Rosenheim – Auf die Frage, ob das Interview nicht besser auf Französisch geführt werden sollte, muss Elias Schneider nicht lange überlegen. Immerhin spielt der gebürtige Rosenheimer seit einem Jahr im französischsprachigen Teil Kanadas in der Juniorenliga QMJHL. Am Ende bleibt es dann aber doch lieber beim Deutschen – sehr zur Erleichterung der OVB-Sportredaktion.
Vor einem Jahr stand für Sie der Schritt nach Kanada bevor. Jetzt liegt die erste Saison hinter Ihnen. Wie fällt Ihr Fazit aus?
Ich bin sehr zufrieden. Es war eine tolle Erfahrung, alleine in ein anderes Land zu gehen. Persönlich konnte ich unglaublich viel mitnehmen. Das Jahr hat mich auf und neben dem Eis weitergebracht.
Wie schnell haben Sie sich im neuen Team eingelebt?
Das ging eigentlich ziemlich schnell. In meiner Gastfamilie habe ich mit meinem Teamkollegen Cole Chandler zusammengewohnt. Er hat mich direkt mitgenommen, wenn die Mannschaft gemeinsam essen gegangen ist oder etwas unternommen hat. Die Jungs waren alle offen und freundlich. Dadurch fiel mir der Einstieg leicht.
Sind Sie mit bestimmten Erwartungen nach Kanada gegangen? Wurden diese erfüllt?
Ja, eigentlich schon. Ich hatte eine Vorstellung davon, wie das Eishockey dort sein würde, und genau so habe ich es erlebt. Es ist ein anderer Stil als in Deutschland, aber ich habe mich schnell daran gewöhnt.
Liegt Ihnen das kleinere Spielfeld?
Ich finde schon. Beide Eisflächen haben Vor- und Nachteile, aber auf dem kleinen Eis ist das Spiel schneller. Man hat weniger Zeit und weniger Platz. Viele Pässe spielt man nicht direkt auf den Schläger, sondern in den freien Raum.
Ist das Spiel körperlicher als in Deutschland?
Definitiv. Es wird viel härter gespielt. Die Trainer legen großen Wert darauf, Checks konsequent zu Ende zu fahren. In den Play-offs war das noch einmal deutlich intensiver.
Lässt sich das mit den DNL-Play-offs vergleichen?
Eigentlich nicht. Manche Checks, die in Deutschland eine Spieldauerstrafe wären, gehören dort ganz normal zum Spiel. Die Schiedsrichter lassen deutlich mehr laufen.
Worin haben Sie sich sportlich am meisten verbessert?
Vor allem im Tempo. Ich treffe heute deutlich schnellere Entscheidungen. Außerdem habe ich viel an den Zweikämpfen entlang der Bande gearbeitet.
Gab es einen Moment, in dem Ihnen bewusst wurde: „Jetzt bin ich wirklich in Kanada angekommen“?
Das war eher nach der U20-Weltmeisterschaft. Als ich zurückkam und alle wiedergesehen habe, habe ich gemerkt: Das ist jetzt mein Team, hier gehöre ich hin. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mich richtig wohlgefühlt.
Hatten Sie zwischendurch Heimweh?
Heimweh würde ich es nicht nennen. Natürlich gab es Momente, in denen ich gesehen habe, dass meine Freunde zum Beispiel auf der Wiesn sind. Da wäre ich schon gerne dabei gewesen. Aber richtiges Heimweh hatte ich nicht.
Was war Ihr persönliches Highlight der Saison?
Ganz klar das Outdoor Game. So etwas erlebt man nicht oft. Es war mit minus 30 Grad extrem kalt, aber genau das hat es so besonders gemacht.
Wie war dieses Erlebnis?
Schon Wochen vorher haben alle darüber gesprochen. Für einige Spieler wurden sogar extra Schläger gestaltet. Einen Tag vor dem Spiel konnten wir bereits auf dem Eis trainieren. Das war etwas ganz Besonderes.
Wie unterscheidet sich der Winter von Deutschland?
Es ist deutlich kälter, aber man gewöhnt sich daran. Der Winter zieht sich sehr lange hin. Dafür gibt es kaum einen Frühling – plötzlich liegt noch Schnee und wenige Tage später sind es schon 17 Grad.
