Rosenheim – Nach einer intensiven U20-Saison wagt der Rosenheimer Nachwuchsspieler den Schritt nach Nordamerika. Im Interview spricht der Nachwuchs-Nationalspieler über eine schwierige Spielzeit, den Wechsel in die NAHL, das Leben in Kanada und seine Ziele für die Zukunft.
Wie ordnen Sie Ihre vergangene U20-Saison ein?
Es war insgesamt eine schwierige Saison für uns als Mannschaft. Am Ende mussten wir in den Play-downs gegen Schwenningen um den Klassenerhalt kämpfen, was natürlich nicht unser Anspruch war. Zum Glück haben wir die Serie gewonnen und die Liga gehalten.
Ich finde, wir hatten eigentlich ein gutes Team, aber uns hat manchmal der letzte Einsatz gefehlt – der Wille, in die Zweikämpfe zu gehen und sich in jeder Situation voll reinzuwerfen. Auch das Umfeld der Saison war nicht immer einfach.
Persönlich bin ich aber zufrieden. Ich habe gute Leistungen gezeigt. Natürlich ist man selbst oft sehr kritisch und erwartet immer noch mehr von sich, aber insgesamt war es für mich eine solide Saison.
Nach dem erfolgreichen U17-Play-off-Lauf war der Kampf um den Klassenerhalt sicherlich ein großer Unterschied.
Natürlich. Der Play-off-Run in der U17 war etwas ganz Besonderes. Die Stimmung ist aber eine völlig andere, wenn es in den Play-downs um den Abstieg geht. Das ist wahrscheinlich das Schlimmste, was einer Mannschaft passieren kann.
Wir haben versucht, uns ausschließlich auf die Spiele zu konzentrieren – und am Ende hat es zum Glück gereicht.
Im Sommer geht es jetzt nach Kanada. Wie kam der Wechsel zustande?
Ich war vorher schon einmal in Kanada und wusste deshalb ungefähr, was mich dort erwartet. Im Vorfeld gab es Interesse von zwei Teams. Gemeinsam mit meinem Berater habe ich alle Möglichkeiten besprochen und schließlich fiel die Entscheidung für das Team, das mich gedraftet hat. Der Draft selbst war natürlich ein besonderer Moment. Ich habe ihn gemeinsam mit meinen Eltern im Livestream verfolgt. Auch wenn es nicht der größte Draft der Welt ist, bleibt so ein Moment etwas Besonderes.
War die Entscheidung leicht?
Nein, überhaupt nicht. Ich bin eigentlich ein Mensch, der gerne zu Hause ist. Familie und Freunde bedeuten mir viel. Am Ende hat aber die sportliche Perspektive den Ausschlag gegeben. Ich glaube, dass ich mich dort sowohl als Spieler als auch persönlich weiterentwickeln kann. Mein Berater hat mir diesen Schritt ebenfalls empfohlen, weil viele Spieler davon profitieren.
Zunächst ist ein Jahr geplant. Danach werde ich sehen, wie es läuft. Wenn es mir sehr gut gefällt, könnte ich mir auch vorstellen, noch ein weiteres Jahr zu bleiben.
Was wissen Sie bereits über die Liga?
Ich habe mich natürlich informiert und auch mit unserem ehemaligen U17-Trainer René Wild gesprochen. Sein Sohn spielt ebenfalls dort drüben. Die Liga gilt als sehr körperbetont und hart. Das gefällt mir eigentlich ganz gut. Es wird sicher schneller und intensiver als hier in Deutschland, aber ich freue mich auf diese Herausforderung.
Wie wird der Alltag aussehen?
Eigentlich dreht sich dort alles um Eishockey. Von sieben Uhr morgens bis etwa 15 Uhr sind wir täglich in der Eishalle. Danach hat man Freizeit. Eine Schule besuchen die Spieler dort nicht mehr – der komplette Fokus liegt auf dem Sport. Für die Gastfamilie müssen wir einen kleinen Teil selbst bezahlen. Ansonsten stellt der Verein die Ausrüstung wie Schläger zur Verfügung.
Eigentlich war geplant, dass Sie auch die Vorbereitung mit den Profis in Rosenheim absolvieren.
Das war tatsächlich der Plan. Jetzt hat es sich anders entwickelt. Natürlich wäre es schön gewesen, aber man weiß nie, was noch passiert.
Ich durfte in der vergangenen Saison bereits regelmäßig bei den Profis mittrainieren und das war eine wichtige Erfahrung. Beim ersten Mal war ich noch U17-Spieler. Ich weiß noch genau, wie ungewohnt das war, plötzlich mit gestandenen Profis auf dem Eis zu stehen. Damals war der Unterschied noch deutlich zu spüren. Mit der Zeit habe ich aber gemerkt, dass ich immer besser mithalten kann. Das zeigt mir, dass ich mich weiterentwickelt habe. Von solchen Trainingseinheiten profitiert man enorm.
Wie sieht Ihr langfristiger Plan aus?
Zuerst möchte ich das Jahr in Kanada nutzen, um mich körperlich, spielerisch aber auch als Mensch weiterzuentwickeln. Wenn es mir dort sehr gut gefällt, kann ich mir vorstellen, noch ein weiteres Jahr zu bleiben oder sogar den nächsten Schritt in die höchste Juniorenliga zu machen. Grundsätzlich möchte ich aber möglichst bald im Profibereich Fuß fassen. Eine Rückkehr nach Rosenheim bleibt dabei immer eine Option.Interview: M. Aleksic