Wenn die Kreisliga zur „Champions League“ wird

von Redaktion

Im Nachbarkreis München startet am Freitag eine besondere Saison – Aus drei Kreisligen werden zwei

München – Wer auf der Homepage des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) vor dem Saisonstart am Freitag die Tabelle der Kreisliga München aufruft, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. 40 Mannschaften stehen da untereinander, am ersten Spieltag sind gleich 20 Spiele angesetzt – irgendwie erinnert das an die „Champions League“, wie sie seit zwei Jahren gespielt wird. Und das trifft den Nagel auf den Kopf.

Die Münchner Kreisliga wird in der Saison 2026/27 im „Champions League“-Modus gespielt. Jeder Verein bestreitet 24 Spiele gegen 24 verschiedene Gegner, zwölf daheim und zwölf auswärts, quer durch den ganzen Kreis von Steinhöring bis nach Sulzemoos im Dachauer Hinterland. Ein neues Pilotprojekt wie vor fünf Jahren im Kreis Zugspitze mit seinen Auf- und Abstiegsrunden, das bei den Vereinen am Ende doch durchfiel? Nein – der neue Modus bleibt eine einmalige Sache.

Hintergrund ist die Notwendigkeit, aus drei Kreisligen in München zwei zu machen. Dass die Münchner bisher eine Kreisliga mehr haben als die anderen drei Fußball-Kreise in Oberbayern und damit auch einen Bezirksliga-Aufsteiger mehr, hat historische Gründe. Der Bezirksspielausschuss hatte deshalb schon vor Jahren eine Anpassung an die anderen Kreise beschlossen. Denn in der Landeshauptstadt und den Landkreisen München, Ebersberg und Dachau spielen kaum mehr Mannschaften als etwa im Kreis Zugspitze, der vom Irschenberg bis Landsberg reicht.

Doch wie kommt man von 40 Mannschaften auf 28? Es drohte ein knüppelharter Abstiegskampf über mehrere Jahre – bis Gruppenspielleiter Mario Hüneburg aus Zorneding die zündende Idee hatte. Der damalige Verbandsspielleiter Josef Janker (Cham) skizzierte, wie das Modell funktionieren könnte. Und die Vereine, denen es Bezirksspielleiter Hans Mayer (Waging) präsentierte, waren Feuer und Flamme. „Das wird eine spannende Saison“, sagt Mayer. „Wir vermeiden damit einen langwierigen Umbau über Jahre, mit zu kleinen oder übervollen Ligen.“

Das „Champions League“-Modell erlaubt es, die Reform in einer Saison durchzuziehen. Die ersten drei Mannschaften steigen – ein letztes Mal – direkt in die Bezirksliga auf, die folgenden vier Teams spielen zwei Teilnehmer an der Relegation aus. Für die Kreisliga-Vereine auf den Plätzen acht bis 21 ist die Saison beendet. Von Platz 22 bis 33 geht es in die Abstiegsrunde. In diesem „Play-down“ werden unter den zwölf Teams sechs Teilnehmer an der Relegation gegen die Kreisklassen-Vizemeister ausgespielt. Direkt absteigen müssen nur die sieben Vereine auf den Plätzen 34 bis 40 – das sind kaum mehr als in einer normalen Saison mit drei Gruppen.

Und damit nicht das Losglück entschied, ob ein Verein seine 24 Spiele gegen leichtere oder schwerere Gegner bestreiten muss, wurden die 40 Mannschaften – wie in der Champions League – in vier Töpfe eingeteilt, nach den Platzierungen der vergangenen drei Jahre. Der SV Lohhof steht da ganz oben, die SpVgg Feldmoching ganz unten. Für den TSV Steinhöring, der im Juni nur knapp dem Abstieg entgangen war, reichte es für einen Platz in der dritten Leistungsgruppe, der TSV Oberpframmern steht sogar noch knapp in der ersten. Aus jedem Topf kommen sechs Gegner.

Philipp Walter, Teammanager des SC Grüne Heide Ismaning, hat für den Champions-League-Modus gestimmt. „Durch die Reform gibt es jetzt nur eine einzige Saison, in der die Sache gesäubert wird, und danach geht es wieder zum normalen Modus zurück“, sagte er dem Münchner Merkur. „Bei der Champions League waren am Anfang auch alle skeptisch, aber jetzt findet’s jeder cool“, sagte Markus de Prato, inzwischen Trainer beim TSV Grasbrunn. Und: „Es ist doch schön, sich mal mit neuen Gegnern zu messen.“

Am kniffligsten waren die technischen Herausforderungen zu lösen, wie Hans Mayer berichtet. Denn das Computerprogramm, mit denen der Fußball-Spielbetrieb in ganz Deutschland organisiert wird, erlaubte bisher maximal 24 Mannschaften in einer Liga – und ging davon aus, dass dort jeder gegen jeden spielt. Doch Janker machte beim DFB Dampf. „Die haben das in rekordverdächtiger Zeit geschafft“, sagt Mayer.

Von der Ligenreform in München sind auch die Kreisklassen und A-Klassen betroffen, die bisher auf jeweils sechs Gruppen verteilt sind. Daraus soll – wie sonst üblich – eine „Pyramide“ mit vier Kreisklassen und acht A-Klassen werden. Auf die Kreisklassen, die auch mindestens 13 Kreisliga-Absteiger aufnehmen müssen, wird das „Champions League“-Modell aber nicht übertragen, wie die Kreisklassisten entschieden. Hier gilt für 2026/27 und für die nächsten Jahre ein verschärfter Abstieg.

Unabhängig von der Reform – könnte die Kreis-„Champions League“ auch ein Modell für andere Kreise sein, um den Spielbetrieb spannender zu machen? Was dagegen spricht, sind die Entfernungen. Der Kreis München misst von West nach Ost nur 70 Kilometer, in Inn/Salzach sieht das ganz anders aus. Und ein ganzes Jahr auf das geliebte Lokalderby zu verzichten und stattdessen von Raubling nach Haiming zu fahren, ist vielleicht auch nicht jedermanns Sache.

Artikel 11 von 11