Rosenheim – Der Sieger im Spitzenspiel der Tennis-Bundesliga heißt TC 1860 Rosenheim. Nach einer langen Regenodyssee, die zu später Stunde in der Halle geendet ist, schafften die Gastgeber das Unmögliche und besiegten den auf dem Papier klar favorisierten Tabellenführer aus Aachen mit 4:2. Besonders in den Einzeln wuchsen die Rosenheimer Spieler über sich hinaus und besiegten – angetrieben von den Zuschauern – teils viel besser platzierte Spieler der Aachener überraschend.
Nach langem Hin und Her, ob die Plätze nach den morgendlichen Regenschauern bespielbar sind, konnten die Spiele erst knapp dreieinhalb Stunden später starten. Die treuen Zuschauer wurden gleich in der ersten Runde mit dem Top-Match belohnt. Sebastian Ofner war kurzfristig vom Turnier in Kitzbühel gekommen und hatte es mit dem Argentinier Sebastian Baez, einem der besten Spieler der Liga, zu tun. Ofner spielte frei und locker auf und gewann in einer hochklassigen Partie am Ende routiniert mit 6:3 und 7:5. Nicht so locker lief es parallel bei Manuel Guinard, der Franzose kam nach einem starken Start gegen den Brasilianer Pedro Boscardin Dias immer mehr ins Hadern und fand dann auch nicht mehr in die Partie. 4:6 und 4:6 hieß es am Ende.
Die zweite Runde konnte dann zwar noch draußen begonnen werden, musste aber aufgrund eines weiteren Regenschauers in der Halle zu Ende gespielt werden. Dies kam dann aber spielerisch eher den Rosenheimern entgegen. An Position zwei konnte der großgewachsene Stefano Napolitano mit seinem druckvollen Spiel den Tschechen Vit Kopriva, der in der Weltrangliste sogar um die 200 Plätze über dem Italiener steht, regelrecht vom Platz schießen und gewann überraschend deutlich mit 6:4 und 6:2. Enger wurde es bei Andrew Paulson, der sich ja mittlerweile auch fast nur noch aufs Doppel fokussiert, und mit dem Italiener Francesco Passaro immerhin die Nummer 200 der Welt im Einzel gegenüber hatte. Er verlor noch draußen den ersten Satz mit 5:7, nutzte aber den Wechsel auf den Teppichboden in der Halle äußerst intelligent aus und zog das Spiel mit viel Slice und einigen Netzangriffen auf seine Seite. Im Tiebreak (10:7) gewann er den zweiten Satz und den Match-Tiebreak und sicherte das 3:1 nach den Einzeln. Damit war ein Punkt schon sicher – damit hatte mit dieser Ausgangslage anhand der Aufstellungen niemand gerechnet.
Da sich aber die ganze Partie zeitlich so verzögert hatte, stand man in den Doppeln vor dem Problem, dass einige der Spieler bereits zum Flughafen mussten, um zum nächsten Turnier zu kommen. Die Aachener hatten hingegen noch vier frische Top-60-Doppelprofis zur Verfügung. Im Zweier-Doppel bekamen die Rosenheimer Eigengewächse Tom Bremer und Noah Borges die Chance, einmal gegen zwei der besten deutschen Doppelspieler – Tim Pütz und Hendrik Jebens – zu spielen. Sie konnten viele Ballwechsel lang sogar das Tempo mitgehen und hatten beim 0:6 und 1:6 eigentlich noch Chancen auf mehr Spielgewinne. Parallel hatten die Tschechen Andrew Paulson und Petr Nouza nun die Aufgabe, den Sieg gegen die favorisierten Jakub Paul und Hugo Nys zu sichern. Sie konnten in beiden Sätzen das entscheidende Break zum 6:4 machen und erzielten damit den entscheidenden Punkt zur großen Überraschung.
Somit bleibt Rosenheim weiterhin ungeschlagen und steht mit dem TC Großhesselohe, der lediglich eine bessere Matchpunktbilanz hat, an der Spitze der Tabelle. Das hätte man sich am Anfang der Saison sicher nicht so erträumt und nun gilt es, die Ziele neu zu evaluieren. Die finanzielle Komponente spielt hier natürlich eine große Rolle: Wenn man wirklich den Meistertitel angreifen will, dann müssen das auch viele der Sponsoren unterstützen. Dass man trotz der Budgetunterschiede so weit oben mitspielen kann, zeigt die Wichtigkeit des Teambuildings und der richtigen Spielerauswahl, angeleitet von Kapitän Lukas Jastraunig. Weiter geht es nächsten Sonntag mit einem weiteren Heimspielkracher gegen den Gladbacher HTC, der bisher mit drei Unentschieden und einem Sieg unter den Erwartungen ist.bsr