Rosenheim – Das Tennismärchen von Rosenheim geht weiter: Die Sechziger bleiben auch nach dem fünften Spieltag ungeschlagen und sind damit nun alleiniger Tabellenführer der 1. Tennis-Bundesliga. Eigentlich war man wieder als leichter Außenseiter gegen stark angetretene Gladbacher in die Partie gegangen, doch wie schon gegen Aachen eine Woche zuvor führten ein guter Teamspirit und grandiose Fans zu einem knappen 4:2-Sieg für die Gastgeber.
Besonders in den Einzeln ist es ganz anders gekommen, wie im Vorhinein eingeschätzt: In einer eng umkämpften ersten Runde setzten sich in beiden Einzeln die favorisierten Gladbacher Spieler durch. Federico Gomez hatte mit dem Slowaken Alex Molcan, aktuell die Nummer 81 der Welt, eine schwere Aufgabe vor sich, erkämpfte sich aber mit viel Herz den ersten Satz mit 7:6. Dann aber wurde Molcan immer stärker und ließ Gomez mit 6:2 und 10:6 nur noch wenig Chancen. Auf Position vier trafen mit Jiri Vesely und Robin Haase zwei ehemalige Top-Spieler aufeinander, die aber beide ihre Einzelkarriere schon beendet haben und sich aufs Doppel konzentrieren. Davon merkte man aber nichts, beide spielten schlagmäßig noch auf allerhöchstem Niveau, Haase war lediglich in den entscheidenden Momenten noch ein Stück fitter. Mit einem engen 7:5 und 7:6 holte er das 2:0 für Gladbach.
Lorenzo Giustino hatte in der Spitzenpartie mit dem Holländer Botic van de Zandschulp einen der besten Spieler der Liga gegenüber. Doch Giustino, der in diesem Match auch sein Saisondebüt gab, zeigte wieder einmal, dass er in den Liga-Partien über sich hinauswachsen kann und begeisterte die Zuschauer. Nachdem er in den letzten Jahren schon zweimal gegen Zandschulp verloren hatte, blieb er dieses Mal in den entscheidenden Momenten nervlich stärker und schaffte mit 7:5 und 7:6 seinen bisher größten Sieg für die Sechziger. Parallel knöpfte Andrew Paulson direkt an seine Leistung vom Wochenende davor an und ließ seinem britischen Gegner Jay Clarke keine Chance. Mit aggressivem Tennis gewann er deutlich mit 6:2 und 6:3.
Ein 2:2 nach den Einzeln hätten die doppelstarken Rosenheimer im Vorhinein sofort unterschrieben, nun befand man sich in einer sehr guten Ausgangslage. Und auch hier lieferten die Spieler, angetrieben von noch vielen lauten Fans, ab. Gomez und Vesely hatten mit dem eingewechselten Philipp Kohlschreiber und Jay Clarke am Center Court wenig Probleme und gewannen mit 6:4 und 6:3. Als sie fertig waren, ging es im anderen Doppel zwischen Paulson/Petr Nouza und Zandschulp/Haase in den Match-Tiebreak, was für Rosenheim optimal war, weil alle Fans dann dort anfeuern konnten. Wie so oft bei Heimspielen, klappte genau das dann auch: Mit 7:5, 4:6 und 10:6 sicherten die Tschechen das 4:2 und den nächsten Tagessieg für 1860.
Da Großhesselohe parallel mit 2:4 gegen Aachen verloren hatte, ist das Team Marc O’Polo Rosenheim nach fünf von neun Spieltagen mit 9:1 Punkten alleiniger Tabellenführer – und das budgetmäßig so effizient wie kein anderer Bundesliga-Verein! Was das in Hinsicht auf die Meisterschaft bedeutet, gilt es nun noch auszuloten. Solche Spieltage haben wieder einmal gezeigt, dass sehr wenig konkret planbar ist. Am nächsten Freitag wird sich wohl einiges entscheiden: Rosenheim spielt beim Tabellenvierten Großhesselohe und Aachen und Bredeney, die auf den Plätzen zwei und drei stehen, spielen ebenfalls gegeneinander. Da viele der Spitzenspieler nun schon zu den Turnieren nach Amerika reisen, verändert sich die Dynamik der Liga in der zweiten Hälfte stärker und es kommt darauf an, wer die beste Tiefe im Kader hat. Das ist an sich die Stärke der Rosenheimer, doch auch hierfür gilt es, noch einmal mit den Sponsoren zu sprechen und die finanziellen Spielräume eventuell zu erweitern. Das Rosenheimer Team um Kapitän Lukas Jastraunig spielt die beste Saison, seit der Verein 2019 in die Bundesliga aufgestiegen ist. Aber jetzt ist man im Kampf um die Deutsche Meisterschaft!