprünglich kommt sie aus Neuburg an der Donau, wo sie ihre aktive Karriere beim BSV Neuburg startete. Unter anderem lief sie für verschiedene deutsche U-Nationalmannschaften auf. 1999 wechselte sie zum FC Bayern München, der damals den Aufstieg in die Bundesliga anpeilte und zahlreiche U-Nationalspielerinnen verpflichtete. Und es sollte schnell gelingen: In ihrer ersten Saison beim FCB holte Loderer mit ihren Teamkolleginnen den Bayernliga-Titel und spielte fortan in der Bundesliga.
Nachdem sie ihre Karriere beendet hatte, entdeckte sie ihre Leidenschaft für den Job an der Seitenlinie. Zehn Jahre lang war sie BFV-Verbandstrainerin, seit 2020 ist die 45-Jährige beim DFB und begleitet dort die Talente im U16- und U17-Bereich. Grund genug, mit der Fußballlehrerin über die EM, ihre aktive Karriere und ihre Philosophie zu sprechen.
Frau Loderer, der Bayernliga-Meistertitel als Spielerin oder der Europameistertitel als Trainerin – was ist besser?
Ganz klar der Europameistertitel. Zu sehen, wie viel dieser Erfolg und alles, was dazu geführt hat, dem gesamten Team und vor allem den Mädels bedeutet, ist etwas ganz Besonderes. Das Leuchten in den Augen, die Emotionen in und rund um die Spiele – vor allem nach den K.o.-Spielen – kann uns keiner mehr nehmen. In den EM-Wochen haben wir Momente geschaffen, die uns alle geprägt haben und die für immer bleiben werden.
Lange ist der EM-Erfolg noch nicht her. Konnten Sie das Turnier schon verarbeiten?
Es war eine wunderschöne und intensive Zeit. Wir waren ja insgesamt drei Wochen unterwegs. Zwischendurch gibt es immer wieder blitzlichtartige Gänsehautmomente, in denen man realisiert, was wir da geschafft haben. Aber bis es so richtig ankommt, dauert es, glaube ich, noch ein bisschen. Man lebt in so einer Zeit wie in einer eigenen Welt mit dem Team, hat seinen eigenen Alltag und sammelt unglaublich viele Eindrücke. Und nach dem Finale kam dann zu schnell der „harte Cut“ – man ist zurück im normalen Alltag und muss auch erst mal ankommen. Wir haben nach dem Finale die ganze Nacht zusammen gefeiert und den Moment genossen. Auch die Eltern und Freunde, die vor Ort waren, die einen wichtigen Anteil an der Entwicklung der Spielerinnen haben, haben mit uns gefeiert. Das war ein richtig schönes Fest, bei dem wir die Nacht zum Tag gemacht haben.
Einmal beim großen FC Bayern München zu spielen, ist das Ziel vieler Fußballerinnen und Fußballer. War es auch Ihr Traum, einmal für den FCB aufzulaufen?
Ich habe immer – und das ist jetzt auch noch so – sehr viel im Moment gelebt und im Hier und Jetzt immer versucht, das Beste zu geben. Ich hab damals einfach genossen, das zu erleben, was ich erleben konnte. Es war zu dem Zeitpunkt für mich einfach schön, gemeinsam mit einigen Mitspielerinnen aus der Bayern-Auswahl und aus der DFB-U-Nationalmannschaft, mit denen mich bereits eine gemeinsame Zeit verbunden hat, den Schritt zum FCB zu gehen. Es war aber nicht mein lang gehegtes Ziel, dass ich mal zu den Bayern will. Für mich war es zu dem Zeitpunkt einfach ein konsequenter Schritt in meiner Entwicklung. Ich fahre ganz gut damit, im Hier und Jetzt zu leben, und versuche immer, das Maximale rauszuholen und einfach meinen Job gut zu machen. Mit dieser Einstellung bin ich bis jetzt immer gut gefahren, und damit hat sich für mich auch die ein oder andere Tür geöffnet.
Sie haben mit gerade mal 24 Jahren Ihre Karriere beendet. Wie kam es dazu?
