Schweinsteiger, Pogba und die Sportfreunde Stiller

von Redaktion

Der „Beinschuss“ feiert sein 30-jähriges Bestehen. 1996 erschien die erste Ausgabe des regionalen Fußball-Magazins aus Rosenheim – und schlug ein wie eine Bombe! Heute ist beinschuss.de ein beliebtes Online-Portal. Die OVB-Sportredaktion und beinschuss.de machen eine Zeitreise durch 30 Jahre Amateurfußball und alte Schlagzeilen: kuriose Geschichten, prominente Namen, lustige Anekdoten.

Paul Pogba schoss schon ein Tor in Prien.

Germerings Hans Stiller.

Didi Hamann liest gespannt den Beinschuss.

Rosenheim – In 30 Jahren Beinschuss-Geschichte hat das Rosenheimer Fußball-Magazin unzählige prominente Namen abgedruckt. Einige Jugendspieler – allen voran natürlich Weltmeister Bastian Schweinsteiger – schafften den Sprung in den Profifußball. Andersrum fanden viele Ex-Profis den Weg zurück in den Amateurbereich und etliche Spieler, Trainer, Verantwortliche oder deren Söhne findet man heute noch im heimischen Amateurfußball. In Teil 5 der 30-Jahre-Beinschuss-Serie dreht sich alles um eines: Bekannte Namen.

Der größte Fußballer, der schon als Jugendspieler im Beinschuss begleitet wurde, ist wohl Bastian Schweinsteiger. Der gebürtige Kolbermoorer, der in Oberaudorf aufwuchs, durchlief die Jugendmannschaften des TSV 1860 Rosenheim und wechselte im Sommer 1998 zum FC Bayern München. Dort wurde Basti Junioren-Meister in der B- sowie A-Jugend und gehörte ab 2002 zum Profi-Kader. Am 13. November 2002 bestritt Schweinsteiger sein erstes Pflichtspiel für die Bayern: Im Champions-League-Gruppenspiel wurde der ExRosenheimer für Mehmet Scholl eingewechselt. Bei den Bayern reifte er zum Weltstar, spätestens mit dem Sieg im WM-Finale gegen Lionel Messi und Argentinien machte sich der „Fußballgott“ unsterblich.

Auch sein zwei Jahre älterer Bruder Tobias Schweinsteiger schaffte es in den Profifußball und brachte es auf 148 Drittliga- und 19 Zweitliga-Einsätze. Zahlreiche weitere Jugendspieler aus der Region schafften den Sprung in den Profibereich: Der Priener Maxi Nicu wechselte von den Sechzigern in die U17 der SpVgg Unterhaching. Später spielte Nicu unter anderem bei Hertha BSC Berlin, dem SC Freiburg und dem TSV 1860 München und weist 70 Partien in der Bundesliga, 88 in der 2. Liga sowie sieben in der Europa League auf. Seine Karriere ließ der 42-Jährige beim TuS Prien ausklingen, wo er die Kreisliga-Mannschaft trainierte.

Sechzig-Jugend, Profi, Trainer in der Region – diesen Weg gingen auch Leonhard Haas und Florian Heller. Heller (49 Bundesliga/181 2. Bundesliga) kickte nach Rosenheim in der Bayern-Jugend und später bei Greuther Fürth, Erzgebirge Aue und Mainz 05. Zwei Jahre war er Trainer bei 1860 Rosenheim, ehe er im Januar 2023 den TSV Wasserburg übernahm, mit dem er im Mai in die Bayernliga aufstieg. Leo Haas (113 2. Bundesliga/48 3. Liga), der gemeinsam mit Heller in der Rosenheimer sowie der FCB-Jugend spielte, zog es zum FC Augsburg, Greuther Fürth und Hansa Rostock. 2015 übernahm Haas als Spielertrainer den TSV Wasserburg, ab 2016 nur noch als Coach. Im Dezember 2019 ging er zu Wacker Burghausen, 2022 zur Jugend bei Red Bull Salzburg, 2024 zur zweiten Mannschaft nach Fürth und seit Juli 2025 coacht er beim FC Bayern München. Nach einem U17-Jahr trainiert Haas seit Juli die U19. Vom gebürtigen Münchner Thomas Hitzlsperger, der 52 Länderspiele bestritt, 117-mal in der Premier League (Aston Villa, West Ham United und Everton) und 131-mal in der Bundesliga (VfB Stuttgart und VfL Wolfsburg) auflief, berichtete der Beinschuss ebenfalls. Hitzlsperger war mit Haas und Heller in der bayerischen 82er-Auswahl von Trainer Richard Neumeier.

