Wasserburg – Ein Blick auf die Statistik mit null Gelben Karten oder gar Platzverweisen könnte suggerieren, dass es im Derby der Fußball-Bayernliga Süd zwischen dem TSV 1880 Wasserburg und dem TSV 1860 Rosenheim ruhig oder gar gemächlich zur Sache ging. Das Gegenteil war der Fall. 901 Zuschauer waren gekommen. Die beiden Teams schenkten sich nichts, wodurch ein zwar ereignisarmes, dafür intensives Bayernligaspiel herauskam. „Das war kein Spiel der großen Torchancen auf beiden Seiten. Es ging viel um zweite Bälle, um sehr viel Leidenschaft und auch um sehr viel Zweikampfhärte“, bilanzierte Wasserburgs Trainer Florian Heller, der am Ende mit 2:0 die Oberhand behielt.
Symbolisch kann diese Einschätzung an der Position von Leon Simeth festgemacht werden. In der Landesliga fungierte der 25-Jährige noch unter der Rubrik „Spielmacher“, am Dienstagabend sollte er wie ein „Terrier“ spielen und das Rosenheimer Konterspiel unterbinden. „Wir mussten natürlich auf die Stärke von Rosenheim aufpassen, sprich dieses schnelle Umschalten nach vorne. Das haben wir sehr, sehr gut gemacht. Wir haben das taktisch hervorragend gelöst“, lobte Heller seine Spieler. Dieses Lob gebührte jedoch auch dem Trainerteam, denn dieses hatte ihre Mannschaft perfekt auf den Gegner eingestellt. Wasserburg kontrollierte die Konter, wodurch Rosenheim erst in der 82. Minute durch Zaeem Syed den ersten Torschuss verzeichnen konnte. Zuletzt in den Münchener Medien noch als „Schießbude der Liga“ angekündigt, hielten sich die Löwen im Derby schadlos. „Ich glaube, dass wir mittlerweile eingespielter sind und uns dadurch besser verstehen. Unsere Absprache untereinander ist besser geworden und wir vertrauen uns dadurch mehr“, erklärt Florian Grundner die in dieser Saison beste Abwehrleistung.
In einem Spiel mit nur wenigen Torchancen geht es auch darum, diese zu nutzen. In der 71. Minute flankte Maxi Biegel aus dem Halbfeld hoch und weit an den zweiten Pfosten, wo Thomas Voglmaier per Bogenlampe über Torhüter Simon Stein einköpfte. „Das Tor fällt zu einem Zeitpunkt, zu dem es nicht ganz unverdient war. Wir haben in der zweiten Halbzeit schon versucht, mehr Personal in der Box zu haben, um torgefährlicher als in der ersten Halbzeit zu werden“, ordnete Heller das 1:0 ein. Die Hausherren gewannen durch die Führung noch mehr an Souveränität, aber einmal brauchten sie ihren Torhüter dann doch. Nach einer Kopfballverlängerung nach einem weiten Schlag von Torwart Stein war Edis Muhameti plötzlich vor Lino Volkmer, scheiterte jedoch am Keeper der Löwen. Volkmers Parade war nicht nur für den Keeper selbst nach schwierigem Saisonstart von großer Bedeutung, sondern auch für den Spielverlauf. Statt den Ausgleich zu kassieren, erzielte Wasserburg aus dem darauffolgenden Angriff das 2:0. Einen Abschlag des Torhüters verlängerte Robin Ungerath per Kopf auf Vinzenz Egger, der auf den durchgestarteten Ungerath ablegte und der im Vollsprint nicht mehr zu halten war und zur Entscheidung einschoss.
„Nach dem Tor von Robin war die Messe gelesen“, wusste Heller. „Es war in Summe für uns ehrlicherweise nicht unverdient. Wir hatten den letzten Biss. Demzufolge tut das gut. Es war der zweite Sieg in Folge und das erste Mal zu Null“, freute sich der Wasserburger Trainer.
TSV Wasserburg: Volkmer, Biegel, Grundner, Brich, Fischer, Rubio González, Simeth, Köck (93. Pichler), Voglmaier (87. Kononenko), Ungerath (90. Rauscher), Vieregg (63. Egger).
TSV 1860 Rosenheim: Stein, Kasumovic (79. Papapicco), Ünal, Hilger, Muhameti, Khong-In, Martens, Liam Markulin (55. Elghatous), Summerer (79. Gangloff), Noah Markulin (67. Syed), Tutic.
Schiedsrichter: Schuster (SV Hohenau).
Zuschauer: 901.
Tore: 1:0 Voglmaier (71.), 2:0 Ungerath (85.).