Lofer – Wenn sich die nationale Elite des Kanuslaloms am Fuße der majestätischen Loferer Steinberge versammelt, spüren die Athleten des Kajak-Klubs Rosenheim (KKR) fast so etwas wie Urlaubsstimmung. Der traditionelle Auftakt des Deutschlandcups (DC) im benachbarten Pinzgau ist für die Rosenheimer ein echtes Heimspiel. Während die Konkurrenz aus West- und Norddeutschland teils bis zu neun Stunden auf der Autobahn verbringen musste, reisten die heimischen Sportler in nur knapp einer Stunde an. Doch trotz der malerischen Kulisse verlangte das traditionsreiche Rennen den über 250 Startern aus Dutzenden Vereinen wieder alles ab.
Der Modus beim Deutschlandcup ist intensiv: An einem Wochenende werden gleich vier separate Läufe absolviert, von denen jeder als eigenständiges Rennen gewertet wird. Die Strecke auf der Saalach, idyllisch direkt am Rand des Ortskerns und kurz oberhalb der berüchtigten Teufelsschlucht gelegen, ist dabei ein absolutes Unikum. Sie ist die einzige reine Naturstrecke im aktuellen Wettkampfkalender. Das bringt jedoch massive Herausforderungen mit sich.
Normalerweise kämpfen die Organisatoren des BKV- Lofer-Teams im Frühjahr regelmäßig mit reißendem Hochwasser durch Regen oder die einsetzende Schneeschmelze. In diesem Jahr zeigte sich jedoch ein anderes Extrem: Außergewöhnliches Niedrigwasser brachte den Pegel nahe an die Grenze der Befahrbarkeit für die empfindlichen Slalomkajaks aus kohlefaserverstärktem Kunststoff. Das trübe Wasser der Saalach verdeckte die Sicht auf die scharfen Felsen im Flussbett, was präzises Navigieren enorm erschwerte und für ein Wochenende der kaputten Boote sorgte. Trotzdem kommen die Athleten immer wieder gerne hierher, nicht zuletzt, weil die Zuschauer vom Teufelssteg und dem angrenzenden Wanderweg aus eine perfekte Sicht auf das sportliche Geschehen haben.
Dass der Deutschlandcup und der DC U18 in diesem Jahr überhaupt im österreichischen Lofer starten, unterstreicht ein strukturelles Problem im deutschen Kanusport: Es mangelt schlichtweg an Strecken mit konstantem, planbarem Wasserdurchfluss und der entsprechenden Schwierigkeit. Aus diesem Grund muss der Tross im weiteren Jahresverlauf für die nächsten DC-Rennen sogar nach Veltrusy und Roudnice in die Tschechische Republik ausweichen. Entsprechend stark besetzt war das Feld beim Saisonauftakt in Lofer, das zu den größten nationalen Rennen zählt. Besonders in der Altersklasse der männlichen U18-Junioren im Kajak drängten sich große Starterfelder, gespickt mit den aktuellen Fahrern der Junioren-Nationalmannschaft.
Trotz aller Schwierigkeiten und der großen Konkurrenz zeigten die Talente des Kajak-Klubs Rosenheim starke Leistungen beim diesjährigen Auftakt der DC-Rennserie. Allen voran Marian Arnu, der ein richtig gutes Rennwochenende erwischte. Der vielseitige Nachwuchsathlet trat wie gewohnt in gleich zwei Bootsklassen an – dem Kajak-Einer (K1) und dem Canadier-Einer (C1) – und lieferte durchgehend Spitzenleistungen ab. Im stark umkämpften Canadier etablierte er sich mit mehreren Top-10-Ergebnissen und einem fünften Platz und konnte damit seine aktuelle Platzierung als Nummer vier der nationalen C1-Rangliste untermauern. Doch auch im Kajak bewies Arnu seine Klasse sowie Vielseitigkeit und fuhr im großen Startfeld der U18 mit den Rängen sechs und acht weitere Top-Ten-Ergebnisse ein.
Für ein weiteres Ausrufezeichen aus Rosenheimer Sicht sorgte Jonathan Arnu. Im vierten Rennen fand der 16-Jährige auf der tückischen Naturstrecke eine richtig schnelle Linie und paddelte sich im K1 der U18 unter mehr als 70 Startern auf den siebten Platz vor. Auch die beiden U16-Paddler Maximilian Scott und Luis Betz stellten sich der großen Konkurrenz in der männlichen U18. Beide behaupteten sich im schwierigen Wildwasser und sammelten mit soliden Fahrten im Mittelfeld wichtige Erfahrungen auf nationalem Top-Niveau. In der weiblichen K1-Konkurrenz hielt Mia Arnu die Fahnen des KKR hoch und reihte sich im gesicherten Mittelfeld ein. Vor den eigentlichen Wertungsläufen durfte zudem der Rosenheimer Paul Albert als Vorstarter auf das Wasser gehen. Er absolvierte die offizielle Streckenvorfahrt unter Wettkampfbedingungen und testete die gesteckten Tore auf ihre Tücken.
Aufgrund der ständigen Gefahr von plötzlichem Hochwasser in den Bergen war das Wochenende straff durchgetaktet. Sämtliche vier Rennen wurden an den ersten zwei Tagen durchgezogen, um den dritten Tag als Puffer zur Verfügung zu haben. Da der Regenkreislauf jedoch ausblieb und das trockene Frühlingswetter hielt, blieb der Zeitplan unberührt. Die Sportler des Kajak-Klubs Rosenheim ließen den freien Sonntag daher nicht ungenutzt verstreichen. Sie tauschten ihre leichten und empfindlichen Slalom-Boote gegen robuste Wildwasserkajaks und wagten sich auf eine Tour durch die massiven Walzen der Teufelsschlucht direkt unterhalb der Rennstrecke.re