Rosenheim – Sie gehört zu den größten deutschen Radsport-Hoffnungen und hat gerade den bislang größten Erfolg ihrer Karriere gefeiert: Die Rosenheimerin Antonia Niedermaier hat den Giro d’Italia der Frauen auf dem zweiten Gesamtplatz beendet und damit erstmals das Podium einer großen Rundfahrt erreicht. Im Interview mit Radio Charivari spricht sie über ihren großen Erfolg und verrät, wie sie danach entspannt hat und wieso sie damit nie gerechnet hätte.
Platz zwei beim Giro d’Italia – der bislang größte Erfolg Ihrer Karriere. Haben Sie schon realisiert, was Sie da geschafft haben?
Es dauert immer ein bisschen. Gerade nach dem Rennen ist es zu früh. Ich bin ein paar Tage ruhig daheim gewesen und jetzt startet es so langsam, dass ich das überhaupt realisiere.
Wie waren die vergangenen Tage für Sie?
Recht entspannt. Ich war daheim, bin viel mit meinem Hund spazieren gegangen und habe mir wirklich eine entspannte Zeit gemacht. Ich war auch beim Pferd und habe einfach alles gemacht, was ich gerne mache.
Was bedeutet Ihnen dieser zweite Platz?
Das ist auf jeden Fall etwas ganz Besonderes für mich. Gerade, weil ich vor drei Jahren so schlimm gestürzt bin und so lange auf dieses Podest gewartet habe. Deswegen ist es für mich natürlich noch mal spezieller. Ich freue mich total, dass ich das Podest heimbringen konnte. Es ist einfach ein schönes Gefühl.
Auf der letzten Etappe waren Sie im virtuellen Gesamtklassement zwischenzeitlich sogar Führende. War Ihnen das bewusst, dass Sie den Giro sogar gewinnen hätten können?
Ich habe das natürlich schon mitgekriegt, aber ich habe auch gewusst, dass Demi Vollering brutal stark ist. Sie hat es auch verdient. Sie hat sich wirklich zurückgekämpft zu unserer Gruppe und war an dem Tag einfach stärker. Das muss man dann manchmal sportlich einfach akzeptieren, dass andere Leute stärker sind. Trotzdem bin ich mit der Leistung und mit der letzten Etappe super zufrieden. Deshalb gibt es nichts, das ich bereuen kann.
Nach Platz zwei beim Giro stellt sich natürlich die Frage: Ist der Traum vom Gesamtsieg bei einer großen Rundfahrt jetzt ein Stück realistischer geworden?
Auf alle Fälle ist der Traum da, dass man mal so eine Rundfahrt gewinnt. Ich bin immer ein bisschen vorsichtig, so etwas auszusprechen, weil ich mir selber nicht zu viel Druck machen will. Man muss einfach mal schauen, was die nächsten Jahre kommt. Ich glaube, dass es im Rahmen des Möglichen liegt. Ich werde dafür natürlich auch viel arbeiten – dann schauen wir mal.
Wie sieht die Zielsetzung für die Tour de France in ein paar Wochen aus?
Die Tour de France ist natürlich noch ein großes Ziel. Da werde ich aber eher als Helfer fahren, da habe ich die Helferrolle für Kasia (Katarzyna Niewiadoma, Anm. d. Red.). Und das ist auch völlig okay. Es ist meine erste Tour de France und ich freue mich total. Wir schauen einfach mal, was das wird und wie ich da fahren kann. Vielleicht kriege ich auch eine Chance für einen Etappensieg, aber prinzipiell bin ich erst mal Helfer.
Sie kommen vom Skibergsteigen. Als Sie damals auf das Rad umgestiegen sind, hätten Sie da gedacht, dass Sie irgendwann mal zu den besten Radfahrerinnen der Welt gehören werden?
Nein, auf gar keinen Fall. Ich wollte eigentlich nie Radsportler werden, das war nie der Plan. Irgendwie ist es dann einfach vom einen zum anderen gekommen. Ich habe nie gedacht, dass ich da mal vorne mitmischen kann. Ich wusste zwar, dass ich brutal ehrgeizig bin und dass, wenn ich was mache, ich es gescheit mache. Aber dass das so kommt, habe ich nie gedacht. re