Buchbach/Burghausen – Tristesse bei den Löwen-Fans, Vorfreude beim TSV Buchbach und beim SV Wacker Burghausen. Nach dem Zwangsabstieg des TSV 1860 München in die Fußball-Regionalliga Bayern erwarten die Rot-Weißen und die Schwarz-Weißen volle Stadien bei den Heimspielen, freuen sich aber genauso auf die Atmosphäre beim Auswärtsspiel im „Grünwalder“.
„Natürlich ist das ein Debakel für die Löwen-Fans. Das ist traurig und beschämend“, kommentiert Buchbachs Abteilungsleiter Georg Hansmaierl den Lizenzentzug für die 3. Liga und macht als bekennender Blauer in Richtung Gesellschafter Hasan Ismaik deutlich: „Das ist das Ergebnis eines Missverständnisses, das nun schon seit 15 Jahren andauert.“ Auch Wacker-Geschäftsführer Andreas Huber beurteilt die Geschehnisse auf Giesings Höhen als „krass und überraschend“, enthält sich aber einer eindeutigen Stellungnahme: „Das ist aus der Ferne schwer zu beurteilen, aber ich glaube, dass die Löwen-Fans so etwas schon ein Stück weit gewohnt sind und auch nächste Saison definitiv hinter ihrer Mannschaft stehen werden.“
Sowohl die Buchbacher als auch die Burghauser haben beste Erinnerungen an das letzte Gastspiel der Löwen in der Regionalliga nach dem Zweitliga-Zwangsabstieg 2017. Wacker durfte am 21. Juli unter der Regie von Trainer Patrick Mölzl gleich das erste Saisonspiel im kultigen „Grünwalder“ bestreiten, das nach dem Auszug aus der Allianz-Arena wieder zur Heimspielstätte der Löwen wurde. Tobi Janietz brachte Wacker damals sogar in Front, aber Jan Mauersberger, Timo Gebhart und Sascha Mölders drehten vor 12.500 Fans mit ihren Toren die Partie. Nur fünf Tage später musste das Team von Trainer Daniel Bierofka nach Buchbach und kassierte dort nach einem Eigentor von Felix Weber in der mit 2.700 Zuschauern ausverkauften SMR-Arena eine 0:1-Niederlage. Bierofka war maximal angefressen, inszenierte bei der Pressekonferenz nach der Partie einen zornigen Blitzauftritt vor dem Mikrofon und ließ Buchbachs Trainer-Legende Anton Bobenstetter trotz aller Freundschaft buchstäblich im Regen stehen.
Als ob die historische Punktspiel-Niederlage gegen den Dorfverein für die Löwen nicht schon schlimm genug gewesen wäre, feierten die Buchbacher den Erfolg in der Kabine über die „Giesinger Bauern“ lautstark singend – Öl in die brennende Wunde! Mitten drin war damals Buchbach-Legende Aleksandro Petrovic, jetzt Co-Trainer bei der SpVgg Greuther Fürth: „Ich bin mir sicher, dass ich der einzige gebürtige Giesinger bin, der heute auf dem Platz gestanden ist. Deswegen bin ich ja der Bauer.“ Und Hanslmaier erklärte: „Wir werden fast bei jedem Auswärtsspiel als Bauernbuam verhöhnt. Das spornt uns an.“
Organisatorisch war das erste Gastspiel der Löwen auf dem Dorf trotz dreitägigen Dauerregens im Vorfeld eine Buchbacher Meisterleistung. „Das erste Auswärtsspiel war ja in Memmingen, wo 6.000 Fans Platz haben, aber der Verband hat dann bewusst das zweite Auswärtsspiel nach Buchbach vergeben, weil er uns zugetraut hat, dass wir das stemmen. Viele andere Vereine haben sich danach bei uns erkundigt und haben es uns dann nachgemacht“, erinnert sich Bobenstetter, der ja selbst glühender Löwen-Fan ist, aber sich keinen Illusionen mehr hingibt: „Seit 15 Jahren sage ich immer, dass es nicht mehr schlimmer kommen kann, aber dann wird es doch noch schlimmer. Ich kann mir im Fußball fast alles erklären, aber 1860 nicht. Das ist ein Fass ohne Boden.“ Während viele Fans bei der Schuldfragen nach Jordanien deuten, sieht das Bobenstetter deutlich differenzierter: „Die Medaille hat schon zwei Seiten.“
Grundsätzlich erwartet Bobenstetter aber durch die Löwen eine gewaltige Aufwertung der Regionalliga Bayern: „Das Medieninteresse wird enorm sein und die Fans werden die Stadien stürmen.“ Als großen Favoriten sieht der Trainer-Rentner die Löwen aber nicht unbedingt: „Man weiß nicht, mit welcher Mannschaft sie spielen können, man weiß nicht, wer Trainer sein wird. Am Anfang wird wohl die halbe Bayernliga-Mannschaft spielen, deswegen erwarte ich einen holprigen Start, auch wenn das gute junge Leute sind.“ Die Einschätzung von Wacker-Geschäftsführer Huber ist da etwas optimistischer: „Ich denke schon, dass die Löwen unabhängig von den Themen im Verein wieder eine gute Mannschaft stellen werden und dass der Wiederaufstieg das Ziel sein wird. Aber man muss trotzdem abwarten, wie viel Budget für die Kaderplanung vorhanden ist.“ Auch Hanslmaier glaubt, dass die Sechziger ganz vorne dabei sein werden: „Natürlich ist 1860 einer der Top-Favoriten. Das wird eine interessante Liga, die hinter den Löwen, Bayern II und Unterhaching noch ausgeglichener sein wird.“
