Rosenheim/Mühldorf – Das gute Wetter ausnutzen, die Füße hochlegen und mit einem Kaltgetränk die Weltmeisterschaft genießen. So sieht die freie Zeit nach der abgeschlossenen Saison 2025/26 bei den heimischen Amateurfußballern aus. Ganz anders läuft es derzeit beim BFV-Kreis-Spielleiter Chris Sofis – für den 45-Jährigen ist die Sommerpause die stressigste Phase des Jahres. Im exklusiven Interview mit beinschuss.de und der OVB-Sportredaktion spricht Sofis über die überraschend erfolgreiche Relegation, die knifflige Ligeneinteilung und die mühsame Spielplanerstellung.
Wir haben ganz frisch die Spielklasseneinteilungen hinter uns. War es heuer einfach oder eher schwieriger?
Ich möchte das nicht mit den Jahren zuvor vergleichen, weil die Gruppenkonstellationen anders sind. Aber wir haben uns sehr bemüht, die Wünsche der Vereine umzusetzen. Das gelingt nicht immer, lässt sich aber tatsächlich nicht ändern. Wie gesagt, das ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Und ich denke, wir haben es ganz gut hinbekommen.
Gibt es dabei Härtefälle und wie geht man mit diesen um?
Es gibt die sogenannten Grenzvereine. Beispielsweise Seeon oder Marquartstein. Die Vereine, die in dieser West-Ost-Linie genau in der Mitte liegen. Da musst du abwägen: Wo macht es mehr Sinn, diese in die entsprechende Gruppe einzuteilen? Das ist nicht einfach, aber da muss man leider Jahr für Jahr durch.
Wie regeln Sie das? Gibt es dann Telefonate oder Überzeugungsarbeit?
Überzeugungsarbeit gibt es erst einmal unter uns. Wir müssen glücklich sein mit dem, was wir im Grunde nach der Relegation zusammenbasteln. Natürlich gibt es das eine oder andere Telefonat mit einem Verein, wo man fragt: „Pass auf, die Konstellation wäre so, hättest du ein Problem damit, in die andere Gruppe zu gehen?“ Und meistens spielen die Vereine auch gleich mit, wenn man mit ihnen spricht.
In der Kreisliga zum Beispiel gab es letzte Saison eine ganz andere Konstellation. Woran macht man das fest?
Da ist die Frage: Welche Vereine hast du zur Verfügung? In der letzten Saison hatte es sich so ergeben, dass wir es schräg einteilen, also Nordwest/Südost. Natürlich waren viele Rosenheimer Vereine nicht glücklich darüber, weil direkte Derbys weggefallen sind. Andererseits wird der Nordwesten seit Jahren geteilt. Letzte Saison hat es halt mal die Rosenheimer Vereine getroffen. Und jetzt ist die Konstellation wieder so, dass wir nach West/Ost einteilen konnten.
Gibt es bei der Spielplangestaltung knifflige Entscheidungen? Wie geht man da vor?
Ja. Erst einmal geben die Vereine an, wann sie ihre Heimspiele bestreiten. Sie können auch Wünsche äußern. Dass sie zum Beispiel am ersten Spieltag gerne ein Heimspiel gegen Gegner X hätten – Derby, ganz klar. Wobei ich mich frage: Macht es vielleicht Mitte September mehr Sinn, wenn die Schulferien vorbei sind, weil dann mehr Spieler da wären? Aber gut, das ist der Wunsch der Vereine. Wenn es möglich ist, dann versuchen wir, das umzusetzen. Ein anderes Beispiel: Ein bestimmter Verein möchte an einem bestimmten Tag ein Heimspiel haben, weil irgendein Ereignis ist. Dorffest oder irgendwas. Dann versuchen wir, das umzusetzen. Aber ob es dann klappt, kommt immer auf die Gesamtsituation an. Und zur Spielplangestaltung: Natürlich möchten die meisten Vereine ihre Heimspiele zusammen mit den zweiten, vielleicht auch dritten Mannschaften austragen, was total verständlich ist. Das ist die größte Herausforderung. Man muss sich das so vorstellen: Es gibt einen vordefinierten Schlüsselplan. Am ersten Spieltag spielt Team 1 gegen Team 2, Team 3 gegen Team 4, 5 gegen 6 und so weiter. Am zweiten Spieltag ist es dann 2 gegen 3, 4 gegen 5 und so weiter. Und dann ist die Kunst, so nah wie möglich auf 100 Prozent der Wünsche der Vereine zu kommen. Was nicht immer gelingt, das kann es auch gar nicht. Außer vielleicht mit künstlicher Intelligenz…
Arbeiten Sie mit KI oder gibt es da schon Überlegungen?
