Ein Flug, ein Fluss, ein Ziel

von Redaktion

Neuer Gleitschirmrekord: Rosenheimer Uli Straßer fliegt bis zur Quelle des Inns

Rosenheim/Engadin – Ein langgehegter Traum ist für den Rosenheimer Gleitschirmpiloten Uli Straßer Wirklichkeit geworden. Dem Luft- und Raumfahrtingenieur gelang ein außergewöhnlicher Streckenflug von der Rampoldplatte bei Brannenburg bis an die Quelle seines Heimatflusses Inn oberhalb des Malojapasses in der Schweiz. Mit einer maximalen Entfernung von 232 Kilometern vom Startpunkt und einer Gesamtstrecke von 258 Kilometern stellte Straßer zugleich einen neuen Fluggebietsrekord auf.

Bereits 2023 hatte Straßer einen ersten Versuch unternommen und dabei seinen damaligen Fluggebietsrekord vom Sulzberg bei Brannenburg mit einem Flug bis ins Engadin auf 171 Kilometer Luftlinie verbessert. Wetterbedingt musste er damals jedoch in Scuol im Unterengadin landen. Nun bot sich Ende Mai erneut ein vielversprechendes Wetterfenster. Wetterprognosen von kräftiger, hochreichender Thermik und östlichen Rückenwinden ließen die Hoffnung aufkommen, das Ziel diesmal tatsächlich zu erreichen. Gemeinsam mit seinem langjährigen Fliegerfreund Werner Schütz aus Höhenmoos, ebenfalls mehrfacher deutscher Meister im Streckenfliegen, startete Straßer von der Rampoldplatte.

Der fast neun Stunden dauernde Flug führte die beiden Piloten über Wendelstein, Sylvensteinspeicher, Wetterstein- und Zugspitzmassiv, weiter über Landeck, Fiss und Scuol bis ins Oberengadin. Nördlich an der imposanten Berninagruppe mit dem 4.000er Piz Bernina und seinem berühmten Biancograt vorbei erreichte Straßer schließlich das Gebiet um den Pass Lunghin oberhalb des Malojapasses – und damit die Quelle des Inns. Der Pass Lunghin gilt als die bekannteste dreifache Wasserscheide Europas. Von hier aus fließt das Wasser entweder über Inn und Donau ins Schwarze Meer, über Julia, Albula, Hinterrhein und Rhein in die Nordsee oder über Mera, Adda und Po in die Adria und damit ins Mittelmeer.

Nach dem Abstecher zur Innquelle wäre ein Weiterflug am Bergell vorbei bis zum Comersee theoretisch zwar noch im Bereich des Möglichen gewesen, aber die beiden Gleitschirmpiloten hatten für die nächsten Tage bereits andere Flugpläne. Also flog Straßer wieder ein Stück zurück und die zwei landeten in St. Moritz. Damit war das Abenteuer jedoch noch nicht beendet. Da auch die beiden Folgetage hervorragendes Streckenflugwetter versprachen, setzten die Freunde ihre Reise fort. Nach einer Zugfahrt von St. Moritz nach Scuol flogen sie am nächsten Tag zusammen mit einem nachgereisten Fliegerfreund vom Skigebiet Motta Naluns aus ein rund 200 Kilometer großes Dreieck um den Schweizer Nationalpark. Atemberaubende Ausblicke auf die Hochgebirgslandschaften der Region und den mächtigen Ortler begleiteten den Flug durch die Schweiz, Italien und Österreich, bevor sie wieder in Scuol landeten.

Den krönenden Abschluss bildete der dritte Tag. Erneut in Motta Naluns gestartet, führte die Route das Duo diesmal überwiegend südlich des Inns über die Gletscherwelt der Ötztaler, Stubaier und Tuxer Alpen. Über den Gerlospass und den Kurzen Grund gelang nach insgesamt knapp 200 Kilometern Flugstrecke schließlich die Rückkehr ins Inntal mit Landung bei Kirchbichl und somit ein Rückflug fast bis zum Ausgangspunkt der Reise.

„Zum Fliegen fliegen“ lautete das Motto der beiden Freunde für ihren dreitägigen Ausflug. Das Unternehmen zeigt eindrucksvoll, wie weit man mit einem nur wenige Kilogramm wiegenden Gleitschirm reisen kann. Bilanz in Zahlen: Drei Tage – vier Länder – 650 Kilometer Flugstrecke – 27 Stunden Flugzeit – 76.000 durch thermische Aufwinde erflogene Höhenmeter.re

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