„Man müsste mehr in Richtung 80er, 90er“

von Redaktion

Neue WM-Regeln auch sinnvoll für den Amateurfußball? So argumentiert BFV-Kreisspielleiter Chris Sofis

Rosenheim/Mühldorf – Die Fußball-Weltmeisterschaft ist längst Geschichte und die Aufmerksamkeit auf die neue Saison liegt mittlerweile wieder im heimischen Amateurfußball. Am Wochenende starteten die Kreisligen und -klassen – auch da hinterlässt die WM 2026 ihre Spuren: Einige Regeln, die beim Turnier in Nordamerika eingeführt wurden, gelten ab sofort in den regionalen Spielklassen. BFV-Kreisspielleiter Chris Sofis, der zuvor Schiedsrichter war, teilt im Interview mit der OVB-Sportredaktion und beinschuss.de seine Meinung über die neuen Regeln, die Schlägerei in Rosenheim und das Thema Spielgemeinschaften.

Bei der WM gab es einige Regeländerungen. Welche sind im Amateurfußball (weniger) sinnvoll?

Also ganz ehrlich: Diese fünf Sekunden beim Einwurf machen das Spiel hektisch. Natürlich bringt das mehr Nettospielzeit, den Gedanken verstehe ich. Aber ich finde, das Spiel ist einfach hektischer dadurch. Die Regel gibt‘s ja auch beim Torwartabstoß, dass es dann Ecke gibt. Es ist schwierig… Du kannst das da machen, wo du einen vierten Referee hast. Aber ich glaube, du kannst das nicht alles auf den einzelnen Schiedsrichter in der Kreisklasse und so weiter abwälzen.

Gibt es Regeln, die Sie sich wünschen würden?

Na gut, Handspiel ist immer so ein Diskussionsthema. Es war gefühlt schon mal einfacher. Ich glaube, das wurde zu verkompliziert in den letzten Jahren. Und da muss man differenzieren, weil du es dir im Amateurbereich nicht noch einmal aus verschiedenen Winkeln anschauen kannst. Man müsste vielleicht wieder mehr in Richtung 80er-, 90er-Jahre gehen, wie die Regel mal war.

Auf Verbandsebene gibt es nun Gelb- und Gelb-Rot-Sperren. Wäre das auch was auf Kreisebene?

Dass wir Gelbsperren im Kreis brauchen, bezweifle ich. Bei Gelb-Roten Karten könnte man diskutieren, aber da waren die Vereine auf Kreisebene in Bayern dagegen. Aus nachvollziehbaren Gründen wie Spielermangel. Auf der anderen Seite denke ich mir: Wenn ich jetzt eine Gelb-Rote Karte in der Nachspielzeit bekomme, tut’s mir nicht weh. Persönlich hätte ich die Gelb-Rote Karte mit einer Sperre versehen, einfach damit diese Unsportlichkeiten zum Spielschluss abnehmen.

Wie gehen Sie mit dem Thema bengalische Feuer um? Da gab es auch Vorfälle während der Relegation.

Das kommt vor allem in der Relegation vor, aber nicht nur da. Oftmals wissen die Vereine nicht Bescheid, dass ihre Fans etwas mitbringen. Der BFV hat eine klare Null-Toleranz-Politik, was Pyrotechnik betrifft. Wenn wir es sehen, müssen wir es melden. Das Kreissportgericht entscheidet dann, ob es zu einer Geldstrafe kommt oder nicht. Das liegt nicht in unserer Hand, aber wir müssen es melden. Der Kreis Inn/Salzach hat tatsächlich die meisten Pyro-Fälle in Oberbayern. Ja, vielleicht kann der Verein nichts dafür, aber die Zuschauer, die zündeln, sind einem Verein eindeutig zurechenbar. Also, das Geld ist echt verschwendet… Bitte lieber in die Jugend stecken! Und an die Zuschauer: Bitte nicht zündeln. Zu keiner Zeit, egal wo. Ich war in Prien bei der Relegation, da wurde es kurz vor Schluss noch mal durchgesagt. Ein Verein hat sich nicht daran gehalten und trotzdem gezündelt. Die Tartanbahn ist mehr als beschädigt. Da kommt jetzt nicht nur das Kreissportgericht, sondern auch die Gemeinde, die eine neue Tartanbahn möchte. Und die ist teuer…

Ein Thema war natürlich der Spielabbruch in der Kreisklasse in Rosenheim. Wie gehen Sie mit solchen Vorfällen um?

