Rosenheim – Wieder zwei Gegentore, aber immerhin einen Punkt behalten – der TSV 1860 Rosenheim hat auch sein zweites Heimspiel nach dem Wiederaufstieg in die Fußball-Bayernliga Süd gegen einen niederbayerischen Kontrahenten mit einem 2:2-Remis beendet. Bitter für die Sechziger: Gegen Regionalliga-Absteiger SpVgg Hankofen-Hailing reichte eine 2:0-Pausenführung nicht, um den Sieg einzufahren.
Die Vorgeschichte: Normal dauert ein Spiel 90 Minuten, wenn es nach Alt-Lehrmeister Sepp Herberger geht. Bei den Sechzigern hat am Freitagabend die Wartezeit bis zum Spielbeginn bereits 90 Minuten gedauert. Donner grollte und Blitze zuckten, weshalb die Mannschaften nach dem Aufwärmen gleich in der Kabine blieben. Erst gab es die obligatorische halbe Stunde, dann legten die Unparteiischen noch 30 Minuten drauf, ehe es hieß: „Es herrscht vorsichtiger Optimismus.“ Schließlich kamen die Teams dann auch wieder raus. „Ich hätte zwischendurch nicht mehr gedacht, dass wir spielen“, gab 1860-Trainer Wolfgang Schellenberg zu. Deshalb sei er da auch „ganz entspannt“ gewesen. Was vieles erleichtert hatte: „Die Kommunikation mit dem Schiedsrichter war top.“ Anstatt um 19 Uhr rollte die Kugel dann erst ab 20.30 Uhr. Die Wartezeit für die Zuschauer lohnte sich, denn das Spiel entwickelte sich dann durchaus interessant.
Schellenbergs Aufstellungspuzzle: Gleich vier Neue hat der Rosenheimer Trainer in der Startformation aufgeboten. Dass die Vorjahres-Stammspieler Liam Markulin und Michael Summerer nach ihren Verletzungspausen und den jüngsten Einwechslungen wieder von Beginn an aufgeboten wurden, war fast klar. Dazu musste sich in der Abwehr etwas ändern, weil ja Laurin Fürmeier studienbedingt nicht mehr zur Verfügung stand.
Die Fünferkette als Sicherheit: Lange hatte 1860 Rosenheim die Fünferkette ad acta gelegt, nun wird sie wohl zunächst wieder in Mode kommen. „In den letzten Spielen und im Abschlusstraining hat sich gezeigt, dass wir momentan in der letzten Reihe nur im Verbund gut verteidigen können“, erklärte Schellenberg den Taktik-Wechsel. Auf den Außenpositionen blieben Steven Khong-In und Deniz Ünal, innen bekam Marcel Martens Verstärkung von Adnan Kasumovic und Youngster Christoph Hilger. Der 18-Jährige absolvierte sein drittes Spiel in der Rosenheimer „Ersten“ und sein erstes von Beginn an. „Er weiß, dass er für sein Spiel sehr konzentriert sein muss. Aber dafür, dass er eigentlich noch für die A-Junioren spielberechtigt ist, war das sehr ordentlich“, lobte Schellenberg.
Die 2:0-Führung: Die Fünferkette bedeutete auch, dass die mit einer guten Spielanlage ausgestatteten Gäste das Spiel im Mittelfeld hatten. Aber mehr als eine Chance von Tobias Lermer, die Khong-In stark verhinderte, kam nicht zustande. Auf der anderen Seite ergaben sich bei Ballverlusten Räume – und diese nutzten die schnellen Sechziger. Rückkehrer Liam Markulin, bedient von Bruder Noah, sorgte technisch fein für die 1:0-Führung, Edis Muhameti ließ nur kurz darauf souverän das 2:0 folgen. Und es wäre mehr möglich gewesen. „Wir hatten mehrfach die Gelegenheit aufs dritte Tor“, ärgerte sich Schellenberg. Die beste Chance vergab Muhameti.
Das alte Problem: Nach Wiederanpfiff mussten die Gäste kommen. Das taten die Niederbayern auch, bekamen dabei aber Schützenhilfe von den Sechzigern. Torwart Jaro Gleißenberger verursachte einen Elfmeter zum Anschluss, kurze Zeit später folgte der Ausgleich. „Beide Gegentore waren viel zu billig“, schimpfte der Rosenheimer Trainer. Wieder waren es individuelle Fehler, die den Sieg gekostet haben, vor allem das 2:2 hatte es ihm angetan, weil „wir da viel zu brav waren“. Schellenbergs Analyse: „Wir haben auf den Außenbahnen zu wenig Druck drauf bekommen, sie haben immer wieder in die Mitte, in die gefährlichen Räume spielen können.“
Der verpasste Sieg: Was man den jungen Sechzigern aber zugute halten musste: Sie meldeten sich wieder im Spiel zurück. Und da wäre dann sogar wieder der Sieg möglich gewesen. Aber bei einem Distanzschuss, der noch stark abgefälscht wurde, reagierte der Gäste-Torwart prächtig. So blieb ein erneutes 2:2 vor heimischer Kulisse.
TSV 1860 Rosenheim: Gleißenberger, Khong-In, Martens, Kasumovic, Hilger, Ünal, Syed (69. Tutic), Summerer (90. + 4 Merepeza), Liam Markulin (78. Gangloff), Noah Markulin (64. Elgathous), Muhameti (87. Papapicco).
Schiedsrichter: Büchner (FC Mariakirchen).
Zuschauer: 191.
Tore: 1:0 Liam Markulin (26.), 2:0 Muhameti (28.), 2:1 Stefandl (53., Foulelfmeter), 2:2 Lermer (64.).