Waging – Die Zeiten, da der Waginger Tennis-See-Pokal, ein Premium-Turnier des Deutschen Tennisbundes (DTB), ins Ausland ging, sind vorbei. Kamen die Sieger beim zweitältesten Turnier in Bayern in der Vergangenheit bis aus den USA, Russland, Argentinien, Rumänien, Litauern, Ukraine oder Tschechien, so sind die Gewinner der letzten Jahre in Reutlingen, Augsburg, Doggenburg, Mannheim oder, wie am Sonntag bei der 51. Auflage, in Baden-Baden daheim. Der letzte Sieger, der nicht aus dem DTB-Gebiet stammt, ist der Österreicher Jan Poskocil (2016). Marc Mail (23), der für den TC Blau-Weiß Oberweier aufschlägt, holte am Sonntag Titel, Pokal und die 2.400 Euro Siegprämie im wohl längsten Finale der Geschichte, brauchte dreidreiviertel Stunden für den 6:7, 7:5, 7:5-Sieg gegen Kai Lemstra (Schießgraben Augsburg).
Es war das Traumfinale zwischen den an eins und an zwei gesetzten Spielern und die schenkten sich nichts. „Ich kann mich an kein so langes Endspiel erinnern“, sagte Augenzeuge Ludwig Kleißl. Und der muss es wissen. Der Ehrenvorsitzende des TC Waging ist der Erfinder des Wettbewerbs, war 40 Jahre lang selbst Turnierchef und übergab den Posten dann an seinen Sohn Marcus, der trotz gesundheitlicher Probleme die Turnierwoche gut überstand. „Ich bin sehr zufrieden, die Qualität war höher als im letzten Jahr und das trotz der großen Hitze“, lautete dessen Fazit.
In der Tat spielten die Temperaturen eine große Rolle. Vom ersten Ballwechsel an in der Qualifikation am Mittwoch hatten es die Akteure schwer. Bei Temperaturen nicht unter 30 Grad kämpften sie in der Gluthitze von Waging, so auch beim Finale am Sonntag. Dabei waren die beiden Finalisten von den Ergebnissen her flott durchs Feld gezogen, Turniersieger Mail (DTB 74) gewann zunächst 6:1, 6:0, im Achtelfinale 6:1, 6:1, im Viertelfinale 6:2, 6:1 und im Halbfinale 6:1, 7:5, gab bis zum Endspiel also nur zwölf Spiele ab, sein Finalgegner nur zwei mehr. Und trotzdem dauerten die Matches oft lange, so brauchte Lemstra in seinem Halbfinale für sein 6:4, 6:4 gegen den an vier gesetzten Tim Heger (TC Weinheim) 2:45 Stunden.
Das Finale selbst sah zunächst nach einer klaren Sache für den Sieger von 2024, Kai Lemstra, aus. Der führte mit Doppelbreak 3:0, Mail kam zurück, lag nach 3:5 plötzlich 6:5 in Führung, es ging bei 6:6 in den Tiebreak, der mit 7:2 an Lemstra ging. Da waren 1:25 Stunden gespielt. Im zweiten Satz lag Lemstra wieder Break vor mit 3:1, aber Mail meldete sich zurück, führte 6:5 und servierte dann zum 7:5 aus. Fast drei Stunden waren jetzt gespielt. Und auch der dritte Satz dauerte. Jetzt führte Mail 5:3, bei 5:5 traute sich keiner der knapp 200 Zuschauer auf einen der beiden zu setzen und dann holte sich der Badener die letzten beiden Spiele zum 7:5-Erfolg. Verlierer Lemstra konnte sich über 1.300 Euro der insgesamt 7.500 Euro Gesamtdotation freuen.
Beide Finalisten schlagen in ihren Vereinen in der Regionalliga, also Deutschlands dritthöchster Liga, auf. Mail, der vor vier Jahren schon einmal beim See-Pokal mitspielte, aber frühzeitig ausgeschieden war, hatte in der Liga heuer eine 4:3-Bilanz. Er kam vom mit 10.000 Euro dotierten Turnier in Schliersee, wo er im Viertelfinale ausschied. Demnächst geht es wieder in die USA nach Daytona Beach, wo der 23-Jährige am College spielt. Lemstra, vier Jahre älter, hatte für Augsburg eine 3:4-Liga-Bilanz, war in Meitingen beim 7.500-Euro-Turnier vor Waging im Viertelfinale ausgeschieden. Er hatte schon Weltranglistenpunkte, stand auf ATP 836.
Stuhlschiedsrichter Stefan Gramüller aus Unterhaching hatte mit der fairen Partie keinerlei Probleme. Oberschiedsrichter Andreas Spitz (Würzburg) musste tags zuvor im Halbfinale einmal einschreiten. Tim Heger hatte seinen Schläger zertrümmert, erhielt dafür eine Verwarnung. Ansonsten aber gab es fünf Tage lang keine Zwischenfälle.
Bester heimischer Aktiver war Maximilian Erhardt aus Siegsdorf, der für den TC Rot-Weiß Freising in der Bayernliga aufschlägt. Der 20-Jährige kam über Adrian Penzkofer (Gräfelfing), Marlon Menzler (Herford) und den an drei gesetzten Timo Meyer (Haar) ins Halbfinale, wo er dann dem späteren Sieger Mail vor allem im zweiten Satz einen heißen Kampf lieferte, aber mit 1:6, 5:7 das Nachsehen hatte. Für Erhardt war dies das beste Abschneiden beim Waginger See-Pokal bisher, im Vorjahr stand er im Viertelfinale.
Voll des Lobes waren alle Aktiven über die Plätze. Hier zahlte sich die jahrelange Erfahrung von Platzwart Bernd Ertl aus, der von seinen tennisbegeisterten Töchtern kräftig unterstützt wurde. Überhaupt rückten die Turniermacher in Waging noch enger zusammen. So unterstützten der stellvertretende TC-Vorsitzende Tobias Praxenthaler und Jugendwartin Michelle Ertl den Turnierchef noch mehr als in den letzten Jahren.
Parallel zum See-Pokal fand auf den acht Waginger Plätzen ein Leistungsklassen-Turnier statt, das der ehemalige Sportwart Hubert Häcker ausrichtete. 30 Spieler waren hier dabei in den Klassen Herren, Herren 40 und Herren 50.
51. See-Pokal, Viertelfinale: Kai Lemstra (Schießgraben Augsburg/an eins gesetzt) – Aiden Spoolder (Freising/5) 6:3, 6:1, Tim Heger (Weinheim/4) – Maximilian Ontiveros (Iphitos München) 6:2, 6:2, Maximilian Erhardt (Freising/8) – Timo Meyer (Haar/3) 6:2, Aufg., Marc Mail (Oberweier/2) – Leon Nickel (Doggenburg) 6:2, 6:1.
Halbfinale: Lemstra – Heger 6:4, 6:4, Mail – Erhardt 6:1, 7:5.
Finale: Mail – Lemstra 6:7, 7:5, 7:5.