Natürlich betrifft uns das sehr, weil jeder Spielabbruch wegen so einer Geschichte einer zu viel ist. Mit den Vereinen haben wir gesprochen. Ich denke, die können auch gut damit umgehen. Ärgerlich ist es natürlich, wenn man bedenkt, dass es vor ein paar Jahren so etwas Ähnliches mit Prutting und Türkspor Rosenheim gab. Fußball ist ein Spiel, bei dem unterschiedliche Kulturen zusammenkommen. Ich bin selbst Grieche, die Mentalität ist einfach eine andere. Der Südländer neigt ja eher dazu, emotionaler auf dem Fußballplatz zu sein. Emotionen gehören zum Spiel – in Grenzen, im Maße, nicht übertreiben und dann ist auch jeder glücklich.

Weg von den unschönen Vorfällen. Sie waren zuvor im Kreis München tätig. Gibt es irgendwelche Unterschiede zu unserem Kreis?

Zu meiner Münchner Zeit habe ich immer gesagt: ‚Es ist ein Fulltime-Job im Ehrenamt.‘ Das sind zwei komplett unterschiedliche Kreise. Hier draußen ist es Gott sei Dank ruhiger. Und das kannst du mit München wirklich null vergleichen. In München hatte ich um die 1.800 Jugendmannschaften unter mir und hier sind es gerade mal 200 Herrenmannschaften.

…und diese 200 Vereine werden wohl weniger, da ihnen die Spieler ausgehen. Wie denken Sie über das Thema Spielgemeinschaften?

Der Gedanke ist ja bei einer Spielgemeinschaft, dass das nicht leistungsfördernd ist, sondern eigentlich aus der Not geboren, weil die Spieler fehlen. Und da sagt der Bayerische Fußball-Verband ganz klar: ‚Bis zur Kreisliga und nicht weiter‘.

…das kann man ein bisschen umgehen, wenn man sich die SG Reichertsheim-Ramsau/Gars anschaut.

Das ist keine SG, wie man sie von der Spielordnung her sehen würde. Nach außen treten sie als SG RRG auf. Alle Spieler sind in Reichertsheim gemeldet und damit sind sie aufstiegsberechtigt. Und das haben sie auch geschafft, da freuen wir uns als Kreis.

Wie ist es grundsätzlich beim Zusammenfinden von Vereinen? Gibt es da noch weitere Kriterien?

Wie gesagt, der Leistungsgedanke darf nicht dahinterstehen. Und das Ziel muss natürlich sein, dass die Spielgemeinschaften auch wieder in die Eigenständigkeit zurückkommen. Man muss schauen, dass aus der Jugend wieder etwas hochkommt, was bei vielen Vereinen nicht einfach ist – vielleicht hast du gerade eine gute C- oder D-Jugend, aber das dauert ja, bis diese Spieler zu den Herren kommen. Ich sehe es so kommen, dass Spielgemeinschaften in der Zukunft eher wichtiger als weniger werden.

Im Nachwuchsbereich gibt es schon Konstellationen mit SGs aus vier, fünf Vereinen. Kommt das auch im Herrenbereich?

Hier muss man differenzieren. Spielgemeinschaften im Herrenbereich zielen ganz klar darauf ab, dass die Vereine wieder eigenständig spielen. Die Bestimmungen bei den Junioren schauen anders aus. Da können pro Altersjahrgang zwei Spielgemeinschaften gebildet werden, da gibt es keine großen Einschränkungen. Das wird in den nächsten Jahren sicherlich ein Diskussionsthema. Aber zurück zur ursprünglichen Frage: Seit ich im Amt bin, habe ich noch keine Spielgemeinschaft abgelehnt. Sonst haben wir wieder einen Verein oder eine Mannschaft weniger. Und das macht keinen Sinn. Die sollen spielen, spielen, spielen. Was wollen wir mehr?

Die neuen Regeln zur Saison 26/27

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