Rosenheim – Kevin Kuffel hat seine Startelf-Premiere beim Fußball-Bayernligisten TSV 1860 Rosenheim mit Bravour bestanden. Der 20-Jährige lief im Pokalspiel gegen den Regionalligisten Wacker Burghausen (0:2) gleich in verantwortungsvoller Position auf, spielte der Neuzugang doch in der zentralen Position der Fünferkette. „Er hat das Herz am richtigen Fleck“, meint Trainer Wolfgang Schellenberg, angesprochen auf Kuffel. Und weiter: „Er geht in jedem Training an seine Leistungsgrenze und versucht auch dort, den nächsten Schritt zu machen.“ Immerhin muss Kuffel gleich zwei Klassen überspringen, nachdem er zuvor beim TSV Ampfing in der Bezirksliga spielte. Wobei Schellenberg auch deutlich macht, dass der junge Akteur vom Defensivverhalten schon sehr nahe an der Stammauswahl sei. „Die Ruhe am Ball und die Abgeklärtheit sind nun die nächsten ein, zwei Schritte, die er machen muss“, gibt der 1860-Coach seinem Spieler mit auf den Weg. Im Interview mit der OVB-Sportredaktion beweist Kuffel, dass er große Ziele und auch das passende Selbstvertrauen dafür hat.
Es war Ihr erster Startelf-Einsatz für den neuen Verein, und dann gleich noch gegen einen höherklassigen Gegner. Was waren Ihre Gedanken vor dem Spiel?
Die waren sehr klar. Ich wusste schon ein bisschen im Voraus, dass ich wahrscheinlich starten werde, da ich im Training häufig in der Startelf mittrainiert habe. Ich wusste auch, wo ich spiele, in welcher Position. Ich weiß, was ich kann – und dass ich mein Bestes geben werde. Vor dem Gegner habe ich nicht zurückgeschreckt. Es ist doch geil, so eine große Herausforderung zu haben.
Wie würden Sie Ihre eigene Leistung einschätzen?
Ich bin sehr zufrieden mit mir. Das Ergebnis ist leider ein Bruch, man verliert nicht gerne. Aber ich bin sehr zufrieden. Wir waren sehr gut defensiv und haben nur Ecken und Standards zugelassen. Ansonsten haben wir echt gut verteidigt. Gegen einen Regionalligisten bis in die Nachspielzeit ein 1:0 zu halten, ist, glaube ich, vertretbar.
Wie haben Sie sich auf die Aufgabe vorbereitet?
Ich wusste, dass es entweder die Fünfer- oder die Viererkette wird. Dadurch, dass ich eher Sechser spiele, war die Fünferkette eine kleine Änderung. Aber ich habe in der Vergangenheit schon oft in der Innenverteidigung gespielt. Ich weiß, dass ich das gut machen und die Stürmer fressen kann. Ich bin einer, der ehrgeizig ist und die Leute nicht einfach frei rumrennen lässt. Ich habe einfach an mein Selbstvertrauen und an mich geglaubt.
Sie haben direkt gegen einen Zwei-Meter-Mann gespielt. Ist es für den Großen schwieriger, wenn er gegen einen kleineren Gegner spielt?
Das denke ich auch. Ich glaube, dass man als kleinerer Spieler sehr eklig sein kann. Gerade wenn man immer mal die Hand am Körper hat, dann macht man sich bemerkbar. Und dann hat der auch nicht mehr so viel Lust über 90 Minuten. Ich glaube, das habe ich gut gemeistert.
Wie macht man das? Gerade in den Luftduellen?
Das ist natürlich schwieriger, wenn du einen Zwei-Meter-Typen vor dir hast. Ich bin da sehr clever und geduldig. Wenn ich das Kopfballduell nicht gewinnen kann, schaue ich, dass ich den Mann störe, sodass er ihn nur unkontrolliert weiterspielen kann. Das reicht oft schon.
Bei 1860 wird gerade die Abwehr im Zentrum neu formiert. Ist das für Sie die große Chance, zwei Ligen höher reinzukommen?
Ich denke schon. Ich habe ein gutes Spiel gemacht und dem Trainer bewiesen, dass ich das Niveau habe, dort mitzuspielen. Für die Fünferkette bin ich offen. Gerade als Zentraler, weil ich selbstbewusst auftrete und mich nicht verstecke. Ich glaube schon, dass da die Chance höher wird, ins Spiel reinzukommen.
Wie schaut’s da mit dem Dirigieren aus? Als Zentraler muss man ja ganz viel Kommandos geben!
Ja, unendlich. Wir müssen links und rechts ständig miteinander reden, übergeben und Sonstiges. Generell auch mit dem Mittelfeld kommunizieren. Das ist so wichtig. Das machen wir aber auch.
Gegen Burghausen hat es 1860 irgendwann geschafft, den Respekt vor dem Gegner abzulegen. Das braucht es auch in der Bayernliga, oder?
Ja, das denke ich auch. Wir brauchen uns nicht zu verstecken. Wir sind zwar eine junge Truppe, aber wir haben so viel Qualität, so viel Potenzial in der Mannschaft. Wir brauchen auch keinen Respekt zu haben, auch nicht vor den Top-Teams in der Bayernliga. Das schaffen wir. Wirklich.
Das Ziel der Mannschaft ist klar, das ist der Klassenerhalt. Wie schaut Ihr persönliches Ziel aus?
So viel Spielzeit zu bekommen wie möglich. So viel Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein im Auftreten zu bekommen. Gerade, weil es ein Sprung aus der Bezirksliga ist. Aber ich glaube, dass ich das jetzt zeitnah immer mehr machen darf.
Wie sehr merken Sie noch diesen Klassenunterschied?
Immer weniger. Im Training sind wir auf einem hohen Niveau und da spiele ich auch mit und gegen meine Kollegen – und da merke ich gar nichts. Und auch gegen den Regionalligisten habe ich nicht so viel gemerkt. Ich war echt fokussiert und selbstbewusst. Ich habe mich nicht versteckt. Das ist meine Stärke: Ich schreck vor nichts zurück. Interview: Thomas
Neumeier und Daris Dzamdzic