Burghausen – „Wir werden über interne Sachen nicht öffentlich reden“, lässt sich Andreas Huber, Geschäftsführer der Wacker Fußball GmbH, im Fall um Youngster Moritz Leitner nicht in die Karten blicken und kündigt aber am Montagvormittag eine Stellungnahme des Vereins an: „Wir werden in den nächsten 24 Stunden ein sauber abgestimmtes Statement abgeben und keinen Schnellschuss aus der Emotion heraus veröffentlichen.“
Wurde der 19-jährige Angreifer, der im eigenen Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) ausgebildet wurde und bislang vier Spiele in der Fußball-Regionalliga Bayern bestritten hat, aus dem Spieltagskader für die Heimpartie am Freitag gegen Schwaben Augsburg gestrichen? Sicher ist, dass Wacker ohne Leitner, der in den ersten drei Saisonspielen drei Treffer erzielt hat, mit 1:2 die erste Niederlage der Saison einstecken musste. Die Diskussion um eine mögliche Vertragsverlängerung über das Jahr 2027 hinaus bleibt spekulativ.
„Eine Seite ist ja an die Öffentlichkeit gegangen“, erklärt Huber und spielt damit auf die Berater-Agentur „B360 Sports Agency SE“ an, die wohl seit kurzer Zeit die Interessen von Leitner vertritt und gegenüber der Münchner „Abendzeitung“ einen möglichen Boykott der Wacker-Spieler gegen Schwaben Augsburg öffentlich gemacht hat, zumal der Verein den Youngster unter Druck gesetzt haben soll, einen neuen Vertrag zu kaum verbesserten Konditionen und ohne Ausstiegsklausel zu unterschreiben. Ein angebliches Ultimatum am Spieltag ließ die Agentur offensichtlich verstreichen, worauf die Vereinsführung den Spieler für den Spieltag aus dem Kader gestrichen haben soll. Über den Kopf von Cheftrainer Matthias Ostrzolek hinweg.
Dass sich der Verein die Dienste eines Talents, das seit der U13 bei Wacker ausgebildet wurde, langfristig sichern möchte, ist natürlich legitim. Dass der Verein, der ja bis 2030 die Rückkehr in den Profi-Fußball anstrebt, im Falle eines höherklassigen Angebots für den Linksfuß finanziell profitieren möchte, ist natürlich auch Usus. Allerdings ist es selbstverständlich auch das Recht des Spielers, ein mögliches Angebot des Vereins zu überprüfen oder gar abzulehnen, sollte es nicht seinen Vorstellungen entsprechen. Die Spieler-Agentur, die ihren Firmensitz in Singen hat, war übrigens für eine telefonische Stellungnahme nicht erreichbar.
Insgesamt bleiben die genauen Umstände in der gesamten Causa nebulös, klar ist aber, dass sich bei den Wacker-Fans der Unmut regt und die Frage einer möglichen Suspendierung von Leitner heiß diskutiert wird. Im unabhängigen Forum „wackerfans“ hat sich die seit längerer Zeit vorhandene Kritik an Vereinsführung, Kommunikation und Außendarstellung in den vergangenen Tagen nochmals deutlich zugespitzt. Und so heißt es dann auch im Beitrag eines Users: „Natürlich kennen wir nicht jedes Detail. Aber irgendwann kann man nicht mehr jeden einzelnen Vorgang als Missverständnis, Kommunikationsproblem oder unglücklichen Einzelfall abtun. Wenn sich über Jahre immer wieder ähnliche Geschichten häufen, dann ist irgendwann nicht mehr der einzelne Vorfall das Problem, sondern das System dahinter.“