Aus der Region schafften es auch Andreas Voglsammer und Raphael Obermair in die deutschen Profiligen. Voglsammer, der mit 1860 Rosenheim 2012 in die Regionalliga aufstieg, lief unter anderem für Unterhaching, Heidenheim, Bielefeld und Union Berlin auf. 50 Bundesliga-, 219 Zweitliga- und 127 Drittliga-Partien stehen zu Buche. Aktuell spielt der 34-Jährige bei Hansa Rostock in der 3. Liga. Obermair, der zwei Saisons bei den Sechziger-Herren absolvierte, ging über die Bayern-Amateure zu Sturm Graz, Carl Zeiss Jena und Magdeburg. Seit 2022 läuft er für den SC Paderborn auf, mit dem er nun in der Bundesliga spielt. Auch über Stefan Lex wurde im Beinschuss immer wieder berichtet. Von 2009 bis 2013 lief er für den TSV Buchbach auf, ehe er bei Fürth, Ingolstadt und 1860 München Profi wurde. 34 Einsätze in der Bundesliga, 43 in der 2. Bundesliga und 163 in der 3. Liga hat Lex auf seinem Konto.

Zudem wurden auch einige spätere Profis im Beinschuss erwähnt, die nicht aus der Region kommen und einen Gastauftritt in der Rosenheimer Fußballerbibel machten. Beispielsweise absolvierte die deutsche U18-Nationalmannschaft am 24. März 2011 in Prien ein Testspiel gegen Frankreich. Beim DFB spielten Loris Karius, Leonardo Bittencourt sowie Antonio Rüdiger, Amin Younes und Sonny Kittel, die eingewechselt wurden. Top-Talent Julian Draxler, der damals schon in der Bundesliga auflief, bekam von Trainer Horst Hrubesch eine Pause. Bei den Franzosen standen Alphonse Areola (später PSG und Real Madrid, seit 2022 bei West Ham) und Paul Pogba in der Startelf. Pogba, der mit Frankreich 2018 Weltmeister wurde, erzielte den 2:1-Endstand. Der Beinschuss schreibt: „Paul Pogba hämmerte die Kugel mit einem technisch perfekten Drop-Kick aus 25 Metern satt ins linke Eck.“ ‚Pogbooms‘ Markenzeichen…

