Traunstein – Mit seinen 22 Jahren bringt es Alexander Dreßl bereits auf 97 Landesliga-Spiele für den SB Chiemgau Traunstein. Das Duell gegen den ESV Freilassing dürfte aus dieser Vielzahl an Partien sicherlich hervorstechen: Nach der gelungenen Aufholjagd vor 1.367 Zuschauern, bei der die SBC-Kicker aus einem 0:2-Rückstand noch einen 4:2-Sieg machten, waren die Hausherren am Ende außer Rand und Band. Mit heiserer Stimme, aber strahlendem Gesicht stand Alexander Dreßl nach dem Derby-Wahnsinn beinschuss.de Rede und Antwort.
Ein Wahnsinns-Derby, oder?
Auf jeden Fall. Aber wir haben auch erwartet, dass es ein umkämpftes Spiel vor einem Haufen Zuschauern wird. Und wir sind glücklich, dass es dann für uns so ausgegangen ist, und dass wir es in der zweiten Halbzeit gedreht haben. Aber es hätte auch schlimmer für uns in die Halbzeit gehen können.
Reden wir über die erste Halbzeit mit dem 0:2-Rückstand. Wie lautet Ihre Einschätzung?
Vor dem 1:0 haben wir schon den ersten Fehler gemacht, da hatten wir noch Glück – und danach fällt es gleich. Danach sind wir ein bisschen frischer geworden, machen den Druck auf das 1:1 und kriegen das 0:2 relativ einfach – viel zu einfach, weil wir zu offen stehen. Und dann hatten wir noch ein bisschen Glück. Da waren wir froh, dass der Keeper noch mal einen von der Linie runtergekratzt hat.
Ihr Trainer hat von außen lautstark klargemacht, dass man so kein Derby spielt!
Also die Einstellung in der ersten Halbzeit war von uns eine Katastrophe. In der Halbzeit haben wir eine Viertelstunde lang nur über unsere Fehler geredet und was wir besser machen müssen. Dass wir mehr Mentalität in so einem Derby auf den Platz bringen müssen. Das haben wir gut umgesetzt, wenn man sich das Ergebnis am Ende anschaut.
Welches Zauberpulver war denn im Pausengetränk drin?
Ich weiß es nicht. Nach dem 1:2 waren die Zuschauer gleich da, das hat man gespürt. Und wir auf dem Platz haben sofort gemerkt, dass da noch was drin ist. Freilassing ist etwas müde aus der Kabine rausgekommen.
Die erste Viertelstunde nach der Halbzeitpause ist immer entscheidend: Schafft man den Anschluss, dann ist noch einiges möglich. Wenn nicht, dann ebbt der Schwung vielleicht wieder ab. Ihr Team hat das 1:2 geschafft!
Das war für uns gut. Und wir haben dann nicht mehr nachgelassen. Freilassing ist nicht mehr so ins Spiel gekommen. Ein paar Situationen hatten sie noch, aber sonst haben wir das Spiel bestimmt.
War es nur die Einstellung oder haben Sie noch mehr am Spiel geändert?
Wir haben gleich mal frischen Wind reingebracht. Jeder hat in der Kabine schon kapiert, dass die Mentalität und die Einstellung so in einem Derby nicht passen. Das haben wir klar angesprochen. Die letzten Jahre haben wir nie gegen Freilassing gewonnen, vielleicht mal unentschieden gespielt. Und zum Glück haben wir jetzt mal den Bann gebrochen.
In der Halbzeit hätten Sie aber auch ein 2:2 unterschrieben!
Das hätte ich auch, ja.
Erklären Sie mal, was dann in der 90. Minute und in der Nachspielzeit passiert ist.
Das macht den Fußball aus! Für solche Momente spielen wir und sind alle glücklich, wenn es so ausgeht!
Am Wochenende wartet mit Spitzenreiter Murnau schon der nächste Knaller auf den SBC!
Das ist der nächste Brocken. Die werden auch so spielen wie Freilassing. Und dann hoffen wir, dass wir da etwas Zählbares mit nach Hause nehmen.
Die Brust dürfte jetzt ein bisschen breiter sein als davor, oder?
Ja, jetzt stehen wir gut da. Damit haben wir, ehrlich gesagt, am Anfang der Saison gar nicht gerechnet. Damit hat keiner gerechnet – auch nicht, dass Freilassing so gut da vorne mit dabei ist. Aber so ist der Fußball. Was so eine Sommerpause ausmacht!
Was ist denn der große Unterschied?
Wir haben umgestellt, das merkt man. Wir spielen eine andere Formation. Aktuell passt es, die Stimmung ist überragend, jeder haut sich für jeden rein. Und wenn es so weitergeht, dann sind wir glücklich. Thomas Neumeier