Ich hatte zwar in den letzten eineinhalb Jahren meiner aktiven Karriere immer wieder Knieprobleme und musste mich auch einer Knieoperation unterziehen, ausschlaggebend für mein Karriereende war das jedoch nicht. Damals waren die Bedingungen im Frauenfußball noch völlig andere als heute, vom Fußball allein konnten wir nicht leben. Wir haben sehr viel Zeit investiert und letztlich für ein besseres Fahrtgeld gespielt. Es war eine schöne Zeit, aber mit dem Ende meines Studiums habe ich mir die Frage gestellt, wie mein weiterer Weg aussehen soll. Nach meinem abgeschlossenen Sportstudium habe ich mich deshalb entschieden, den Fokus zunächst auf meine ersten beruflichen Schritte zu legen.
…und sind dann aber nach ein paar Jahren zum Fußball zurückgekommen. Als Trainerin.
Ich hatte vier Jahre lang erstmal weniger mit Fußball zu tun. Sporadisch habe ich Fußballcamps gemacht und meine erste Trainerlizenz erworben. Durch Zufall habe ich dann die Chance bekommen, bei einem Bayern-Auswahllehrgang als Co-Trainerin einzuspringen. Ich habe mich bereits bei diesem Lehrgang zurückversetzt gefühlt in meine Zeit als Auswahl-Spielerin, die ich total genossen habe. So habe ich Feuer gefangen, und letztendlich wurde dadurch meine große Leidenschaft für das Trainerdasein entfacht. Ein Dreivierteljahr später habe ich beim BFV die Möglichkeit bekommen, im Eliteschule-Projekt als Koordinatorin und Trainerin anzufangen. Das war der erste Schritt auf einen Weg, der mich dahin geführt hat, wo ich jetzt sein darf.
Und Sie sind in Ihrem Job erfolgreich tätig. Was Ihnen beim Training wichtig ist, möchten Sie auch weitergeben. Sie sind im Kompetenzteam von Hannes Wolf, DFB-Direktor für Nachwuchs, Training und Entwicklung, und sind mit der Trainingsphilosophie Deutschland in der ganzen Bundesrepublik auf Fußballplätzen unterwegs. Was versprechen Sie sich davon?
Für mich ist es nicht nur in meiner Rolle als U-Trainerin total wichtig, dass Kinder und Jugendliche gutes Training bekommen, das jede/n Einzelne/n besser machen kann. Wir sind viel auf Fußballplätzen unterwegs und sehen leider immer noch zu oft lange Schlangen und viel zu viel Standzeit in den Einheiten. Der Ansatz der Trainingsphilosophie ist, dass die Kids und Jugendlichen sehr viel in kleinen Spielformen trainieren und dadurch viele Ballaktionen bekommen und damit einhergehend alle Trainierenden viele Wiederholungen in fußballspezifischen Aktionen haben. Freude, Intensität und Wiederholung werden bei uns ganz groß geschrieben. Unter diesem Motto sollte bestenfalls jede Trainingseinheit stehen. Wir wollen das weiter in die Breite bekommen, deswegen gehen wir seit Jahren raus in die Vereine und geben Trainerfortbildungen und Einheiten, um zu zeigen, was gutes Kinder- und Jugendtraining ausmacht. Diese Trainingsgestaltung hat eine hohe Allgemeingültigkeit über alle Altersklassen und Leistungsstufen hinweg. Auch wir trainieren in den U-Nationalmannschaften viel in kleinen Spielformen. Unser Wunsch ist, dass mindestens zwei Trainingseinheiten pro Woche ihren Schwerpunkt auf kleinen Spielformen haben, die ja total facettenreich sind und unglaublich viele Fußballthemen abbilden. Wenn man sich einmal intensiv damit auseinandergesetzt hat, weiß man, dass es einfach nur Sinn macht und vor allem den Spieler/innen und Trainer/innen sehr viel Freude bereitet und man so die Kinder und Jugendlichen langfristig am Fußball und im Verein hält.
Nochmal zurück zu Ihrer Karriere als Trainerin: Gibt es da noch etwas, was Sie erreichen möchten?
Ich bin in dem Altersbereich tätig, den ich liebe und schätze. Wir begleiten die jungen Menschen in einer Phase, die total prägend ist. Es ist ein ganz großes Gut, dass wir in der Entwicklung der Mädels einen Stempel hinterlassen können. Deshalb macht mir der Bereich unglaublich viel Spaß und wir machen das alle mit sehr viel Herzblut. Momentan sehe ich mich auch genau da. Ob irgendwann mal was anderes kommt, kann und möchte ich nicht ausschließen. Aber ich strebe allgemein nicht nach höher, schneller, weiter, sondern bin sehr zufrieden und glücklich, wo ich bin.
Interview: Christina Aicher