„Wir haben extrem viel gelernt“

von Redaktion

Interview Leon Lamprecht hält beim Hlinka Gretzky Cup als einzig verbliebener DEB-Nationalspieler die Fahne des Rosenheimer DNL-Teams hoch

Rosenheim – Leon Lamprecht ist der letzte verbliebene deutsche Eishockey-Nationalspieler im U20-Nachwuchs der Starbulls Rosenheim. Vergangenen Sommer trugen noch fünf Rosenheimer Talente das deutsche Trikot, aber vier Spieler, die noch für die Deutsche Nachwuchsliga (DNL) spielberechtigt wären, wechselten dieses Jahr zur direkten Konkurrenz oder wagten den Schritt ins Ausland. Lamprecht hält den Grün-Weißen, die am Samstag um 19.30 Uhr mit einem Heimspiel gegen Landshut in die neue DNL-Saison starten, dagegen die Treue und unterstrich seine Klasse zuletzt auf ganz großer Bühne. Mit der U18-Nationalmannschaft ging es für den Stürmer zum renommierten Hlinka Gretzky Cup ins kanadische Edmonton. Die OVB-Sportredaktion hat sich mit dem Miesbacher über seine Zukunftspläne unterhalten.

Sie haben sich entschieden, vorerst in Rosenheim zu bleiben. Was gab den Ausschlag?

Ich habe mir schon überlegt, auch wegzugehen. Aber es ist erstens wegen der Schule leichter gewesen, zweitens ist es mental leichter, wenn man bei der Familie bleibt. Und ich wollte unbedingt noch ein Jahr mit meinen Jungs spielen. Man tut sich leichter, wenn man in einer Mannschaft spielt, die man kennt.

Ist der Schritt ins Ausland weiterhin Ihr langfristiges Ziel?

Auf jeden Fall. Diese Erfahrung ist Gold wert. Man hat drüben durch die kleine Eisfläche weniger Reaktionszeit und das Spiel ist viel körperbetonter. Wenn man diese Härte und Schnelligkeit später wieder auf die große Eisfläche mitnimmt, profitiert man auf dem Weg zum Profi enorm.

Sie waren kürzlich mit der Nationalmannschaft in Kanada. Wie haben Sie diese zweieinhalb Wochen erlebt?

Ich habe etwa einen Monat vorher Bescheid bekommen. Es war wirklich ein mega Erlebnis. Normalerweise ist man mit der Nationalmannschaft oft nur für eine Woche unterwegs und hat wenig Zeit miteinander. Aber bei zwei Wochen kommt man richtig schön zusammen und wird auch echt eine gute Mannschaft. Und die Stadt war cool. Für viele Jungs, die das erste Mal in Nordamerika waren, war es erst einmal ein Schock. Alles ist viel größer dort und es sind viel mehr Leute auf den Straßen. Aber vom sportlichen Niveau her war es echt unglaublich.

War das das höchste Niveau, auf dem Sie bisher Eishockey gespielt haben?

Direkt nach der Ankunft hatten wir das erste Training und mussten uns erst einmal an die kleinere Eisfläche gewöhnen. Das war erst einmal schwer, aber das ging dann relativ schnell. Aber es ist echt unglaublich, wie wenig Zeit man mit der Scheibe hat.

Ein Highlight war sicher der Besuch im Stadion der Edmonton Oilers.

Das war mega! Ich konnte erst gar nicht realisieren, dort auf dem Eis zu stehen. Also, es war echt unglaublich. Beim Warm-up sind Kameraleute um dich rumgefahren, haben dich gefilmt. Wir haben auch einen Ausflug in die Oilers-Kabine gemacht. Da ist der Kraftraum schon allein so groß wie zwei Kabinen. Das ist unglaublich cool gewesen. Und es war einfach ein Privileg, in dieser großen Halle spielen zu dürfen.

Wie fühlt es sich an, für eine Nachwuchs-Nationalmannschaft aufzulaufen, bei der Spieler aus den verschiedensten Vereinen zusammenkommen?

Das Trikot seines Landes zu tragen, ist eine große Ehre. Man kennt ja die Jungs teilweise schon aus der Liga oder noch von der bayerischen Auswahl. Man hat dieselben Interessen, man ist für das gleiche Ziel da: Man will Spiele gewinnen, man will Spirit ins Team bringen.

Werfen wir einen Blick auf das Turnier: Wie glücklich oder unglücklich waren Sie mit dem Verlauf?

Nach dem Testspiel sind wir mit guter Stimmung gestartet und lagen gegen Finnland (2:5) auch schnell mit 2:0 in Führung. Vor der großen Kulisse haben wir danach aber zu leichtfertig Scheiben hergegeben und die Partie unglücklich verloren. Gegen Tschechien (3:8) sind wir viel zu spät ins Spiel gekommen. Die Partie gegen die USA (1:8) war zwar eines unserer besten Spiele, das Endergebnis fiel am Ende aber zu hoch aus. Gegen Schweden (2:4) haben wir es ab dem zweiten Drittel auf die leichte Schulter genommen. Unser Ziel war eigentlich, nicht Letzter zu werden – sogar das Halbfinale wäre möglich gewesen. Dementsprechend frustriert waren wir am Ende.

Welche Erkenntnisse nehmen Sie für die nächsten Lehrgänge mit?

Wir haben extrem viel gelernt – vor allem, dass wir in der Defensive konsequenter werden müssen. Offensiv können wir viel kreieren, aber international wird jeder defensive Fehler sofort bestraft. Daran müssen wir vor den nächsten Maßnahmen im Spätherbst arbeiten.

Wie blicken Sie nun auf die anstehende Saison mit der U20 der Starbulls Rosenheim?

Viele Spieler haben den Verein verlassen, der Kader hat sich stark verändert. Unser Mindestziel ist ganz klar der Klassenerhalt. Persönlich und als Mannschaft wollen wir aber unbedingt die Meisterrunde erreichen. Von dort aus sehen wir dann weiter.

Interview: Marko Aleksic

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