Der Tag des großen Fußball-Showdowns

von Redaktion

Inn/Salzach-Duelle im BFV-Toto-Pokal: Wasserburg erwartet Buchbach, Rosenheim trifft auf Burghausen

Rosenheim/Wasserburg – Aus vier mach zwei: Die Liste der Inn/Salzach-Vereine, die nach der zweiten Hauptrunde noch im bayerischen Fußball-Pokal vertreten sind, erlebt einen 50-prozentigen Schwund. Denn die vier Teams aus dem Fußball-Kreis treffen in zwei Direktduellen am heutigen Dienstag ab 19 Uhr aufeinander – und stets empfängt ein Bayernliga-Aufsteiger einen etablierten Regionalligisten: Der TSV Wasserburg erwartet in der Altstadt den TSV Buchbach, und der TSV 1860 Rosenheim bekommt es im beck+fraundienst-Stadion mit dem SV Wacker Burghausen zu tun. Es ist also der Tag des großen regionalen Fußball-Showdowns!

Wasserburgs Heller setzt
auf „Frische auf dem Platz“

„Der Trend ist gerade nicht unser Friend, wie man so schön sagt“, passt Trainer Florian Heller eine alte Börsenweisheit auf den TSV 1880 Wasserburg an. „Von dem her wäre natürlich toll, wenn wir ein Erfolgserlebnis bekommen könnten, sprich eine Runde im Pokal weiterkommen.“ Nach drei Niederlagen zum Saisonauftakt in der Bayernliga Süd erwartet die Löwen eine noch größere Aufgabe, denn mit dem TSV Buchbach gastiert eine regionale Supermacht in der Altstadt. Als Gründungsmitglied der Regionalliga Bayern ist der selbst ernannte Kultklub haushoher Favorit.

Angesichts der heutigen Buchbacher Stärke erinnern sich wahrscheinlich nur noch die Ältesten, dass der kleine Verein aus der Marktgemeinde einst in der Saison 2010/11 in der damals eingleisigen Bayernliga in einer ähnlichen Situation steckte wie die Innstädter heute. Damals konnte unter Trainerlegende Anton Bobenstetter erst am achten Spieltag der erste Sieg gefeiert werden. Ruhe und kontinuierliche Arbeit waren damals wie heute das oberste Gebot. Daran können sich die Löwen ein Beispiel nehmen. Für den Bayernligisten ist das Pokalspiel eine Chance, sich weiter zu verbessern und sich an das in der Liga geforderte höhere Tempo zu gewöhnen. Dabei will Heller durchwechseln und auch Akteuren, die zuletzt weniger Spielzeit bekamen, eine Chance geben: „Durch eine personelle Rotation wollen wir Frische auf den Platz bringen und auch Jungs, die zuletzt etwas hintendran standen, die Möglichkeit geben, sich in dem Wettbewerb zu zeigen, Spielpraxis zu sammeln und ein gutes Spiel hinzulegen. Dann werden wir sehen, was rauskommt.“ Die größte Wahrscheinlichkeit besteht, wenn auch der Regionalligist die Rotationsmaschine anwirft, doch Heller ist sich bewusst, dass seine Mannschaft vor Schwerstarbeit steht. Abschenken will er das Spiel aber mitnichten: „Wir sind so weit gekommen und haben so viele Körner in dem Wettbewerb gelassen, dass wir natürlich mit einem guten Spiel für die Überraschung sorgen wollen. Wir sind der krasse Außenseiter, das wissen wir.“ Beim Aufeinandertreffen der beiden Vereine mit den höchsten Zuschauerzahlen in der Region wird mit vielen Fans gerechnet. Daher der Hinweis für die Stadionbesucher: Jahreskarten haben im Pokal keine Gültigkeit und die Innbrücke ist stadteinwärts gesperrt.

Buchbach genießt
die kurze Anreise

„Vom Start der Wasserburger lassen wir uns nicht blenden. Da kommt ein ganz hartes Stück Arbeit auf uns zu. Das kennt man ja, in so einem Spiel kann man sich auf einen Schlag aus einem Negativlauf befreien“, sagt Buchbachs Sportlicher Leiter Andreas Bichlmaier, der den „Löwen“ eine erfolgreiche Saison in der Bayernliga zutraut: „Wasserburg hat eine starke Mannschaft. Da wird seit Jahren super Arbeit geleistet.“ Das Duell zwischen den beiden Vereinen hat es schon seit vielen Jahren nicht mehr gegeben, in Pflichtspielen sind die Nachbarn zuletzt zu Buchbacher Bezirksliga-Zeiten aufeinandergetroffen, also vor der Saison 2003/04, in der die Rot-Weißen als Meister der damaligen Bezirksoberliga in die Landesliga aufgestiegen sind. „Bei der Auslosung haben wir uns richtig gefreut. Das wird ein heißes Duell, das viel verspricht. Und außerdem müssen wir nicht durch den halben Freistaat reisen“, so Bichlmaier, der natürlich auch die Brisanz der Begegnung einordnen kann, schließlich ist bei den Gastgebern mit Maximilian Hain der langjährige Buchbacher Kapitän der Sportliche Leiter. Personell wird es bei den Rot-Weißen keine großen Änderungen geben. Bichlmaier: „Wir treten mit der vollen Kapelle an und werden die Mannschaft aufs Feld schicken, die der Trainer aktuell am stärksten hält. Wir wollen unbedingt weiterkommen und werden keine Experimente eingehen, wobei es natürlich auch die eine oder andere Änderung gegenüber dem 5:1 vom Freitag gegen Eichstätt geben kann.“

