München – Die DEL2-Eishockeyspieler der Starbulls Rosenheim stehen bereits seit Mitte Juni wieder auf dem Eis – wenn auch noch mit reduziertem Aufgebot. Im Keller des SAP Garden, des neu errichteten Eishockey-Tempels im Münchner Olympiapark, liegt der Fokus derzeit klar auf dem Torwarttraining. Das neue deutsche Goalie-Duo der Grün-Weißen um Neuzugang Daniel Fießinger (29) und Christopher Kolarz (25) arbeitet gemeinsam mit Spielern aus dem Nachwuchs sowie einigen wenigen Profis an den Grundlagen für die kommende Saison. Die OVB-Sportredaktion war vor Ort und hat exklusiv mit dem neuen Rosenheimer Schlussmann gesprochen.
Herzlich willkommen in Rosenheim. Wie sind Ihre ersten Eindrücke von Ihrem neuen Verein?
Die ersten Eindrücke sind durchweg positiv. Zunächst einmal ist es großartig, dass wir die Möglichkeit haben, hier in München aufs Eis zu gehen. Alles ist von Rosenheimer Seite sehr gut organisiert. Auch die Trainer sind vor Ort – Jari Pasanen und Torwarttrainer Mika Tarvainen. Wenn wir eine Stunde Eiszeit haben, nutzen wir etwa 45 Minuten für das Torwarttraining und spielen anschließend noch ein wenig zum Spaß.
Auch von den Spielern wurde ich hervorragend aufgenommen. Einige kannte ich bereits, etwa Dietz, Kolb oder auch Kolarz. Insgesamt haben wir eine gute Truppe, viel Spaß auf dem Eis und große Vorfreude auf das, was noch kommt.
Sie haben die vergangenen Jahre beim Ligakonkurrenten ESV Kaufbeuren gespielt. Wie haben Sie Rosenheim aus der Perspektive des Gegners wahrgenommen?
Ich habe immer sehr gerne gegen Rosenheim gespielt, weil es meist enge und hochklassige Spiele waren. Dazu kam stets ein gewisser Derbycharakter. Die Stimmung der Fans war sowohl zuhause als auch auswärts beeindruckend.
In Rosenheim ist die Atmosphäre mit der Mangfallkurve natürlich besonders. Ich erinnere mich aber auch an ein Auswärtsspiel mit vielen Kaufbeurer Fans, das wir gewinnen konnten. Die Stimmung war damals unglaublich und das Stadion transportiert diese Emotionen hervorragend. Jetzt freue ich mich darauf, auf der Heimseite zu stehen und die Derbys gegen Landshut oder die Duelle mit Regensburg aus einer anderen Perspektive zu erleben. Gerade nach dem Viertelfinal-Aus gegen Regensburg im vergangenen Jahr wird da sicherlich einiges an Feuer drin sein.
Das vergangene Jahr war sicherlich nicht einfach für Sie. Sie waren verletzt und Ihr ehemaliger Verein ist abgestiegen. Ist der Wechsel jetzt genau das Richtige?
Ja, das war ein sehr schwieriges Jahr für mich. Sportlich lief es nicht wie erhofft, dazu kam die Verletzung, durch die ich etwa eineinhalb Monate ausgefallen bin. Sich in einer ohnehin schwierigen Situation wieder zurückzukämpfen, macht die Sache natürlich nicht einfacher.
Trotzdem habe ich mir über die Jahre in Kaufbeuren einen gewissen Status erarbeitet, auf den ich mich auch in schwierigen Phasen stützen konnte. Das hat mir geholfen, positiv zu bleiben und nicht aufzugeben. Das Ende war natürlich extrem bitter, aber das Leben geht weiter. Für mich hat sich mit Rosenheim nun eine sehr gute neue Chance ergeben.
War für Sie früh klar, dass Sie nicht in die Oberliga gehen würden?
Ja, das hatte ich für mich relativ schnell entschieden. Mein Ziel war es, unbedingt in der DEL2 zu bleiben. Die Oberliga ist keine schlechte Liga, aber wenn man dort einmal angekommen ist, ist der Weg zurück oft sehr schwierig.
