Traunstein – Es war kein Spiel für schwache Nerven! Der SB Chiemgau Traunstein und der ESV Freilassing lieferten sich ein überaus spannendes und faires Derby in der Fußball-Landesliga Südost. Das bessere Ende hatten vor der Traumkulisse von 1.367 Zuschauern im Jakob-Schaumaier-Sportpark die Gastgeber. Sie holten in der zweiten Halbzeit einen 0:2-Rückstand auf und siegten letztlich mit 4:2. Das Team von Gerry Straßhofer baute seine Siegesserie damit auf vier Erfolge am Stück aus, für den ESV war’s hingegen die erste Niederlage nach drei Siegen hintereinander.
„Die erste Halbzeit war eine Katastrophe von uns“, sagte Straßhofer nach der zweiten Partie in dieser Englischen Woche. „Wir haben in der Pause ein bisschen etwas angepasst und haben in der zweiten Halbzeit wieder unser Gesicht gezeigt“, freute er sich. „Ich hätte auch das 2:2 mitgenommen“, gestand er. „Dass es am Ende dann sogar ein Sieg geworden ist, ist natürlich sehr erfreulich!“ Auch der Sportliche Leiter des SBC, Kilian Lehrberger, zeigte sich begeistert von diesem Derby: „Man muss den Freilassingern Respekt zollen. Sie haben in der ersten Halbzeit eine sehr, sehr gute Leistung gezeigt. Wenn man sich aber die zweite Hälfte anschaut, dann geht unser Sieg letztlich in Ordnung.“
Enttäuscht war ESV-Trainer Goran Roksandic nach dem Schlusspfiff. „Das ist eine bittere Niederlage für uns – und das im Derby“, sagte er. „Ich bin trotzdem stolz auf meine Jungs, weil sie wieder 100 Prozent gegeben haben. Das ist der richtige Weg“, ergänzte der Coach und verwies auf die aktuell schwierige Personalsituation bei seinem Team.
Beide Trainer waren angetan von der einmaligen Kulisse. „Das hatte Regionalliga-Ambiente“, schwärmte Roksandic. Straßhofer sprach von „einer Wahnsinnskulisse“.
Weil so viele Zuschauer noch nicht im Stadion waren, pfiff der souverän leitende Schiedsrichter Raffael Dauner (FC Phönix München) das Derby zehn Minuten später an. Die Eisenbahner gingen in der 14. Minute in Führung: Ein Freistoß von Tim Bageritz segelte in den SBC-Strafraum, dort stand Goalgetter Timo Portenkirchner goldrichtig und netzte ein. Die Freilassinger zeigten in den ersten 45 Minuten ein perfektes Pressing und ließen dem sichtlich beeindruckten Gastgeber keinen Meter Raum. In der 35. Minute schlug der Freilassinger Torjäger erneut zu – es war bereits sein neunter Saisontreffer. SBC-Kapitän Maximilian Hosp hätte in der 42. Minute beinahe noch den Anschlusstreffer erzielt, aber sein Freistoß ging an den linken Pfosten. Unter dem Strich sei seine Elf in der ersten Halbzeit zu ängstlich gewesen, fasste Straßhofer die ersten 45 Minuten zusammen.
Nach dem Wechsel kamen die Gastgeber wie ausgewechselt aus der Kabine. „Da haben wir dann Druck ausgeübt und waren in den Zweikämpfen drin“, lobte Straßhofer. Der erneut stark aufspielende Andrii Pelypenko erzielte den wichtigen Anschlusstreffer (54.). In der 84. Minute fiel das umjubelte 2:2. Ein Freistoß von Pelypenko segelte in den Strafraum und Nick Schreiber netzte ein. In der Schlussphase hatten beide Mannschaften plötzlich wieder Möglichkeiten – das bessere Ende hatte die Heimelf. Schorb gab alles und leitete den Ball zu Dennis Hrvoic weiter, dieser wiederum bediente Noah Hufnagl, der kaltschnäuzig zum 3:2 (90.) verwandelte. Der ESV machte nun komplett auf und lief noch in einen Konter. Hrvoic machte mit dem 4:2 (90.+2) den Deckel auf dieses Derby drauf!
SB Chiemgau Traunstein: Ploc, Kranzfelder (85. Tersteegen), Hosp (71. Elia Hufnagl), Schreiber, Knauer, Pelypenko (85. Salihu), Schorb, Kryezi (46. Noah Hufnagl), Alexander Dreßl, Paranos, Heuschneider (46. Hrvoic).
Schiedsrichter: Dauner (FC Phönix München).
Zuschauer: 1367.
Tore: 0:1 Portenkirchner (14.), 0:2 Portenkirchner (35.), 1:2 Pelypenko (54.), 2:2 Schreiber (84.), 3:2 Noah Hufnagl (90.), 4:2 Hrvoic (90. + 2).bst