Rosenheim – Die Tennis-Bundesliga steht im Jahr 2026 vor der Titelentscheidung. Und völlig überraschend hat das Team Marc‘ O‘Polo vom TSV 1860 Rosenheim vor den letzten beiden Spieltagen die besten Karten in Sachen Meistertitel. Die Sechziger führen nach sieben von neun Spieltagen das Klassement mit 13:1 Zählern an und können am Freitag ab 13 Uhr im letzten Saison-Heimspiel gegen den noch abstiegsgefährdeten Kölner THC Rot-Weiß den nächsten großen Schritt unternehmen. Einer, der einen riesigen Anteil an der bisherigen Top-Saison der Rosenheimer hat, ist Andrew Paulson. Der 24-jährige Tscheche hat bislang alle seine Begegnungen gewonnen: 3:0 lautet seine Bilanz in den Einzelduellen, 5:0 in den Doppeln. Mit der OVB-Sportredaktion spricht der gebürtige Prager, aktuell die Nummer 117 in der Doppel-Weltrangliste, über seinen guten Lauf, den Stellenwert der Bundesliga und warum es für die Sechziger gerade so gut läuft. Dazu erklärt Paulson den Grund, warum er sich im Turniergeschehen aktuell eher auf die Doppel-Konkurrenzen beschränkt.
Rosenheim auf dem Weg zur Meisterschaft. Wie hört sich das für Sie an?
Ich muss sagen, es ist fantastisch. Ich glaube, niemand hätte gedacht, dass es so laufen würde. Wir spielen um den Titel, konzentrieren uns aber auf jeden Spieltag und schauen, was passiert.
Was war wichtig, damit in dieser Saison alles so gut funktioniert hat?
Wir haben ein gutes Team, in dem jeder jede Disziplin spielen kann, Einzel und Doppel – ich denke, das ist der Schlüssel. Wir haben eine gute Atmosphäre in der Kabine und natürlich auch ein bisschen Glück. Und jetzt sind wir hier!
Sie sind ja quasi ein Vorbild für das Spielen von Einzel und Doppel, in dieser Saison hat alles funktioniert und Sie haben jedes Spiel gewonnen!
Ich bin selbst ein bisschen überrascht. Es war bisher die beste Saison für mich. Ich hoffe, dass es so bleibt.
Was ist das Besondere für Sie, wenn Sie Einzel spielen? Sie sind ja doch eher auf Doppel spezialisiert.
Ich spiele zwar nicht mehr so viel Einzel wegen meines Rückens, aber ich trainiere immer noch Einzel und spiele auch manchmal bei Turnieren. Ich denke, ich habe immer noch ein gutes Niveau im Einzel, also kann ich beide Disziplinen spielen. Normalerweise bin ich im Einzel der Außenseiter, aber ich bin gefährlich – und bisher funktioniert es.
Was ist mit Ihrem Rücken?
Ich habe Probleme mit dem unteren Rücken und der Hüfte auf der rechten Seite. Wenn ich viele Matches Tag für Tag spiele oder Turniere Woche für Woche, dann wird es schlimmer und ich habe starke Schmerzen. Im Moment tendiere ich eher zum Doppel, weil man weniger Training und etwas weniger Bewegung braucht. Das ist für den Körper ein bisschen gesünder, und das ist jetzt mein Weg.
Was macht einen guten Doppelspieler aus?
Ich denke, ich habe einen guten Aufschlag, einen guten Return, ich spiele aggressiv. Egal was passiert, ich bin gefährlich für die Gegner.
Und Sie und Jiri Vesely sind ein gutes Team, oder?
Ja, aber ich habe dieses Jahr auch mit Manu Guinard oder Petr Nouza gespielt. Ich spiele gerne mit jedem, für mich spielt das keine Rolle. Die Chemie zwischen uns stimmt, also ist alles gut. Natürlich spielt jeder ein bisschen anders, aber ich kenne sie alle drei bereits, also ist das für mich kein Problem.
Sie haben dieses Jahr viele Turniere gespielt: Welchen Stellenwert hat da die Bundesliga in Ihrer persönlichen Rangliste?
Ich mag die Bundesliga sehr. Ich mag die Atmosphäre, es fühlt sich wie eine Tradition im Tennis an. Im Sommer liebe ich diese Team-Matches, weil wir normalerweise ja als Einzelspieler antreten und da können wir als Team spielen. Deshalb freue ich mich jedes Jahr darauf – und vielleicht ist das ja auch der Grund, warum ich so gut spiele.
Was bedeutet Rosenheim für Sie?
Das hier ist fast wie eine Familie. Es ist mein zweites Jahr hier, alle sind super nett, super cool, es gibt keine Probleme und ich fühle mich hier wirklich willkommen. Es ist toll.
Sie haben zuletzt gegen Ihr ehemaliges Team aus Augsburg gespielt. War das etwas Besonderes?
Nicht wirklich. Aber ich mag die Leute dort auch, sie sind super nett. Ich habe mich gefreut, sie nach langer Zeit wiederzusehen. Ich wünsche ihnen auch viel Glück.
Es ist gerade eine besondere Atmosphäre bei den Rosenheimer Tennisspielern, vielleicht reicht es ja am Wochenende zur Meisterschaft. Was bedeutet das?
Wir Spieler können alle die Energie der Zuschauer spüren. Es ist super schön, dass so viele Leute kommen. Ich hoffe, das bleibt so und wir sehen sie am Freitag wieder. Hoffentlich schaffen wir es.