…Priens „schwarze Perle“…
… musste kritische Leserbriefe entgegennehmen.
Rosenheim – Das Rosenheimer Fußball-Magazin ist vor 30 Jahren erschienen – in einem völlig anderen Zeitalter. Nicht nur der technologische Fortschritt, sondern auch die journalistischen Tugenden haben sich immens verändert. Während man damals im Beinschuss problemlos von „schwarzen Perlen“ oder „Querpass-Orgien“ schreiben sowie für Stripclubs werben konnte, wäre so etwas im heutigen Zeitalter ein Skandal nach dem anderen. In Teil 4 der 30-Jahre-Beinschuss-Serie geht es um amüsante Fotos, Überschriften und Formulierungen – die man heutzutage nicht mehr in dieser Art abdrucken könnte.
Die beiden Beinschuss-Gründer Ludwig Simeth und Ingomar Weiß waren immer für Wortspiele, Schmunzler und sarkastische sowie doppeldeutige Formulierungen zu haben. „Wir wollten uns ein bisschen von den seriösen und ernsten Medien abheben. Darum heißt der Beinschuss auch Beinschuss und nicht so etwas wie ‚Rosenheimer Fußball-Magazin‘“, erklärt Weiß. „Dieses Pfiffige war schon unser Ding und den Leuten hat es Spaß gemacht, im Beinschuss auch mal lachen zu müssen“, ergänzt Simeth, der sich bewusst ist: „Einige Formulierungen könnte man heutzutage nicht mehr abdrucken. Das war einfach ein anderes Zeitalter.“
Vor allem amüsante Überschriften findet man in den Beinschuss-Ausgaben aus den späten 90ern unendlich. Kurz, knapp und kritisch wurden einige langweilige Partien beschrieben: „Not gegen Elend – gerechtes Remis der Kellerkinder“, „Der Schiri war der Beste“ oder „Straftraining am Sonntag!“ Nach späten Gegentoren hieß es „Dumm, dümmer, Großhadern“ oder „DJK Taufkirchen zu dumm“. Lechhausens Trainer Alexander Eppinger monierte bei einer Niederlage seiner Mannschaft ein „Zweikampfverhalten wie in der Klosterschule“. Das war nicht der einzige Eppinger-Kommentar, der es in eine Beinschuss-Überschrift schaffte: Beim 0:1 gegen den MTV Ingolstadt fiel das einzige Tor nach einer Ecke, die aufgrund des böigen Windes den direkten Weg ins Tor fand. „Auf einmal liegt die Erbse bei uns im langen Eck. Ein richtiges Ananas-Tor“, ärgerte sich Eppinger. „Franjo hat Schnauze voll“, erahnten Simeth und Weiß nach der 1:2-Pleite von Croatia Rosenheim mit Trainer Martic Franjo gegen Kolbermoor.
Hans Klinger: „Müssen Sportart wechseln“
Als 1860 Rosenheim mit 0:2 in Schweinfurt unterlag, bekam „1860 lediglich gute Haltungsnoten“. Abteilungsleiter Hans Klinger formulierte die Beinschuss-Headline: „Müssen Sportart wechseln“. Das Gleiche dachte sich Herbert Sitter nach einem „katastrophalen Spiel“ (siehe Bild). Im Gegensatz zu Klingers Aussage erlaubten sich die Beinschuss-Herausgeber hierbei einen Spaß aufgrund von Sitters Shirt. Als der SB/DJK Rosenheim nichts aus seinen Chancen machte und mit 0:1 das Nachsehen hatte, forderte der Beinschuss: „Ab ans Kopfballpendel!“ Am Osterwochenende verteilten die Sechziger mit individuellen Fehlern Geschenke und gingen leer aus. Der Beinschuss schrieb: „Weihnachten an Ostern.“ Auch zum Muttertag gab es etwas: „15 Tore zum Muttertag“, lautete der Titel, nachdem Höslwang Amerang mit 6:0 und 9:0 (Reserve) abschoss.
Neben Feiertagen waren Jahreszeiten und die heißen Temperaturen ein gefundenes Fressen für Simeth und Weiß für eine humorvolle Überschrift. So hieß es nach einer Niederlage des TSV Wasserburg „den Löwen war es zu heiß“. Genauso nahm Feldmoching „hitzefrei“, nachdem sie „so schlecht wie lange nicht mehr“ waren. Apropos Feldmoching: Als Trainer Herbert Richter im Sommerurlaub war, spielte sein Team gegen Moosinning 0:0, Torjäger Michael Witzl sah nach 30 Minuten gelb-rot. Folgerichtig stand in der Überschrift: „Trainer Herbert Richter macht Urlaub – und seine Stürmer auch“. Ebenfalls eine Nullnummer gab es im Derby zwischen Bad Endorf und Söchtenau. Söchtenaus Coach Thomas Böhm meinte: „Das war ein Trauerspiel, nicht zum anschauen. Sommerfußball wie bei 40 Grad.“ Also folgte auch im Beinschuss ein klarer Appell: „Es wird Herbst, Freunde!“
Weitere Überschriften, die man heute vermutlich nicht mehr so in einer Zeitung finden würde: „Krieg ist Krieg, Fußball ist Fußball“ – Srbija München besiegte Raubling mit 4:1. „Breitbrunner Rambazamba beim abendlichen Debütantenball“, „Martin Walter gibt der Kugel den Rest“, „Letzter Kampf für Traunstein“ (beim allerletzten Spiel des Vereins 1. FC Traunstein) „Kriminaltango in Flintsbach“ oder „Wie ein 17-Jähriger drei 12-Jährige“ – dabei wurde eine Szene beschrieben, als Fürstenfeldbrucks Robert Ilic im 16er drei Garmischer umspielte, wie ein 17-Jähriger drei Zwölfjährige. Ebenfalls schrieb der Beinschuss „Viel Wein keine Tore“ oder „Es gab was zu Lachen – Brucks Loder gewinnt interne Wette“. Das war auch bei 1860 Rosenheim der Fall. Nach dem 2:1-Erfolg über Türk Gücü lautete der Titel „Jetzt muss Heller blechen“. Vor der Saison prophezeite Rupert Groß mehr als 15 Buden von Sepp Heller, der dagegen wettete. Nachdem sein Elfmeter zum zwischenzeitlichen 1:1 sein 16. Saisontor markierte, musste er Groß und seiner Frau Uschi einen Restaurant-Besuch ausgeben.
