Geldstrafen bis zu 10.000 Euro möglich

von Redaktion

Kreis-Spielleiter Chris Sofis über seine tägliche Arbeit, persönliche Ideen und den BFV-Terminkalender

Rosenheim/Mühldorf – Die Sommerpause der heimischen Amateurfußballer ist Geschichte und nun sind alle Blicke auf die kommende Spielzeit gerichtet. Während es für die Vereine ernst wird, hat Kreis-Spielleiter Chris Sofis die stressigste Phase des Jahres überstanden. Welche Aufgaben während der Saison anstehen, was sich die Vereine wünschen und welche Ideen der 45-Jährige hat, erklärt Sofis im zweiten Teil des Interviews mit beinschuss.de und der OVB-Sportredaktion.

Jetzt stehen wir am Anfang der Saison. Auf was freut man sich, wenn man auf die Saison blickt?

Dass der Ball endlich rollt. Ganz klar. Man darf den Übergang nicht vergessen. Die Saison hört auf und es geht nahtlos in die Relegation über. Sobald die Relegation vorbei ist, bist du in der Spielgruppenplanung. Wenn die durch ist, wartet die Spielplangestaltung. Also Ruhe haben wir da keine. Dann geht die Testspielphase los, wo viele Fragen der Vereine kommen: ‚Darf ich diesen Spieler einsetzen?‘ Gerade die A-Jugendspieler, das ist eh ein schweres Thema: Auf der einen Seite brauchst du sie in der A-Jugend, auf der anderen Seite möchtest du sie im Herrenspielbetrieb haben, darfst sie dabei aber nicht verheizen.

Also ist es für Sie während der Saison ruhiger?

Während der Saison ist es definitiv ruhiger. Sobald eben der Ball rollt, ist endlich die entspannte Zeit, wo du auch mal die Füße hochlegen kannst als Spielleiter.

Welche Tätigkeiten gibt es während der Saison?

Jetzt erst einmal Verlegungsanträge. Sobald die Spielpläne raus sind, gibt es eine verlegungskostenfreie Zeit, in der die Vereine ihre Heimspiele von Freitag bis Sonntag ohne Zustimmung des Gegners verlegen können. Am Freitag haben wir letzte Saison die Kernzeit von 19 bis 20 Uhr eingeführt. Vielen Vereinen ist 18 Uhr einfach zu früh. Auch nach 20 Uhr, dann wird es einfach zu spät, bis man zu Hause ist. Wenn die Vereine glücklich sind, haben wir natürlich kein Problem, die Spiele irgendwann um 18 Uhr oder um 20.30 Uhr austragen zu lassen, ganz klar. Aber wir haben dem Gastverein die Möglichkeit gegeben, zu sagen, ob das passt. Und wenn die Saison läuft, kommen die täglichen, wöchentlichen Arbeiten: Den elektronischen Spielbericht kontrollieren, vielleicht dem einen oder anderen Schiedsrichter hinterherjagen, wenn er mal die Meldung vergessen hat, hochzuladen.

Sie haben den Zeitraum Freitagabends angesprochen. Was haben Sie noch eingeführt?

Wir hatten vor drei Jahren die Workshops mit den Vereinen, wo wir gefragt haben: ‚Was können wir in unserem Spielkreis anpassen? Wo ist Verbesserungspotenzial?‘ Ein Wunsch vieler Vereine war, im August den Urlaub so lange wie möglich zu halten. Dem konnten wir entsprechen: Wir haben die Kreisligen und Kreisklassen von 13 auf 14 Mannschaften aufgestockt, sodass wir da möglichst Mitte August anfangen können. Und die A- bis C-Klassen haben wir auf zwölf Mannschaften beschränkt, damit dieser Teil auch mal länger Urlaub machen kann. Keine englischen Wochen war auch ein ganz großer Wunsch der Vereine. Auch dem haben wir entsprochen, soweit es möglich ist.

Gibt es aktuell irgendwas, worüber diskutiert wird oder was Sie gerne einbringen würden?

Diese 14er-Zwölfer-Gruppenkonstellation war schon mal ein Schritt, der mit den Vereinen ausgearbeitet worden ist. Zwei Kreise in Oberbayern haben das tatsächlich übernommen. Das freut mich natürlich.

Jetzt rein persönlich: Gibt es irgendeine Idee, die Sie durchführen möchten?

Meldeligen wie man sie aus dem Juniorenbereich her kennt, fände ich im Herrenbereich interessant. Du kannst ja als Abteilungsleiter oder Trainer deine Mannschaft am besten einschätzen. Und ich glaube nicht, dass die C-Klasse dadurch sterben würde. Wieso denn? So kann jeder Verein sagen: ‚Unsere zweite Mannschaft ist in der C-Klasse besser aufgehoben als in der B-Klasse‘ oder umgekehrt. Zu meiner Münchner Zeit haben das 95 bis 98 Prozent richtig eingeschätzt. Und die paar wenigen haben halt eine auf den Deckel bekommen – und dann weißt du es für die Folgesaison besser.

Es gab dieses Pilotprojekt im Kreis Zugspitze mit Auf- und Abstiegsklassen, was wieder verworfen wurde. Zurecht oder würden Sie sagen, das hätte eine Zukunft?

Es ist ein interessantes Modell. Man könnte es auch einführen, wenn die Vereine das möchten. Klar muss aber sein, dass es in der Hinrunde eher regionalere Gruppen wären. In der Rückrunde könnten die Fahrten weiter sein, weil die Tabellenkonstellation eine andere ist. Und das war den meisten Vereinen in der Zugspitze nicht bewusst, daran ist das Projekt letztendlich gescheitert. Wenn es eine Überlegung für die Vereine ist, dann kann man das gerne testweise einführen.

Sie haben vorhin die kurze Sommerpause angesprochen. Wie brisant ist das Thema Terminkalender bei Ihnen?

Entweder hast du eine kurze Sommerpause, viele Englische Wochen oder du spielst im Winter auf schlechten Plätzen und hast viele Spielabsagen. Es ist schwierig…

Und die Feiertagsspiele. Wie denken die Vereine darüber?

Unter der Woche sind sie auf jeden Fall dagegen. Wenn’s jetzt auf ein Wochenende fällt – Tag der Deutschen Einheit oder Mariä Himmelfahrt – dann ist das auch okay. Aber unter der Woche maximal als Nachholspieltag, wenn ein Spiel ausfällt und beide Mannschaften spielbereit sind. Wir versuchen schon, das eher zu vermeiden. Also rein gesetzestechnisch dürfen sie an Feiertagen spielen. Außer an den stillen Tagen: Am Karfreitag und Buß- und Bettag herrscht ein generelles Spielverbot. Da sind tatsächlich Geldstrafen bis zu 10.000 Euro möglich.

In der vergangenen Saison gab es aber Spiele an besonderen Feiertagen…

Ja. An Allerheiligen und am Ostersonntag waren Spiele. Da habe ich im Vorfeld die Abteilungsleiter in der verlegungskostenfreien Zeit kontaktiert, ob sie die Spiele verlegen wollen. Die haben das wohl übersehen und dann war‘s zu spät. Wenn sie nicht spielen wollen und sich beide Teams einig sind, dann wird’s verlegt – ganz klar. Wenn die Vereine aber spielen wollen, dann sollen sie auch spielen. Das entlastet natürlich auch das Schiedsrichterwesen bei der Einteilung ein wenig. Der letzte Spieltag zum Beispiel war ja aus Schiedsrichtersicht beim Einteilen die Hölle, wenn viele Spiele gleichzeitig stattfinden müssen.

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