Ein Unentschieden reicht schon

von Redaktion

Judoteam Aibling-Grafing schlägt Großhadern mit 9:5 und steht kurz vor dem Zweitliga-Meistertitel

Grafing – Die Judo-Kampfgemeinschaft aus Bad Aibling und Grafing steht kurz vor der Meisterschaft in der 2. Bundesliga. Vor brodelnder Heimkulisse in Grafing feierte das Team der Coaches Martin Garic und Florian Speigel im Spitzenduell gegen den ehemaligen mehrfachen deutschen Meister aus München-Großhadern einen deutlichen 9:5-Heimsieg, getragen von einer geschlossenen Teamleistung, Kämpferherz und einem Judo-Publikum, das jeden Punkt frenetisch bejubelte. Einen Kampftag vor Saisonende ist die Meisterschaft nun zum Greifen nah.

Die KG ging zwar als Tabellenführer in das Duell gegen den Tabellenzweiten aus Großhadern, die Favoritenrolle hatten jedoch die Münchner inne. Großhadern verstärkte seinen Kader vor der Saison massiv und gab die Meisterschaft und den Aufstieg in die erste Liga als klares Saisonziel aus. Und mit fünf Siegen aus fünf Kämpfen rauschte das Team bisher durch die Liga. Diese Siegesserie zu stoppen, erschien vor dem Duell als Mammut-Aufgabe für die KG-Kämpfer. „Wir haben unsere Chancen aber vorab schon gesehen und den Kader auch entsprechend zusammengestellt“, erklärt Garic. Und so hatte die KG auf nahezu jeden Zug der Haderner eine Antwort parat und zermürbte den Favoriten langsam, aber effektiv.

Das erste Ass zogen die Aiblinger direkt im ersten Duell: Der Franzose Louis Pestelard sorgte in der Gewichtsklasse -66 kg gegen Patrick Malik für die 1:0-Führung der Hausherren. Im Anschluss hatte es Team-Kapitän Robert Barwig (-81 kg) mit Nationalmannschaftskämpfer Peter Thomas zu tun. In einem von Taktik und Griffkampf geprägten Kampf musste sich Barwig weit in der Verlängerung mit einer kleinen Wertung geschlagen geben. Im dritten Kampf des Tages tat es Valentin Larasser (-90 kg) seinem Team-Kapitän nach und verlangte dem Ukrainer Mahomed Khakimov in einem intensiven Match alles ab. Larasser musste dabei eine kleine Wertung gegen sich hinnehmen, welche er im Verlauf des Kampfes nicht mehr aufholen konnte. Er verlor somit knapp über die volle Kampfzeit.

Ebenfalls über die Kampfzeit von vier Minuten netto musste Maxim Weisser (-60 kg) gegen Theodore Schilling gehen. Weisser erzielte eine mittlere und eine kleine Wertung und verteidigte diese trotz zwischenzeitlichen Nasenblutens über die Zeit, womit die KG den Ausgleich zum 2:2 erzielte.

Ian Störmer (-73 kg) verlor im Anschluss gegen Nationalmannschaftskämpfer Severin Edmeier vorzeitig, ehe der Österreicher Ronald Pröll (-100 kg) zu seinem Saisondebüt für die Kampfgemeinschaft kam. Und auch dieser Kampf fügte sich nahtlos in die Serie hochspannender Duelle ein. Pröll dominierte seinen bis dato in der Saison ungeschlagenen Gegner Philipp Haug zwar, konnte jedoch in der regulären Kampfzeit keine entscheidenden Wertungen erzielen. Nach kurzer Zeit in der Verlängerung kam Pröll dann mit seiner Haupttechnik durch und entschied den Kampf für sich. Beim Stand von 3:3 war es dann an Routinier Robert Buendowski, die Nerven zu bewahren und, aufgerückt ins Schwergewicht +100 kg, für die Halbzeitführung zu sorgen. Und Buendowski lieferte: Nach knapp zwei Minuten schaffte es der Aiblinger, seinen Gegner zu werfen und in einen Haltegriff zu nehmen, aus dem er ihn nicht mehr entkommen ließ. Somit hieß es zur Pause tatsächlich 4:3 für die Gastgeber.

„Die Führung war unglaublich wichtig. Zum einen für die Moral, zum anderen aber auch, weil die Gäste aus Großhadern in der zweiten Runde volles Risiko gehen mussten. Das hat sie für uns etwas berechenbarer gemacht und wir haben sie tatsächlich recht gut lesen können“, sagt Speigel. Was er damit meint, zeigte sich direkt im ersten Duell der Rückrunde -66 kg. Großhadern gab kampflos auf, wohl in der Vermutung, gegen den starken Pestelard nicht gewinnen zu können. Die Aiblinger Verantwortlichen durchschauten diesen Plan jedoch und wechselten in der Gewichtsklasse den jungen Maximilian Osterloher ein, der sich über einen einfachen Punkt freute. Im Limit -81 kg behielt der Haderner Peter Thomas auch gegen den Aiblinger Philipp Ampletzer die Oberhand, bevor der nächste Schachzug der Kurstädter die Vorentscheidung brachte: Robert Barwig wurde ein Gewichtslimit höher eingesetzt und holte gegen den starken Lukas Ohneiser in der Kategorie -90 kg in einem engen Duell den wichtigen sechsten Punkt für die Hausherren. „Mit diesem Punkt haben sie fest gerechnet. Und mit Roberts Sieg war der Bann gebrochen“, ordnet Coach Martin Garic ein.

Es folgten schnelle Siege des eingewechselten Österreichers Alexander Klaus-Sternwieser (-60 kg) und Ian Störmer (-73 kg), die zunächst das Unentschieden und dann den finalen Sieg sicherten. Mit Störmers Punkt zum 8:4 war der Heimmannschaft der Sieg nicht mehr zu nehmen. So war auch die Niederlage von Zoltan Pilmayer (-100 kg) zu verkraften. Es oblag dann dem starken Franzosen Mohamed Rouahi, mit seinem Punkt im Schwergewicht das Ergebnis zu veredeln.

„Wir waren eine unschlagbare Einheit. Die Jungs haben auf der Matte alles rausgehauen und sind mit vollem Fokus in ihre Kämpfe gegangen. Diese tolle Einstellung ist zwar schon die gesamte Saison über immer stärker zu beobachten, diesmal haben sie sich aber selbst übertroffen“, sagte Garic nach dem Sieg euphorisch. Der Trainer ergänzte: „Für mich ist Robert Buendowski heute der Kämpfer des Tages. Beim Stand von 3:3 die Nerven zu behalten und den wichtigen Punkt zum 4:3 zu machen, das war bockstark!“

Nun haben es die Herren der Kampfgemeinschaft am letzten Kampftag gegen den Absteiger aus der 1. Bundesliga Erlangen selbst in der Hand, zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte Zweitliga-Meister zu werden. Zwar reicht hier im September ein Unentschieden, aber: „Wir wollen natürlich auch in Erlangen gewinnen“, so Speigel.re

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