„Sein drittbestes
Stück – der Bauch“
Außerdem gab es einige Überschriften, die (zumindest auf den ersten Blick) gar nichts mit einem Spiel zu tun hatten: „Schweinsbraten schmeckt“, „Beton gegen Granit“, „nur der Wurstsemmelverkauf stimmte“, „Babys wickeln macht mehr Spaß (als eine konfuse SBR-Mannschaft zu dirigieren)“, oder „Diesmal ist es der Bauch“. Kiefersfeldens Robert Pütz machte in der 89. Minute das 3:2 gegen Nicklheim mit „seinem drittbesten Stück – dem Bauch“, heißt es im Beinschuss. Zudem wurde das komplette kuriose Wochenende von Dachaus Gerhard Mann abgedruckt (siehe Foto).
Wortspiele – wie eben „Gerhard Mann der Mann des Tages“ – gab es im Beinschuss ebenfalls en masse. So war Pullach nach einer Niederlage „Sauer auf Schauer“, beim SV Kolbermoor „Mit Hutter alles in Butter“ und „Döppler gnadenlos“. Bei Kolbermoors 9:0-Sieg in Vagen knipste Robert Eppler fünfmal, Benjamin Döbl machte die restlichen vier Buden. Sogar sechsmal in einer Partie netzte Kirchanschörings Goalgetter Günter Wimmer beim 7:1 gegen Rimsting. Die Beinschuss-Überschrift lautete „Wi..Wi..Wi..Wi..Wi.. Wimmer“.
Priens Hattricker: „BMW? Yamaha? Suzuki!“
Im Alleingang erlegte auch Priens Yoshiro Suzuki Türkspor: Beim 3:0 machte er einen Hattrick und bot den Beinschuss-Schreibern die Möglichkeit zu einem Wortspiel in der Headline: „BMW? Yamaha“ Suzuki!“ Als Rotts Spielertrainer Alex Wolf von Jürgen Donnat abgelöst wurde, brachte es der Beinschuss auf den Punkt: „Hungriger Wolf sucht neues Rudel“. Und die „Hand Gottes“ gab es nicht nur bei der WM 1986, sondern auch in Happing: Samerbergs Georg Huber erzielte das 1:0 mit der Hand, als sein Flugkopfball nach einer Ecke zu kurz geriet. Zwar nicht regelwidrig, aber umso unüblicher ist es, ein Tor mit dem Rücken zu erzielen. Das gelang Breitbrunns Olly Kunz, als Westerndorf den Ball nach einer Ecke nicht geklärt bekam, der Befreiungsschlag an Kunz‘ Rücken knallte und von dort den Weg ins Tor zum 2:2-Endstand fand. Alles andere als einfallslos wurden die Beinschuss-Verfasser bei der Hinrunden-Bilanz: furchtlos, zügellos, atemlos, tadellos, gnadenlos und so weiter – da legten Simeth und Weiß so richtig los…
Amüsante Formulierungen gab es im Beinschuss in jeglicher Hinsicht. Nach dem 1:0-Sieg von Lohhof gegen Passau lautete die Überschrift „Gut spioniert ist halb gewonnen“, nachdem die Lohhofer ihren Gegner offenbar im Vorfeld genau beobachtet hatten. Als die Pruttinger Rückrundenvorbereitung nicht so lief, wie sie sollte, munkelte die Amateurfußball-Zeitschrift: „Geht Pruttinger Skilehrern wieder der Dampf aus?“, da einige Pruttinger Spieler Skiunterricht gaben. Während es bei 1860 Rosenheim „Steife Nacken nach Fehlpassorgie“ gab – beim 2:4 in Fürstenfeldbruck boten die Sechziger eine enttäuschende Vorstellung –, waren die Coaches Kleinschwärzer und Deiß mit dem 0:0 zwischen Wasserburg und Bajuwaren München zufrieden. „Nulldiät macht beide Trainer satt“, beschrieb es der Beinschuss. Beim 2:0 zwischen Nußdorf und Au war die spannendste Meldung „Hildgartner tunnelt seinen Schwager“. Nachdem der TuS Prien schon sicher Meister war, drehten die „Bierleichen“ einen 0:3-Rückstand zum 5:3-Heimsieg gegen Übersee. Dabei nannte der Beinschuss „Glatze“, „Zocker“, „Jamaika“ und Co. die Priener in der Aufstellung mit ihren Spitznamen. Dass es im Fußball verschiedene Arten von Fieber gibt, der Sport schön und grausam zugleich sein kann sowie, dass man in der damaligen Zeit auch für Tabledance-Lokale werben durfte, zeigt der Beinschuss in einmaliger Art und Weise (siehe Bilder). Vielleicht hatte dabei ja der gefürchtete Beinschuss-Mitarbeiter Erich „Para“ Scheck seine Finger im Spiel…