Der Weg zum Titel begann vor 20 Jahren

von Redaktion

Ein gefasster Manager, tschechische Feierbiester und der Pokal bei Familie Dörfler – so feierten die Sechziger

Mannheim – Als der große Moment gekommen war, da musste sich Lukas Jastraunig mächtig am Riemen reißen. „Ich war gerade beim Coaching von Federico Gomez, als ich die Jubelschreie der Fans gehört habe“, berichtet der Teamkapitän des frischgebackenen deutschen Tennis-Meisters TC 1860 Rosenheim. Die zum Auswärtsspiel nach Mannheim mitgereisten Rosenheimer Anhänger hatten natürlich im Livescore mitverfolgt, dass Verfolger TC Bredeney im Heimspiel Federn ließ und die Sechziger damit vorzeitig den größten Erfolg in ihrer Vereinsgeschichte errungen hatten.

„Dann ist es natürlich richtig abgegangen“, erzählt Thomas Detterbeck, Manager Bundesliga bei den Sechzigern. „Es war richtig nett, wir haben ausgiebig gefeiert“, meinte er, wenngleich er selbst in seinen Augen „ziemlich gefasst“ gewesen sei. Denn: „Ich war mir vor dem letzten Spielwochenende schon ziemlich sicher, dass wir es packen.“ Dennoch war er dann überrascht, als auf einmal ein großer Karton mit Meister-Shirts herangeschafft wurde. „Davon wollte ich zuvor gar nichts wissen.“

Während Detterbeck aufgrund von beruflichen Terminen am Montagmorgen schon wieder in Rosenheim aufschlug und auch Jastraunig noch in der Nacht an die Mangfall zurückgekehrt war, weil er am Montag endlich in den Urlaub nach Jesolo startete, verbrachte Vorstand Dieter Dörfler gemeinsam mit seinem Sohn und einigen feierwütigen Teammitgliedern die Nacht in Mannheim. Gerade die tschechische Fraktion mit Coach Roman Jebavy und den Spielern Andrew Paulson und Jiri Vesely genoss den Gewinn der Meisterschaft. „Wir haben den Biergarten in Mannheim zu unserem gemacht“, lachte Dörfler, als ihn die OVB-Sportredaktion auf dem Heimweg nach Rosenheim am Telefon erwischte. Dabei klärte sich dann auch die Frage, wer am Ende mit dem Meisterpokal übernachtet hatte: „Der war bei Familie Dörfler im Zimmer“, erzählte der Sechziger-Tennis-Boss.

Gerade an seiner Person lässt sich das „Wunder von Rosenheim“ festmachen. Dörfler ist die Galionsfigur der Rosenheimer Tennisspieler und hat den Werdegang quasi Spiel für Spiel mitgemacht. „Eigentlich war ja schon die Teilnahme an der Bundesliga die Erfüllung des Ganzen“, sagt Dörfler. Vor 20 Jahren hat dieser Weg in der Bezirksliga angefangen, die Sechziger hatten ihr Team aus der Bayernliga abgemeldet. „Wir haben dann gegen Bad Aibling und Schloßberg gespielt“, erinnert sich der Vorstand. Damals neu hinzugekommen: Lukas Jastraunig. Es entstand eine besondere Verbindung: „Der Luki hat immer noch einen Hausschlüssel von mir“, sagt Dörfler. Und Jastraunig erinnert sich: „Ich habe den Didi da noch als Mitspieler kennengelernt. Und jetzt sind wir gemeinsam Bundesliga-Meister – das ist schon heftig!“

Vor zehn Jahren ist Thomas Detterbeck hinzugekommen, damals waren die Sechziger schon in der 2. Bundesliga angelangt. Der Manager erinnert sich noch „an das erste Spiel in Hainsacker. Danach wusste ich, dass wir das anders aufbauen müssen“. Was ihn jetzt, beim großen Triumph, besonders freut: „Dass wir das mit unserem Weg und mit unseren Sponsoren geschafft haben, ohne einen großen Mäzen von außerhalb.“ Denn: „Die deutsche Tennis-Bundesliga ist vom Spielerpotenzial her die stärkste Liga der Welt. Und dass wir da jetzt Meister geworden sind, das ist wirklich beeindruckend.“

Was seinen Kollegen Dörfler noch mehr fasziniert: „Dass uns so viele Leute unterstützt haben. Von den vielen Helfern und den Sponsoren angefangen, bis hin zu den jungen Leuten, die in Mannheim mit dabei waren und unsere Spieler angefeuert haben. Da ist eine richtige Fan-Gemeinschaft entstanden, die es so in der Tennis-Bundesliga nirgends gibt.“ Und auch sonst haben viele Leute mitgefiebert: „Gott und die Welt schreiben jetzt“, erzählt Dörfler, unter anderem auch Löwen-Fußballer Florian Niederlechner. Auch frühere Akteure wie Rainer Eitzinger und Matteo Viola hätten sich gemeldet. „Das zeigt, dass wir schon immer eine gute Atmosphäre im Team hatten“, sagt Dörfler und erwähnt damit das wohl größte Plus auf dem Weg zum Titel. Etwas, das die Bosse auch vorleben.

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