Sehr gespannt ist auch Buchbachs neuer Trainer Sven Zurawka: „Für so einen Traditionsverein ist dieser Abstieg natürlich ein Schock. Aber für uns werden das zwei unfassbare Spiele, auch wenn man noch nicht genau sagen kann, wie die Löwen-Mannschaft ausschauen wird. Ich gehe schon davon aus, dass 1860 wie 2017/18 sofort wieder aufsteigen will. So oder so: Wann spielt man schon gegen einen Verein, der eigentlich mindestens in die 2. Bundesliga, wenn nicht sogar in die Bundesliga gehört?“ Dass es mit der Bundesliga bei den Löwen so schnell nichts mehr wird, hat Bobenstetter schon vor vielen Jahren prophezeit. Nach dem Bundesliga-Abstieg 2004 prophezeite der Coach: „Bevor die Löwen wieder gegen den FC Bayern spielen, spielen sie eher gegen Buchbach. Das war damals ein Scherz und alle haben gelacht.“ Zumal die Buchbacher damals gerade erst in die Bezirksoberliga aufgestiegen waren.
Zum Rückspiel der Saison 2017/18 mussten die Buchbacher übrigens gleich zweimal anreisen, weil beim ersten Versuch das Flutlicht im Grünwalder dauerhaft ausgefallen ist. Beim zweiten Anlauf im März 2018 hielten die Rot-Weißen vor ausverkauften Rängen nach dem Ausgleich durch Thomas Leberfinger bis tief in die Nachspielzeit ein 1:1 und mussten sich erst durch einen Treffer von Mauersberger mit 1:2 geschlagen geben. „Für uns war das trotzdem gefühlt wie ein Sieg“, erinnert sich Bobenstetter. Burghausen hat sein Heimspiel in dieser Regionalligasaison gegen die Löwen übrigens schon am 11. November 2017 mit 2:0 gewonnen. Vor 8.520 Fans trafen Christoph Buchner und Sascha Marinkovic für Wacker.
Dass die Regionalliga Bayern jetzt mit 19 statt mit 18 Vereinen startet, ist weder für Burghausen noch für Buchbach ein Problem. Huber: „Wenn Würzburg den Aufstieg nicht geschafft hätte, wäre es auch eine 19er-Liga geworden. Die Planungen dahingehend waren ja schon da. Und selbst eine 20er-Liga wäre zu stemmen.“ Natürlich auch, weil ja die Heimspiele gegen die Löwen Mehreinnahmen versprechen, mit denen man vor ein paar Wochen noch gar nicht rechnen konnte. Hanslmaier: „Viele Stadien werden ausverkauft sein. 1860 bringt der Regionalliga Bayern noch mal ein ganz anderes Rampenlicht. Ich rechne mit einem richtigen Hype.“
3.900 Zuschauer sehen Highlight in Rosenheim
Als die Löwen in der Saison 2017/18 in der Regionalliga Bayern spielten, da mussten sie gleich gegen drei Teams aus dem Fußballkreis Inn/Salzach ran. Neben Buchbach und Burghausen war auch der TSV 1860 Rosenheim im bayerischen Oberhaus – mit einer Mannschaft, die fast ausschließlich aus dem Landkreis Rosenheim kam. Das Hinspiel im Juli 2017 ging vor 12.500 Fans im Grünwalder Stadion mit 2:0 an die Münchner, bei denen mit Kilian Jakob ein Spieler in der Startformation stand, der auch in der abgelaufenen Saison bei den Löwen im Kader war. Die Tore fielen damals spät, in der 88. Minute sorgte ein Eigentor von Mathias Heiß, aktuell wieder bei den Rosenheimern als Physio aktiv, für die Führung der Hausherren, in der Nachspielzeit legte Timo Gebhart nach. Das zweite Duell im November 2017 war dann ein Highlight für Rosenheim: 3.900 Zuschauer sahen das Punktspiel der beiden Sechziger-Teams, was auch der kurzfristig arrangierten OVB-Tribüne zu verdanken war, die sich hinter dem Haustor der Rosenheimer auftürmte und gewaltigen Eindruck machte. 1:1 endete die Partie damals, nachdem Christian Köppel die Rosenheimer Führung kurz nach Wiederbeginn egalisiert hatte. Die Gastgeber hatten vor dem Halbzeitpfiff das 1:0 erzielt, Torschütze für Rosenheim war Philipp Maier – der Kienberger, der es dann über Schweinfurt und Ulm in die 2. Bundesliga schaffte und zuletzt bei den Löwen unter Vertrag stand. Ob seine Zukunft nun wieder in der Regionalliga ist?