Gab es auch abseits des Eises besondere Erlebnisse?
Einmal bin ich mit dem Auto im Schnee steckengeblieben. Ich war zu bequem, den Schnee vorher wegzuräumen, und habe mich festgefahren. Dann hat mich ein Mitspieler mit zum Training genommen. Zum Glück sind wir pünktlich angekommen.
Worauf sind Sie in Ihrer ersten Saison besonders stolz?
Dass ich mich so schnell eingefunden habe und sportlich direkt mithalten konnte. Einen einzelnen Moment gibt es gar nicht – eher das Gesamtgefühl, dass ich mich schnell angepasst habe.
In der Liga haben Sie auch gegen deutsche Spieler gespielt. Wie war das?
Das war immer besonders. Mit Maxim Schäfer waren wir zum Beispiel am Abend vor dem Spiel noch gemeinsam essen, weil die Mannschaften schon einen Tag früher angereist sind. Es war schön, zwischendurch wieder Deutsch sprechen zu können.
In der kommenden Saison spielen Sie sogar zusammen. Worauf freuen Sie sich?
Als ich gehört habe, dass wir gemeinsam spielen könnten, habe ich mich sofort gefreut. Wir haben eine starke Mannschaft, die große Ziele hat und den Titel gewinnen möchte. Das wird sicher spannend.
War ursprünglich eine Rückkehr nach Berlin geplant?
Es war noch nichts entschieden. Dann kam das Angebot meines neuen Teams. Zusammen mit der Möglichkeit, erneut mit einem deutschen Mitspieler zusammenzuspielen, war die Entscheidung schnell gefallen.
Wie sah Ihr Alltag aus?
Eishockey stand klar im Mittelpunkt. Zweimal pro Woche musste ich allerdings auch für jeweils eine Stunde zur Schule. Das schreibt die Liga vor. Dort hatte ich Englischunterricht und habe zum Schluss sogar etwas Französisch ausprobiert.
Wurde im Alltag eher Englisch oder Französisch gesprochen?
Im Team wurde ausschließlich Englisch gesprochen. In der Stadt dagegen oft Französisch. Manche Mitarbeiter konnten kaum Englisch. Deshalb habe ich zumindest ein paar französische Wörter gelernt.
Spürt man in Kanada den Blick der Scouts stärker?
Ja, Scouts sind regelmäßig bei den Spielen. Außerdem arbeiten bereits gedraftete Spieler häufig zusätzlich mit Trainern ihrer NHL-Organisationen auf dem Eis.
Ist der NHL-Draft das große Ziel?
Ich versuche, das nicht zu sehr in den Mittelpunkt zu stellen. Ich schaue von Tag zu Tag und möchte mich kontinuierlich verbessern.
Haben Sie Druck verspürt?
Eigentlich nicht. Das Team und die Trainer haben mir immer das Gefühl gegeben, dass ich mir keinen Druck machen muss. Sie wussten, dass für mich alles neu war.
Was haben Sie persönlich aus dem Jahr mitgenommen?
Man lernt unglaublich viel. Nicht nur sportlich, sondern auch über andere Menschen und Kulturen. Es war spannend, zu sehen, wie viele Dinge dort anders laufen – vom Essen bis zum Alltag. Ich habe vieles einfach auf mich zukommen lassen und dadurch viel gelernt.
Jetzt steht ihre letzte U20-Weltmeisterschaft bevor. Mit welchen Gefühlen gehen Sie dorthin?
Mit gemischten Gefühlen. Natürlich ist es schade, dass es die letzte sein wird. Gleichzeitig freue ich mich darauf, noch einmal mit den Jungs zusammenzuspielen, mit denen ich seit Jahren unterwegs bin.
Mit welchem Gefühl starten Sie in die neue Saison?
Viel entspannter als vor einem Jahr. Viele Dinge, über die ich mir damals Gedanken gemacht habe, kenne ich inzwischen. Wir haben ein starkes Team und ich freue mich darauf, wieder mit einem deutschen Mitspieler zusammenzuspielen.