Rosenheim – Das Einzige, was beim TSV 1860 Rosenheim am Dienstagabend in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist die Stimme von Trainer Wolfgang Schellenberg gewesen. „Diesmal musste man etwas mehr von draußen helfen“, erklärte der Übungsleiter des Fußball-Bayernligisten nach dem 0:2 in der zweiten Runde des bayerischen Toto-Pokals gegen Wacker Burghausen. Immerhin ist der Gegner eine Liga höher angesiedelt, und da „geht alles einen Ticken schneller und es sind auch ein, zwei Laufmeter mehr notwendig“, so der Sechziger-Coach.
Trotz der Niederlage gegen den Regionalligisten war Schellenberg mit dem Auftritt seiner jungen Truppe durchaus zufrieden. „Wir können erhobenen Hauptes rausgehen“, sagt er. Vor allem defensiv agierten die Rosenheimer kompakt und machten den Wackerianern das Leben richtig schwer. „Wir haben aus dem Spiel eigentlich alles wegverteidigt.“ Letzteres kam für Burghausens Trainer Mathias Ostrzolek nicht ganz überraschend: „Wir wussten schon, was auf uns zukommt. Solche Gegner sind immer schwer zu bespielen, und wir konnten sie auch nicht so wirklich rauslocken.“
Wie so oft, muss halt dann eine Standardsituation herhalten, um die erfahrenere Mannschaft in Führung zu bringen. Wacker-Kapitän Felix Bachschmid hatte sich nach einem Eckball nach hinten weggeschlichen, brachte den Ball am langen Pfosten wieder vors Tor, wo Konstantin Gertig das Spielgerät unmittelbar vor der Linie ins Netz beförderte. „Standards werden immer wichtiger“, wusste Ex-Profi Ostrzolek (früher unter anderem beim VfL Bochum, FC Augsburg, Hamburger SV und Hannover 96) – und verweist auf den englischen Meister Arsenal London, der „ein Drittel seiner Tore aus Standards erzielt hat“.
Das klassenhöhere Team hatte zunächst deutlich mehr Ballbesitz, die Hausherren lauerten auf Konter, die es im ersten Durchgang nur bedingt gab. Edis Muhameti war da zweimal dran an einer Torchance. Mehr gab es für die Rosenheimer nach dem Wechsel: Zunächst war Liam Markulin auf der linken Seite durchgebrochen, den Schuss aufs lange Eck schaute ihm Wacker-Torhüter Marcel Brinkmann ab. Und dann probierte es Leon Tutic mit einem satten Diagonalschuss, den Brinkmann – laut Schellenberg „überragend“ – rausgeholt hatte. „Das waren richtig gute Chancen“, meinte der Sechziger-Trainer, der seine Mannen noch nicht ganz von der Leine ließ und sich die Möglichkeit aufs Elferschießen bis zum Schluss offen hielt. „Wir mussten geduldig sein, bis Burghausen vielleicht mal müde wird und sich Räume auftun. Das gibt es aber nicht in der zehnten oder 20. Minute“, erklärte Schellenberg seine Überlegungen. Die Hoffnung auf Lucky Punch wurden aber nicht erfüllt. Burghausen war nicht zu überwinden und sorgte in der Nachspielzeit durch den eingewechselten Moritz Leitner für die Entscheidung, als die Rosenheimer komplett aufgerückt waren.
„Wir können das sicherlich auch besser lösen, sind aber eine Runde weiter, haben wieder kein Gegentor bekommen. Also: Häkchen drunter“, bilanzierte Burghausens neuer Chefcoach Ostrzolek. Der Ex-Profi machte auch seine Wertschätzung für den Pokal deutlich: „Wir wollen ins Finale und dort dann auch gewinnen. Denn: Jeder träumt vom DFB-Pokal.“
TSV 1860 Rosenheim: Riedmüller, Gangloff (58. Khong-In), Martens, Kuffel (86. Papapicco), Hilger, Ünal, Tutic (69. Syed), Liam Markulin (86. Bensch), Summerer, Elgathous (69. Noah Markulin), Muhameti.
SV Wacker Burghausen: Brinkmann, Turtschan, Schwarzensteiner (62. Hofherr), Gertig, Dinkler (62. Stegmiller), Gordok, Bangerter (46. Wagner), Bachschmid (75. Leitner), Agbaje (46. Diowo), Simic, Woudstra.
Schiedsrichter: Haggenmüller (FC Wiggensbach).
Zuschauer: 438.
Tore: 0:1 Gertig (12.), 0:2 Leitner (90. + 3).