Mit 29 Jahren befinde ich mich als Torhüter aus meiner Sicht in einem sehr guten Alter und habe hoffentlich noch einige starke Jahre vor mir. Deshalb war mein Anspruch klar: Nach dem feststehenden Abstieg wollte ich in der DEL2 bleiben. Der Kontakt nach Rosenheim kam dann relativ schnell zustande.
Wie verliefen die Gespräche vor Ihrer Verpflichtung?
Die Gespräche waren sehr intensiv und interessant. Natürlich spielte auch meine Verletzung eine große Rolle, schließlich ist die Torhüterposition eine Schlüsselrolle im Team. Deshalb wurde das Thema sehr genau beleuchtet. Es wurden sogar die Ärzte eingebunden, um sicherzustellen, dass von allen Seiten grünes Licht gegeben werden kann.
Abgesehen davon waren die Gespräche von Beginn an sehr positiv. Rosenheim hat sich sehr um mich bemüht. Mit Torwarttrainer Mika Tarvainen stand ich teilweise alle zwei Tage in Kontakt. Er hat mich schon früh auf das vorbereitet, was mich hier erwarten könnte, und sich auch stark für meine Verpflichtung eingesetzt.
Ich war insgesamt drei Mal in Rosenheim, und jedes Mal waren die Eindrücke sehr positiv. Die Gespräche mit der gesamten Organisation haben einen hervorragenden Eindruck hinterlassen.
In der vergangenen Saison teilten sich Christopher Kolarz und Oskar Autio die Einsätze. Erwarten Sie einen Konkurrenzkampf im Tor?
Den Chrissi Kolarz kenne ich bereits seit längerer Zeit – noch aus gemeinsamen Zeiten in München und auch aus Salzburg. Wir verstehen uns sehr gut und ich freue mich auf die Zusammenarbeit. Die ersten gemeinsamen Einheiten auf dem Eis waren intensiv, aber gleichzeitig sehr angenehm. Wir unterstützen und pushen uns gegenseitig, und genau das ist aus meiner Sicht der Schlüssel zum Erfolg. Am Ende entscheidet der Trainer, wer spielt. Unsere Aufgabe ist es, ihm diese Entscheidung so schwer wie möglich zu machen. Natürlich hat jeder Torwart auch einmal einen schlechteren Tag. Dann springt eben der andere ein. Beim nächsten Mal kann es schon wieder andersherum sein. Ich denke, wir bilden ein sehr starkes Torhüter-Duo in der DEL2 und werden gemeinsam viel Spaß haben.
Die Starbulls spielten eine starke Hauptrunde, konnten dies in den Play-offs aber nicht bestätigen. Was ist in der kommenden Saison möglich?
So weit sind wir in den Gesprächen noch gar nicht gegangen, weil die Mannschaft noch nicht vollständig ist. Solche Themen werden in der Regel erst besprochen, wenn Anfang August das gesamte Team in Rosenheim zusammenkommt. Grundsätzlich möchte man natürlich immer mindestens das erreichen, was in der Vorsaison gelungen ist – idealerweise sogar mehr. Deshalb würde ich sagen, dass ein Halbfinaleinzug sicherlich ein attraktives Ziel wäre. Ich denke, das entspricht auch dem Anspruch, den man in Rosenheim hat.
Sie wechseln von einem Absteiger zu einem Team, das um den Aufstieg mitspielen möchte. Ist der Druck an der Mangfall größer?
Ich glaube sogar, dass der Druck in Kaufbeuren höher war. Dort hätte ein Abstieg deutlich gravierendere Folgen gehabt. Natürlich gibt es auch in Rosenheim einen gewissen Erfolgsdruck, weil man etwas erreichen möchte. Persönlich verspüre ich aktuell aber keinen besonderen Druck. Ich gehe sehr positiv und gelassen in die neue Saison. Ich freue mich auf die neue Aufgabe, darauf, für Rosenheim im Tor zu stehen, und auf die Chance, weiterhin in der DEL2 spielen zu dürfen. Ich bin überzeugt, dass ich das Niveau weiterhin mitbringe. Deshalb überwiegt bei mir ganz klar die Vorfreude. Mehr Vorfreude als Druck.