Kirchanschöring – Beim Fußball-Bayernligisten SV Kirchanschöring ist ein ehemaliger Weltklasse-Langläufer ins Trainerteam eingestiegen: Lucas Bögl. Der 36-Jährige, der mit seiner Familie in Waging zu Hause ist, wird die Gelb-Schwarzen in der Saison 2026/27 als Athletikcoach fit machen. Wieso der Wintersportler – er war 17 Jahre als Profi unterwegs, unter anderem bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften – jetzt auch im Fußball mitmischt und wie ihm die Mannen des Vorjahres-Dritten der 5. Liga bisher imponieren, verriet er im Gespräch.
Sie waren knapp zwei Jahrzehnte im Hochleistungssport unterwegs, ehe Sie Ihre aktive Laufbahn beendet haben. Blicken Sie doch mal kurz auf Ihre Langlauf-Karriere zurück!
17 Jahre als Profi, zwei Olympia- und vier WM-Teilnahmen – ich war relativ lange dabei und auch erfolgreich. Mit 35 Jahren habe ich jedoch beschlossen, dass es gut ist. Ich möchte jetzt einfach auch mehr mit meiner Familie – wir haben auch einen kleinen Sohn – zusammen sein. 35 Jahre sind im Hochleistungssport auch ein Alter, in dem man seine Leistung nicht mehr ganz so abrufen kann wie in jüngeren Jahren. Wichtig war, dass ich Spaß hatte und in den letzten Jahren auch verletzungsfrei geblieben bin. So gesehen habe ich absolut zufrieden meine Karriere beendet.
Mit einer Medaille bei einem Großereignis hat es nicht geklappt…
Klar denkt man sich: Wieso hat man das Glück nicht auf seiner Seite? Aber ich bin sicher, das Glück kommt irgendwie anders wieder zurück. Es hat einfach nicht sollen sein – auch nicht, als ich mich topfit gefühlt habe. Mal hat der Ski nicht gepasst, mal waren Bessere da.
Wie kam der Kontakt zum SVK zustande?
Abteilungsleiter Simon Wadislohner, den ich schon länger kenne, hat immer wieder mal bei mir angefragt, ob ich Interesse hätte. Da ich ohnehin die Trainerlaufbahn einschlagen werde, war das eine ideale Möglichkeit. Es gehört ja auch dazu, andere Sportarten näher kennenzulernen. Ich will jetzt einiges aus meiner Profi-Erfahrung im Fußball einbringen. Beim SVK habe ich übrigens schon früher öfter zugeschaut – und mir hat es dort immer schon gut getaugt. Insgesamt habe ich mit Fußball gar nicht so viel am Hut, obwohl ich mit Unterhachings Sportchef und Kapitän Markus Schwabl in Holzkirchen zur Schule gegangen bin. Als Kind habe ich Eishockey gespielt und bin alpin Ski gefahren.
Wie hat es in den ersten Wochen in „Anschöring“ geklappt?
Ich finde sehr gut. Die Inhalte werden mit dem Trainerteam um Christoph Dinkelbach genau abgesprochen. Wir haben eh wenig Zeit in der Vorbereitung, sodass wir schon ziemlich intensiv gearbeitet haben – da haben die ,Buam‘ schon ganz schön geblasen. Das Athletiktraining werden wir in den nächsten Wochen natürlich genau steuern – die Jungs sollen schließlich nicht müde sein, wenn es dann drauf ankommt.
Wie oft pro Woche sind Sie dabei?
Momentan, also in der Vorbereitungsphase, zweimal. Während der Saison ist dann nur noch ein Tag pro Woche geplant.
Als „Bundeswehrler“ bei der Sportfördergruppe in Bischofswiesen haben Sie ja auch noch andere Dinge zu tun, und auch im Langlauf taucht der Name „Lucas Bögl“ nicht völlig unter.
So ist es. Ich trainiere auch den zwölf- bis 15-jährigen Langlauf-Nachwuchs des Skiverbandes Chiemgau und mache die Trainerausbildung. Da bin ich zum Beispiel ein paar Tage bei einem A-Lizenz-Lehrgang in Oberhof. Zuletzt habe ich es bei einem Camp des Bayerischen Ski-Verbandes – bei dem ich hospitiere – ganz gut erwischt: Wir konnten auch im Olympiastützpunkt in Garmisch-Partenkirchen arbeiten, wo wir zum Beispiel in der Halle unterhalb der Schanzen ganz angenehme Temperaturen hatten.
Wie finden Sie die SVK-Spieler, was trauen Sie der Mannschaft in der neuen Saison zu?
Eines kann ich nach diesen paar Einheiten schon sagen: Das sind lauter tolle Jungs. Charakterlich wie sportlich habe ich von allen einen Top-Eindruck. Es wäre schön, wenn die Mannschaft auch nächste Saison wieder vorne mitmischen könnte. Wir werden in den nächsten Wochen bis zum Saisonstart – und auch danach – jedenfalls alles dafür tun, dass die Jungs wieder eine gute Rolle spielen können. Interview: cs