Also wir im Kreis arbeiten nicht mit KI.
Wäre es ein Wunsch oder sind Sie nach wie vor noch ein Fan vom klassischen Modell?
Ich glaube, das hat Vor- und Nachteile. Ich habe witzigerweise über zwei verschiedene KI-Programme mal versucht, eine Spielgruppeneinteilung zu machen. Aber da kam was total Vogelwildes raus. Man muss schauen, was die Zukunft bringt. Interessant ist es natürlich, weil es Zeit sparen kann. Aber auf der anderen Seite ist doch das Zusammensitzen und Ausdiskutieren das Interessantere. Es ist schön, dass es das auch noch gibt.
Ein Thema, das sehr erfreulich war: Relegationsspiele und der Boom an Zuschauern.
Im Kreis sind wir sehr stolz drauf! Von allen vier Kreisen in Oberbayern hatten wir die besten Zahlen. In den 20 Spielen waren es über 15.000 Zuschauer. Wenn ich die Saison davor anschaue, da waren wir bei 25 Spielen irgendwo bei 13.000. Wir waren selbst überrascht. In diesem Jahr waren wir mutig und haben zwei Spiele an einem Tag an den gleichen Ort gelegt. Und so, wie ich das aus den Gesprächen der jeweiligen Verbandsaufsicht mit den Vereinen rausgehört habe, kam das gut an. Höslwang sowie Erlstätt hatten zwar pro Spiel weniger Zuschauer, aber über den ganzen Tag gesehen hat sich’s dann finanziell doch gelohnt.
Wie läuft die Entscheidung, wo die Spiele stattfinden, ab?
Auch da frage ich die Vereine im Vorfeld ab, wer sich für ein Relegationsspiel bewerben möchte. Und da hatten wir 45 – so viele wie noch nie. Ich freue mich wirklich, dass sich so viele Vereine bewerben, auch wenn wir einige enttäuschen, weil die Konstellation einfach nicht passt. Da appelliere ich: Weiter versuchen, irgendwann wird’s mit Sicherheit klappen! Ich finde diese Zahl phänomenal. Die Jahre davor waren wir irgendwo bei 30, was ja auch nicht wenig ist.
Bleibt die Relegation so, wie sie ist?
Ja, die Relegation bleibt in der kommenden Saison so, wie sie in der vergangenen war. Dass in der A-Klasse auch der Dritte eine Chance hatte, fand ich interessant. Der SV Pang hat es beispielsweise als Dritter geschafft.
Wird das im Kreisausschuss beschlossen, wie die Relegation ablaufen wird?
Ja, das müssen wir gemeinsam besprechen. Ich höre mir alles an und dann entscheiden wir. Die Auf- und Abstiegsregelung wird noch vor Saisonbeginn festgelegt. Die Durchführungsbestimmungen zur Relegation kommen erst so um den vorletzten Spieltag. Da wird es wieder eine Auslosung geben, damit nicht taktiert wird, wenn man das schon im Vorfeld weiß.
Wie reibungslos läuft dann so eine Sitzung ab?
Ich denke, wir sind ein recht homogenes Team. Jeder hat seine Stärken und Schwächen. Vor zwei Jahren hatten wir eine kontroverse Sitzung. Da haben wir alleine wegen eines Vereins eine halbe Stunde diskutiert – wegen eines einzigen Vereins. Aber das gehört dazu. Es soll jeder seine Meinung äußern und dann müssen wir das bestmögliche Ergebnis im Sinne der Vereine präsentieren können.