2012 besiegte die deutsche U17 in Waldkraiburg Österreich. Marc Stendera schoss das Team um Leon Goretzka, Julian Brandt und Niklas Süle per Doppelpack zum 2:1-Erfolg. Auch Bayerns Owen Hargreaves schaffte es als Jugendspieler des FCB in die Beinschuss-Berichterstattung. Mit in seiner Mannschaft kickten die späteren Löwen Daniel Bierofka und Berkant Göktan. Manuel Schäffler, Sascha Rösler und Benny Lauth waren mit den Münchner Löwen zu Gast beim SB/DJK Rosenheim. Der TSV 1860 gewann das Testspiel mit 6:0. Weltmeister, Europameister, Nationaltrainer – deutschlandweit bekannte Fußball-Größen wie Ulf Kirsten, Christian Wörns, Jens Nowotny, Erik Meijer, Niko Kovac und Trainer Christoph Daum gastierten im Sommer 1996 mit Bayer Leverkusen zum Testspiel in Raubling. Neben Kirsten hielten auch Jürgen Klinsmann und Didi Hamann schon den Beinschuss in ihren Händen. Paul Breitner posierte im Beinschuss mit dem Sieger des Gedächtnis-Turniers zu Ehren seines Vaters in Freilassing. Im Gegensatz zu heimischen Jugendspielern, die den Weg in den Profifußball schafften, gibt es auch ehemalige Profis, die zurück in den Amateurbereich kamen. Norbert Eder, der sich im WM-Finale 1986 gegen Diego Maradonas Argentinier geschlagen geben musste, trainierte im Beinschuss-Gründungsjahr 1996 den Sportbund und stellte sich in der Saison 96/97 sogar 21-mal selbst auf. Zeitgleich stand Roland Hattenberger, der es in seiner Spielerkarriere ebenfalls mit Maradona zu tun bekam, beim TuS Raubling an der Seitenlinie. Der österreichische Ex-Nationalspieler war für seine flotten Sprüche bekannt. Wortkarg wurde er nur, wenn er davon erzählen soll, wie Maradona ihm und den anderen Adlerträgern im Wiener Praterstadion einen Knoten in die Beine gespielt hatte. Argentinien siegte im Länderspiel im Mai 1980 mit 5:1, der damals 19-jährige Maradona machte drei Tore – Diegos erste viel bestaunte Show in Europa. Beim Raublinger Lokalrivalen SV Nußdorf mischte als Spielertrainer der Ex-Löwe und Bayernliga-Rekordtorschütze Franz Schick die Liga mit seinen Buden auf. Die Liste mit ehemaligen Akteuren, die man heute als Trainer, Torwarttrainer oder in anderen Funktionen kennt, ist sehr lang: Franz Pritzl war einst Keeper beim SBR und trainierte später einige Mannschaften aus der Region. Ex-Bayern-Torwart Mike Probst coacht seit vier Jahren den SV Bruckmühl. Der ehemalige ESV-Sturmtank Stefan Marlog machte lange die SBR-U19, aktuell ist er vereinslos. Harald Melnik spielte bei den Vereinen, die er später auch trainierte: Sportbund, Westerndorf, Ostermünchen. Manfred Thaler, jetzt Trainer in Neubeuern, kickte in Flintsbach. Rudi Schlosser lief für die Sechziger auf und trainierte Nußdorf und beim SBR. Auch der Ex-Sechziger Michael Kokocinski, der im Beinschuss in der Aufstiegs-Saison 11/12 immer wieder vorkam, trainierte Vogtareuth und Wasserburg. Christian „Tschisn“ Hofmann, der über zehn Jahre beim TSV 1860 Rosenheim spielte und fast ein Jahrzehnt den Trainerposten in Tattenhausen besetzte, kam schon als Jugendlicher im Beinschuss vor. Christian Donbeck war als Spieler beim ESV Rosenheim, heute trainiert er den Bayernligisten FC Schwaig. Der Ex-Buchbacher Manuel Neubauer fand zu seiner Spielerzeit bei Buchbach den Weg ins Rosenheimer Fußball-Magazin, heute wird über ihn als Trainer der SG Reichertsheim-Ramsau/Gars berichtet. Der ehemalige Oberndorf-Akteur Matthias Pongratz stand schon bei Buchbach, 1860 Rosenheim, dem Sportbund und bei Wasserburg an der Linie. Mario Reichenberger trainierte über zehn Jahre den FC Töging, jetzt steht sein ehemaliger Ampfinger Mitspieler Robert Berg in Töging an der Seitenlinie. Zuvor coachte Berg unter anderem in Kirchanschöring und bei Wacker – genauso wie Mario Demmelbauer, der damals bei Burghausen II spielte. Vor einem Jahr wurde Ampfing noch von Björn Hertl trainiert. Über den Ex-Profi (Bundesliga, 2. und 3. Liga) berichtete der Beinschuss bei Haching und Wacker. Die beiden ehemaligen Rosenheimer Jugendkeeper Robert Mayer und Hans Rottmüller sind heute als Torwart-Trainer aktiv: Mayer, der für die Sechziger in der Regionalliga zwischen den Pfosten stand, bei Wasserburg, Rottmüller in Bruckmühl. Burghausens langjähriger Sportchef Karl-Heinz Fenk hütete das Tor von Ampfing und Wacker. 1860-Kapitän Franz Höhensteiger drückte sich den Beinschuss-Machern immer wieder mit Traumtoren auf, später fungierte er bei den Rosenheimern als Abteilungsleiter und hatte zuletzt eine entscheidende Funktion im Jugendbereich. Außerdem gibt es einige heutige Trainer, die damals schon als Coach aktiv waren: Klaus Seidel coachte damals die 1860-Jugend, später trainiert er die Sechziger-Herren sowie den Sportbund und ist heute bei Fras- dorf/Söllhuben. Wolfgang Schellenberg war im Jahr 2010 Trainer beim Bayernligisten TSV 1860 Rosenheim – und heute ist er es wieder. Im Beinschuss fand man damals einige Kicker, die man heute für andere Tätigkeiten kennt: Bei Markus Ratschmeiers Teamsport Zentrum in Rosenheim besorgen sich viele Fußballer aktuell ihre Ausrüstung und gehen in den kommenden Wochen aufs Rosenheimer Herbstfest, das vom Chef Klaus Hertreiter organisiert wird. Gemeinsam spielten sie beim TSV 1860 Rosenheim mit Christopher Nicu, Teammanager der Starbulls Rosenheim. Ebenfalls ein (zumindest auf den zweiten Blick) wichtiger Name: Germerings Hans Stiller. Der Spielertrainer nannte sein Team in den Ansprachen scheinbar so oft „Sportfreunde“, dass seine Spieler ihre Band nach ihm benannten – die Sportfreunde Stiller. Und auch die Presse selbst kam schon damals im Beinschuss vor: Der langjährige OVB-Sportchef „Bärli“ Ziegler trainierte damals den ESV, sein OVB-Nachfolger Thomas Neumeier schrieb als Jugendlicher seine ersten Berichte, Martin Weidner (ehemaliger Beinschuss-Redakteur, jetzt OVB24) spielte in der Rosenheimer Jugend und Oliver Griß sorgte beim ESV Freilassing für Furore – genauso wie heute bei dieblaue24.de…

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