München/Aubenhausen – Besser hätte der Einstand für Jessica von Bredow-Werndl mit dem elfjährigen Hannoveraner-Hengst Dancier Gold kaum gelingen können. Auf Anhieb gewann das neue Paar die Intermediaire II in München-Riem, eine Prüfung auf Drei-Sterne-S-Niveau im Rahmen der bayerischen Meisterschaften.
Mit einem neuen Pferd zum ersten Mal eine Prüfung zu reiten, ist für jede Reiterin und jeden Reiter ein kleines Abenteuer. Auch wenn es daheim im Training noch so gut klappt, auf dem Turnier ist erstmals alles anders. Die Umgebung sowieso, aber auch das ganze Drumherum. Zuschauer, Lautsprecher und fremde Pferde bieten mehr als genug Anlass für Aufregung oder Ablenkung. Manche Pferde werden auf einmal schüchtern, andere heizen sich auf. Das richtige Maß in der Vorbereitung zu finden, ist also schwierig, vor allem wenn man sich erst kurz kennt.
Umso bemerkenswerter, wie souverän sich Jessica von Bredow-Werndl mit Dancier Gold FRH bei der gemeinsamen Turnierpremiere auf Drei-Sterne-S-Niveau in München-Riem präsentierte. Natürlich war noch nicht alles perfekt, aber das Potenzial des Paares ist unverkennbar. Der Sieg mit 71,079 Prozent war eine willkommene Bestätigung für die Doppel-Olympiasiegerin. Neben Times Kismet, mit der die 40-jährige bereits in den Perspektivkader berufen wurde, hat sie mit Dancier Gold einen möglichen zweiten Championats-Kandidaten im Stall.
Im März, zwei Monate nach dem tragischen Tod ihres Spitzenpferds Diallo BB, zog der gekörte Hengst aus der Zucht von Georg Strübing und dem Besitz des Gestüts Sprehe von Niedersachsen nach Oberbayern. Vom ersten Moment an fühlte von Bredow-Werndl eine besondere Verbindung zu ihm. „Es ist, als ob Diallo ihn mir geschickt hätte“, glaubt sie. Der traumschöne Rappe ist im selben Jahr wie Diallo geboren und väterlicherseits sein Halbbruder. Dancier Gold, ein Dancier-Weltmeyer-Sohn, machte schon früh mit vorderen Platzierungen beim Bundeschampionat und bei der Weltmeisterschaft der Jungen Dressurpferde auf sich aufmerksam und zeigte sich von Anfang an besonders leistungsbereit und umgänglich. Siebenjährig übernahm Sabine Rueben die Zügel des Hengstes, förderte ihn weiter und stellte ihn erfolgreich bis Drei-Sterne-S-Niveau vor. Auf diese solide Basis kann von Bredow-Werndl nun aufbauen.
Die ebenfalls elfjährige Times Kismat ist auf dem internationalen sportlichen Parkett zwar schon etwas erfahrener als Dancier Gold, aber ebenfalls als Grand Prix-Pferd noch in der Entwicklung. Um ihr mehr Zeit zum Aufbau von Selbstvertrauen, Kraft, Kondition und Gelassenheit zu geben und weiter an der Feinabstimmung zu feilen, verzichtete von Bredow-Werndl auf die zweite Sichtung zur Weltmeisterschaft in Hagen. Stattdessen ist die Weltcup-Saison 2026/27 in den Fokus gerückt. Zur Vorbereitung will die Ausbilderin an diesem Wochenende erstmals beim Drei-Sterne-CDI im sächsischen Görlitz starten und Kiss in der Kür vorstellen. Außerdem dürfen sich zwei siebenjährige Talente in der Qualifikation zum Nürnberger Burg-Pokal beweisen.