Rosenheim – Natürlich hat er bei der Teamvorstellung den größten Applaus bekommen, als die Rosenheimer Tennisspieler ihr erstes Bundesliga-Heimmatch der laufenden Saison gegen Blau-Weiß Neuss bestritten haben. Sebastian Ofner ist zwar Österreicher, genießt bei den Sechzigern aber durchaus den Status als Lokalmatador. Der 30-Jährige spielt seit 2017 für die Rosenheimer Mannschaft. Gerade das Familiäre an der Pürstlingstraße sorgt dafür, dass die ehemalige Nummer 37 der Weltrangliste immer wieder gerne kommt. Es ist so familiär, dass Ofner, der heuer bereits zwei Challenger-Turniere in Frankreich gewonnen hat, die OVB-Sportredaktion nach seinem Zweisatz-Erfolg über Dalibor Svrcina zum Interview sogar in der Mannschaftskabine empfing.
Sie haben schon 2017 für 1860 gespielt. Ist das so ein bisschen Heimkommen zwischen den großen Turnieren?
Ja, schon. Ich bin ja schon ewig bei Rosenheim und es ist natürlich richtig geil. Ich kenne alle, den Lukas (Teammanager Jastraunig, Anm. d. Red.) kenne ich schon ewig, deswegen ist es immer nice. Ich freue mich immer, wenn ich da sein kann.
Können Sie bitte in drei Worten beschreiben, was Rosenheim für Sie bedeutet?
Freundschaft, Familie und Leidenschaft.
Sie haben zuletzt in Wimbledon gespielt und kehren nun von Gras wieder auf den Sand zurück. Wie schwierig ist das?
Ich habe die Woche schon auf Sand gespielt. Es ist nicht wirklich eine Umstellung. Ich habe jetzt genau eine Turnierphase gespielt, deswegen ist das jetzt nicht so tragisch gewesen.
Sie haben in Ihrer Anfangszeit in Rosenheim noch einige Klassen darunter gespielt, jetzt mit 1860 in der Bundesliga. Wie schätzen Sie die Entwicklung ein?
Na, richtig gut. In der Bundesliga zu sein und diese klar zu halten – davon gehen wir aus – ist schon sehr gut. Es ist schon richtig geil, wenn man eine Mannschaft in der ersten Bundesliga hat.
Geht da nicht vielleicht schon ein bisschen mehr? Die Meisterschaft?
Wenn man mehr will, dann muss man auch dementsprechend Spieler holen. In Deutschland ist es ja oft so, dass da teilweise Top-10- oder Top-20-Spieler dabei sind. Und wenn man da den Titel will, dann müsste man halt solche holen und muss ordentlich reinbuttern.
Wie passt die Bundesliga-Saison in Ihren Jahresplan?
Meistens spiele ich ein bis zwei Partien, das passt gut rein. Je nachdem, wie das Ranking ist, gehe ich wahrscheinlich nach Nordamerika – dann geht’s natürlich nicht mehr. Aber davor ist es eigentlich immer super.
Sie kratzen an der Top 100 in der Weltrangliste, waren ja schon weit drunter. Was ist denn die Zielsetzung für heuer noch?
Ganz klar die Top 100 am Ende des Jahres. Ich habe jetzt nichts mehr zu verteidigen und bis jetzt eigentlich ganz gut gespielt. Aber es ist, glaube ich, trotzdem ein schwieriges Ziel, denn ich werde noch den einen oder anderen Challenger spielen müssen, und das ist dann richtig zäh mit den Punkten. Aber ich habe eine ganz gute Ausgangsposition.
Was ist denn Ihr Lieblingsturnier?
Kitzbühel und Wien, die beiden Turniere finde ich richtig gut. Und außerhalb Melbourne, das ist unglaublich.
Was hat Melbourne, was andere nicht haben?
Du fährst am Meer entlang zur Anlage, bist aber mitten in der City, kannst teilweise zur Anlage spazieren, wenn du es wollen würdest. Und Melbourne ist einfach eine ganz andere Großstadt im Vergleich zu Europa. Es ist viel weitläufiger, die Leute sind extrem freundlich, es ist alles mehr gechillt. New York beispielsweise ist auch richtig geil, aber nach einer Woche oder zehn Tagen denkst du dir schon: Boah, endlich geht’s wieder zurück.
Kitzbühel und Wien als Lieblingsturniere, das lässt sich ja ein bisschen vergleichen mit dem Heimatgefühl wie für Sie Rosenheim in der Bundesliga, oder?
Ja schon. Kitzbühel definitiv, da habe ich meinen zweitgrößten Erfolg am Anfang meiner Karriere gefeiert. Deswegen ist es immer etwas Besonderes.
Sind Sie einer, der diese gewohnte Umgebung braucht?
Nein, eigentlich gar nicht. Bei mir kommt’s drauf an, dass ich mich wohlfühle. Es ist mir wurscht, wo das dann ist. Bei den meisten Turnieren fühlt man sich eh wohl.
Und was passt alles in Rosenheim?
Alles, wirklich alles. Die Leute rundherum sind extrem bemüht, die Zuschauer sind super, die Spieler sind alle super, die Leute, die dahinterstehen, sind 1a. Da gibt’s nie irgendwie Probleme.
Sie haben die Zuschauer angesprochen. Wie taugt Ihnen die Rosenheimer Atmosphäre?
Die ist richtig gut! Das macht’s auch ein bisschen aus, da spielt man gern, wenn man Unterstützung kriegt und die Zuschauer Stimmung machen. Das macht natürlich mehr Spaß, als wenn keiner zuschaut.