TSV 1860 hofft auf
„die eine Chance“

Auch beim TSV 1860 Rosenheim ist die Vorfreude auf das Pokal-Spiel groß. „Natürlich hofft bei der Auslosung jeder auf 1860 München. Wir haben uns sehr gefreut, dass es für unsere Region nun das spannendste Spiel ist“, meinte Rosenheims Coach Wolfgang Schellenberg vor dem Auftritt gegen Wacker Burghausen. Auch der Sechziger-Übungsleiter weiß, dass die Favoritenrolle alles andere als bei seinem Team liegt. „Da kommt eine sehr gute erste Elf mit einer sehr jungen Elf dahinter. Die Mannschaft hat sich schon relativ früh in der Saison gefunden, wie die Ergebnisse zeigen. Die werden mit richtig Selbstvertrauen ankommen“, sagt Schellenberg über den Gegner.

Und seine Mannschaft? Die ist noch ohne Saisonsieg nach drei Spieltagen, hat sich aber auch in der neuen Spielklasse den Nimbus bewahrt und ist im Jahr 2026 vor heimischer Kulisse noch ungeschlagen. „Wir werden nicht komplett aussichtslos antreten“, sagt der Rosenheimer Übungsleiter, der bei seiner Mannschaft bemerkt hatte, dass sie „zuletzt deutlich stabiler gestanden“ ist. Allerdings muss er das Abwehrzentrum wieder umbauen, weil Adnan Kasumovic berufsbedingt fehlt. Schellenberg hatte aber eh vor, „auf der ein oder anderen Position durchzutauschen“. Als Kandidaten für die Anfangself bieten sich Marlon Gangloff, Leon Tutic und Audai Elgathous an. Ein Wechsel findet zudem im Tor statt: Muck Riedmüller wird das Pokalspiel bestreiten.

So viele Pokalpartien hat Schellenberg als Trainer noch nicht bestritten. „Vielleicht den Bau-Pokal in der C-Jugend“, schmunzelt er. Er weiß aber natürlich, wie aus einem Spiel mit klar verteilten Rollen möglicherweise eine große Überraschung werden kann. „Du musst auf die eine Chance lauern und brauchst natürlich auch das notwendige Glück in der ein oder anderen Situation.“ Und dazu vielleicht auch die Fehleinschätzung des Favoriten. „Wenn sie uns nicht auf die leichte Schulter nehmen, dann wird es für uns sehr schwer.“ Möglicherweise hilft ja der Blick zurück in die Vereinschronik. Immerhin haben die Sechziger ja schon zweimal den bayerischen Toto-Pokal gewonnen – 2013 im Endspiel in Rosenheim gegen den SV Wacker Burghausen! Damals siegten die Sechziger mit 6:5 im Elferschießen.

Noch eine Pikanterie: Der 54-jährige Fußballlehrer Schellenberg war von Juli 2018 bis November 2019 als Trainer an der Salzach tätig, von Januar bis April 2025 arbeitete er zudem als Sportdirektor beim SV Wacker. Im Lager der Gäste ist man sich trotz der drei klaren Siege in den ersten drei Pflichtspielen der aktuellen Spielzeit bewusst, dass die Aufgabe in Rosenheim alles andere als ein Selbstläufer wird, deswegen wird sich Trainer Mathias Ostrzolek auch nicht auf große Experimente einlassen.

BFV-Toto-Pokal, 2. Runde: TSV Abtswind – FC Würzburger Kickers, 1. FC Lichtenfels – TSV Neudrossenfeld, FC Dingolfing – DJK Vilzing, SpVgg Lam – VfB Eichstätt, SV Aubing – TSV Landsberg, TSV Schwaben Augsburg – FV Illertissen, FC Memmingen – FC Ingolstadt 04 (alle heute, Dienstag, 18.30 Uhr), SV Viktoria Aschaffenburg – TSV Aubstadt, TSV Großbardorf – 1. FC Schweinfurt 05, SpVgg SV Weiden – SpVgg Ansbach, TSV 1860 Rosenheim – SV Wacker Burghausen, TSV Wasserburg – TSV Buchbach (alle heute, Dienstag, 19 Uhr), TSV Kornburg – SpVgg Bayreuth (heute, Dienstag, 20 Uhr), FC Wendelstein – TSV 1860 München (Dienstag, 11. August, 18 Uhr), SV Heimstetten – SpVgg Unterhaching (Dienstag, 11. August, 19 Uhr), TSV Seebach – SSV Jahn Regensburg (Mittwoch, 12. August, 18.30 Uhr). jah/mb/tn

Artikel 2 von 11