„Ich wollte schon immer zu den Besten gehören“

von Redaktion

Gökhan Aksu kämpft bei OKTAGON 90 in Berlin um den Titel im Leichtgewicht

Rosenheim – Als der Anruf kam, war die Enttäuschung groß. Wochenlang hatte Gökhan Aksu auf den wichtigsten Kampf seiner Karriere hingearbeitet. Das Trainingslager war absolviert, die Vorbereitung lief auf Hochtouren. Dann die Nachricht: Der Titelkampf gegen den polnischen Champion Mateusz Legierski, der am 11. April stattfinden sollte, fällt aus. Der Grund war eine schwere Armverletzung des Titelträgers.

Für Aksu platzte damit vorerst der Traum vom Gürtel. Doch aufgeben war für den Kampfsportler nie eine Option. Nun bekommt der als „Abinator“ bekannte Kämpfer seine zweite Chance. Am 20. Juni trifft er bei Oktagon 90 in der Berliner Uber Arena auf Legierski und kämpft um den Titel im Leichtgewicht. Für den MMA-Athleten ist es der bislang größte Kampf seiner Laufbahn.

„Das ist aktuell die beste Zeit meiner Karriere“, sagt Aksu. „Es ist mein Höhepunkt.“ Diese Einschätzung kommt nicht von ungefähr. Der Kampfsport begleitet ihn seit mittlerweile knapp 16 Jahren. Aus einem Jugendlichen, der sich erstmals für Mixed Martial Arts begeisterte, wurde ein Champion bei der Austrian Fight Challenge und der Innferno Fighting Championship. Seit seinem Wechsel zu Oktagon, der größten MMA-Organisation in Europa, vor zwei Jahren hat sich seine Karriere noch einmal beschleunigt.

„Mich reizt die Challenge, mich mit den Besten zu messen“, sagt Aksu. „Ich wollte schon immer zu den Besten gehören.“ Sechs Siege in Folge sprechen derzeit für ihn. Zuletzt sorgte er bei Oktagon 80 in München für Aufsehen, als er seinen Gegner, Denis Frimpong, bereits in der ersten Runde durch Knock-out besiegte und zusätzlich die Auszeichnung für die beste Leistung des Abends erhielt.

Auch sein langjähriger Trainer Refik Salihi von der Martial Arts Academy Rosenheim sieht seinen Schützling auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung. „Gökhan ist ein grandioser Sportler“, sagt er. Noch wichtiger seien jedoch die Eigenschaften außerhalb des Käfigs. Aksu sei „ein sehr angenehmer, ehrlicher und loyaler Mensch“. Die Verbindung der beiden geht weit über das Training hinaus. Sie unterstützen sich gegenseitig und sind eng befreundet. Dass Aksu eines Tages um einen großen Titel kämpfen würde, habe Salihi schon früh erwartet.

„Ich habe das Potenzial immer in ihm gesehen“, sagt der Coach. „Er ist mit dem Ziel in diese Organisation gegangen, Champion zu werden.“ Die Absage des ursprünglich geplanten Titelkampfs traf deshalb auch das gesamte Team. „Am Anfang war er sehr enttäuscht“, erinnert sich Salihi. „Wir wussten zunächst gar nicht, wie wir damit umgehen sollen.“

Statt den Kopf hängen zu lassen, investierte Aksu die zusätzliche Zeit in seine Entwicklung. Teile seines Camps absolvierte er mit seinem langjährigen Kampfkollegen und Sparringspartner Endrit Brajshori in den USA. Zuletzt bereiteten sich beide in Thailand auf den Kampf vor. Die zusätzlichen Monate nutzte Aksu, um sich stetig weiter zu verbessern.

Dabei verlief sein Weg nicht immer unter einfachen Bedingungen. Training, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen, fordert viel Disziplin. Gerade deshalb bedeutet ihm die bevorstehende Titelchance besonders viel. Seine größte Motivation findet er dabei nicht im Käfig, sondern zu Hause. „Meine Kinder sind meine größten Unterstützer“, sagt Aksu. „Und gleichzeitig meine größte Motivation.“

Sollte er den Titel in Berlin gewinnen, weiß er deshalb bereits, wen er zuerst kontaktieren würde: seine Familie. Für das Trainerteam rund um Salihi und Stefan Meier ist ohnehin klar, welche Botschaft sie ihrem Kämpfer unmittelbar vor dem Kampf mitgeben würden. „Hol dir das, was dir gehört und was dir schon lange zusteht.“re

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